Book Reviews TASCHENBUCH DER MODERNEN PAR- FilMERIE UND KOSMETIK, yon Hugo Janistyn, 4., neubearbeitete Auflage, XIII, 833 Seiten, zahlreiche Tabel- len, Kunststoffeinband. Wissenschaf- liche Verlagsgesellschaf mbH, Stutt- gart 1974. Preis: DM 165,--. Infolge stofflicher Erweiterung und neuer technischer Gestaltung ist die Kennzeichnung dieser Publikation als Taschenbuch eine Unrertreibung. Inhaltlich ist es, verglichen mir dem dreib•indigen ,,Handbuch der Kos- metika und Riechstoffe" (Dr. A. Hii- thig Verlag, Heidelberg 1969-1973) des Autors, ein, allerdings umfangrei- cher, Auszug dieses Werks. Insofern kann es nicht tiberraschen, dag die Beurteilung des Taschenbuchs mir der des Handbuchs weitgehend tiberein- stlmmt. Solche Wiederholung yon Argumenten zur Beurteilung eines Fachbuches ist abet ntitzlich, um die Kontraste innerhalb des Faches stets erneut in Erinnerung zu rufen. Der Autor ist meines Era&tens, wie schon off vermerkt, Empiriker, der Kosme- tika kritisch, Niufig genug mir Mig- trauen und kaum verhtillter Ironie begutachtet, worin ihm angesichts der in vielen Fallen geradezu leicht- fertigen, wie man dann entschuldi- gend behauptet, ,,dichterisch" tiber- treibenden Werbung recht zu geben ist. Jedoch sieht -- laut dem der 3. Auflage dieses Buches entnommenen Vorworttext -- der Autor die in vie- len L•indern gesetzlich &tinierten Grenzen des Aufgabenkreises der Kosmetik gegentiber Medizin und Pharmazie in Wirklichkeit als ver- schwommen an. Er liigt tiberhaupt gegentiber den yon ihm tibrigens lei- der als Synonyme gebrauchten Be- griffen Kosmetika und Kosmetik (darin vielen Fachleuten gleichend, was aber die Synonymie nicht rich- tiger macht) eine deutlich zwiespiil- tige Meinung erkennen. Diese Un- sicherheit charakterisiert er vor allem im ,,Schlugwort" (p. 756, aber auch schon p. 215 f.) recht klar, dessen Ausfiihrungen tiefen Pessimismus vermitteln. Die yon mir gelotete Tie- fe seines Pessimismus ist dem Autor vielleicht gar nicht bewugt und nur Folge der Verkennung neuer Bemii- hungen um den Sinngehalt der Kos- 240
JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS 9.41 metik. Es spri/nge den Rahmen einer Rezension, darauf ni/her einzugehen. Entschieden widerspreche ich wegen der Wiederholung der schon im Vor- wort zur 3. Auflage geiiut•erten An- sicht, Kosmetik k/Snne nicht als selb- sti/ndige Wissenschat• betrachtet wer- den, ist sie doch die Behandlung des Menschen mir chemischen Mitteln zur Optimierung seines Aussehens. Die Anwendung der Kosmetika setzt ß Forschung voraus und insofern er- scheint sie als ein in einer umfassen- deren Disziplin abgrenzbarer Teil. Dieses Verhi/ltnis gleicht dem der therapeutischen Forschung als Wis- senschat• zur Medizin. m Der Autor verfiigt fiber eine mir gr/5t•tem Fleit• angelegte enorme Materialsammlung. Es ist daher sehr zu bedauern, dab er diese Stoffiille nicht exakt genug sy- stematisierte. Die zitierte Literatur ist leider ungeniigend beriicksichtigt, vor allem was die neuere berrie. Ar- beiten his 1973 in gr/5t•erem Urnfang errat&t, wiirden dem Benutzer gute Dienste leisten. Eingehendes Studium mancher dieser Arbeiten hi/tte des Autors Fachpessimismus gemindert. -- Die Verarbeitung so umfangrei- chen Materials ist selten frei yon Irr- dimern zu halten. So w•ire z. B. an- zugeben gewesen, dab Natriumper- borat (p. 224) nur eine handelsiib- liche Bezeichnung sowohl fiir Na- tetraborat-Wasserstoftperoxid-9- Wasser (Na2B407 H20 2 ß 9 H20) als auch fiir Na-peroxoborat-trihy- drat oder Na-metaborat-Wasserstoft- peroxid-3-Wasser (NaBO2 ß H_•O• ß 3 H•_O) ist, das allein angefiihrt wird unter ,,Natriumperborat" (p. 233) finden sich Angaben, die teils yon den auf p. 224 mitgeteilten verschie- den, teils Wiederholung sind. m Zu ,,Kaliumjodid" (p. 229) wird ausge- sagt, das Jod-Ion wirke regenerie- rend, aber nicht worauf. Die Ver- wendung-des Salzes zur Erzielung yon Abmagerung durch extern-lokale Applikation (auch yon Oleyljodid) nimmt jedoch der Autor erkennbar nicht ernst. -- Die Qualitiit des Bu- ches wird durch kritische Bemerkun- gen, wie z.B. im in der neuen Auf- lage hinzugefiigten Abschnitt ,,Die Herrennote", mitbedingt, wenn der Autor auf die Tatsache verweist, daf• die als miinnlich gemiif• herrschenden Vorstellungen bezeichneten Geriiche gerade die Frau anzusprechen haben. Der Begriff Herrennote ist genau ge- nommen verschwommen (p. 214). Ein weiteres Beispiel ist die Stellung- nahme des Autors zu pflanzlichen Drogen und Wirkstoffen (p. 344). Er wundert sich, weshalb die doch often- bar leicht zug•inglichen Stofte, die beim Welken yon Pflanzen (laut Filatow) entstehen, noch nicht iden- tifiziert worden sind. Die innerliche Wirkung pflanzlicher Drogen einer •iuf•erlichen gleichzustellen, wie dies yon Kosmetikerinnen und leider selbst yon gr•3f•eren Firmen prakti- ziert wird, betrachtet der Autor als unsinnig. Er fragt zugleich, wieso man Kosmetika mit Pflanzenextrak- ten ,,biologisch" nennen darf und be- zeichnet eine derartige Aussage al•s grobe Irref[ihrung. -- Alles in allera kann ich f•ir diese Auflage mein Ur- teil •iber die 3. Auflage dieses Buches (vgl. Parfi•merie und Kosmetik 47, 276 [1966]) wiederholen: Das Ta- schenbuch ist mit gutera Gewissen zu empfehlen. Hans Freytag, Darmstadt
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