j. Soc. Cosmet. Chem., 32 231-245 (July/August 1981) BENEFIT UND RISK DER KOSMETISCHEN MITTEL yon Giinter Stiittgen SYNOPSIS As a rule, the utility of cosmetics cannot be evaluated by pharmacological methods as in the case of drugs. In order to assure their safety, cosmetic products must be programmatically investigated especially if absorption into the living cells of the skin and resorption into the organism may occur. Such a program is presented. The utility of cosmetics is related to prophylactic health care and to an improvement of the sense of well being with a positive influence on body functions. Finally, the deliberate presentation of another self through the use of cosmetics plays an important role in everyday life. Motivation for skin care is much deeper rooted than that for skin protection. Active substances in skin products are permitted if they influence only the above mentioned objectives of cosmetics. In this way, cosmetic products do not drift into the grey area in which they should be considered drugs. The problem of allergenicity has been minimized by avoiding the use of known sensitizing compounds. Since cosmetics are subjected to the same scrutiny as foods, i.e., food additives, their safety can be expected to be very high. The overall assessments of cosmetics today tends to be more positive than negative. Maximum safety is not merely a goal but must exist. This review is an attempt to present the requirements for achieving this objective. Man kiSnnte bei Gegeniiberstellung des Nutzens und des Risikos kosmetischer Mittel kurzerhand zu dem lapidaren Statement kommen: ,,Ein Risiko hat im Rahmen der Kosmetik nichts zu suchen." Der Begriff Risiko bedarf somit einer Definition und soll hier in seiner Gegeniiberstellung zu Benefit so verstanden sein, datt Sicherheit und Nutzen kosmetischer Mittel abwiigend miteinander verglichen werden. Die kosmeti- schen Produkte und ihre Inhaltstoffe sind in einer breitbasigen Programmierung auf ihre Sicherheit zu untersuchen, beyor sie in entsprechender Transparenz der Offentlichkeit darõeboten werden. Im weiten Bereich unserer Umwelt wird das Risiko bei Verbesserung der Lebens- qualit•it abgewogen. Risiken werden dann hingenommen, wenn es sich um lebensnot- wendige Situationen handelt. Ich erinnere an Energieversorgung und Arzneimittel. Kosmetika geh6ren sicher nicht zu den elementar lebensnotwendigen Ptodukten, zwei- felsohne aber sind sie geeignet, zur Verbesserung des Lebens, zur Verbesserung der Herrn Dr. Eugen Hieke, dem Direktor des Max von Pettenkofer-Institutes und Leiter der Kosmetik-Kom- mission im Bundesgesundheitsamt der BRD, gestorben am 17. 10. 1979, in ehrendem Gedenken gewidmet. Vortrag gehalten anl•ifflich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft der Kosmetik,Chemiker vom 25.-26.4. 1980 in Baden-Baden 231
232 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Lebensqualitiit beizutragen. Es gibt in unserer Gesellschaft eine erstaunliche Opfer- bereitschaft, um dem individuellen Wunschbild der PersiSnlichkeitsdarstellung gegentiber der Umwelt zu entsprechen. Tiefgreifende Resignationen miSgen in dem UnvermiSgen begrtindet sein, diesem Wunschbild nachzukommen. Es liegen Ansiitze vor, von diesem Gesichtspunkt aus der Selbstdarstellung mittels kosmetischer Mittel einen Stellenwert zuzumessen, der unter Respektierung der individuellen Situation mit dem Begriff lebensnotwendig verkniipft sein kann. Die Diskussion fiber das Pro und Contra bei der Abwiigung von Nutzen und Sicherheit liigt erkennen, dag das Ausmag des Risikos mittels naturwissenschaftlicher Methoden in Pharmakologie, Toxikologie und Dermatologie sich priizise darstellen liigt. Dem- gegeniiber ist die Bewertung des Benefits, des Nutzens, also der breiten Palette der positiven Auswirkung kosmetischer Mittel, durch solche Methoden nicht ohne weiteres zu erfassen. Auf der Benefit-Seite der kosmetischen Mittel steht a) der Effekt der K•Srperpflege mit seiner direkten Auswirkung im Sinne einer pro- phylaktischen Gesundheitspflege, b) die Verbesserung des Wohlbefindens als partiell narzigtischer Effekt, zweifelsohne verbunden mir einer indirekten Einwirkung auf K•Srperfunktion und schlieglich c) die bewugte •4nderung der Selbstdarstellung durch kosmetische Mittel als hilfreiche Magnahme, um in einer kritischen Umgebung zu bestehen. Die Kosmetik ist heute im Zuge des Abbaus der gesellschaftlichen Schichtung ein nicht unerheblicher Faktor, der auch im Berufsleben weitreichende Konsequenzen besitzt. Es gibt nicht nur allein ein Vertriiglichkeits-Risiko der kosmetischen Mittel, sondern auch ein individuelles Wagnis im Rahmen der Selbstdarstellung. Dieses Wagnis liegt in der Fehlinterpretation der Umgebung bei der Bewertung der Selbstdarstellung unter An- wendung kosmetischer Mittel. In der heutigen Sicht ist dies im wesentlichen ein Gene- rationsproblem die Toleranzbreite gegeniiber der Selbstdarstellung triigt derzeit ge- wisse romantische Ztige. Die Bemtihungen, das Wunschbild des eigenen Ichs der Urnwelt zu vermitteln und der schlieglich erreichte Effekt in der Beeindruckung der Urnwelt kommen hiiufig nicht zur Deckung. Wichtige Kapitel der Hautpflege sind auf diesem Kongreg schon bertihrt worden, sie umfassen den Wasserhaushalt, den Hautfettfilm und die Auswirkungen auf die Ge- gebenheiten der oberen Hautschichten. Chemisch-physikalische Megmethoden an der Haut sind geeignet, deren $chutzfunktion hervorzuheben, die durch entsprechende Anwendung kosmetischer Mittel verbessert werden kann. Auf dem Gebiete der in- direkten Auswirkung auf das Wohlbefinden sind moderne psychologische Wirkungs- nachweise heute Handwerkszeug der zustiindigen Fachkreise. Ich erinnere an die her- vorragende Formulierung yon Bergler, an die nachlesenswerte Wiedergabe des Themas Wirkung, Nachweis und Darstellung kosmetischer Mittel unter Ippen anliiglich der Kosmetiktage Karlsruhe 1977.
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