94 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS nicht tibersehbare Anzahl von Verbindungen. Die Frage, welcher Stoff in welchem Umfang die Hautschranken passiert und welchen Ver•inderungen er bis zu seiner Ausscheidung unterliegt, ist for die Toxikologie oder die externe Thetapie mit Arzneistoffen ebenso von grolier praktischer und theoretischer Bedeutung, wie for den sinnvollen Einsatz kosmetischer Pr•iparate. Hierbei spielen physiko-chemische Eigenschaften der Vehikelsubstanzen wie der Wirk- stoffe, ihre Konzentrationen in der Zubereitung, die Dauer der Applikation, die Grt3f•e der Kontaktfl•iche und der Zustand der Haut eine wesentliche Rolle. Viele, auch neuere, Ergebnisse sind mehrdeutig (1). Imbibition, Penetration und Resorption (Absorption) sollten klarer unter- schieden werden: Imbibition beinhaltet nur die Durchtr•inkung oberfl•ichlicher Epithelschichten mit einer •iuf•erlich applizierten Zubereitung. Sie kann mehr oder wen,iger tief eingedrungen sein, ohne jedoch die physiologische Schutz- funktion der Epidermis durchbrochen zu haben. Im Falle einer Penetration hat der Stoff in der Zubereitung oder haben Inhaltsstoffe derselben das Epithel vollst•indig passiert, somit auch die sogenannte Szakallsche Barriere iiber- wunden und ,das Stratum germinativum erreicht. Erst dann kt3nnen Substan- zen ins Corium gelangen. Sie lassen sich hier h•iufig nachweisen und dokumen- tieren auf diese Weise eine erfolgreiche Penetration. Letztere ist somit unab- dingbare Voraussetzung for percutane Resorption oder Absorption, die Auf- nahme in den Organismus. Sie wird mir dem Abtransport in den allgemeinen Kreislauf beendet. Da sich aber Lymph- und Blutgef•if•e erst im Corium be- finden, ist eine Resorption frtihestens yon hier aus mt3glich. Neben dieser trans- epidermalen ist wohl nur noch die transfollikul•ire Aufnahme von nennens- werter praktischer Bedeutung. Aber auch in diesem Fall ist das Corium die entscheidende Station fOr.die Resorption. Unsere pharmakologischen Untersuchungen hatten zun•ichst das Ziel, viel Wirkstoff mt3glichst schnell un.d gegebenenfalls exakt dosiert percutan zur Resorption zu bringen. Kosmetische Aspekte hinsichtlich Eindringtiefe, Depot- wirkung, Steuerung derselben oder des Abtransportes ergeben sich daher erst in zweiter Linie. FOr einen Kosmetika-Chemiker sind diese Befunde aber in- sofern interessant, als sie zeigen, daf• sich nach einer, wenn auch unbeabsich- tigten, Penetration eine Resorption kaum noch verhindern' l•it•t. Sie kann auch dann noch eintreten, wenn der •iut•ere Kontakt hereits lange unterbrochen ist. Kosmetische Wirkstoffe wird man sornit in der Epidermis, im Stadium der Imbibition, zu halten trachten. Gewisse organische Lt3sungsmittel schleusen andere Stoffe, die nicht oder nut sehr langsam penetrieren, durch die Hautbarriere und bringen sie so percutan zur Resorption. Diese Penetrationsvermittler erfiillen ihre Funkdon weit- gehend unabh•ingig vom eigentlichen Wirkstoff. Tr•iger, Substanz und gegebe-
ABSORPTION POTENTIAL OF SKIN nenfalls vorhandene L•3sungsvermittler scheinen zusammen aufgenommen zu wetden, in toro also, oftenbar ohne nennenswerte Selektion im Epithel. Hier- bei handelt es sich vorwiegend um einen interzelluliren transepidermalen und transfollikuliren, passiven Transport. Seit Jahrzehnten zihlt Es. erin, ein Cholinesterasehemmstoff, zu den Indika- toren einer mtSglichen Penetrationsvermittlung (2) (3). Seine Wirkung auf die quergestreifte Muskulatur ist ausgepr•igt und kann nach Resorption sehr klei- ner Mengen im tierischen Organismus verh•iltnismif•ig leicht nachgewiesen werden..,!Registriert wird z. B. der Effekt auf die periodisch elektrisch gereizte Kaumuskulatur yon M•iusen, wobei der Zeitraum yore Beginn der •iuf•eren Applikation auf die intakte Haut bis zum Anstieg der HubhtShe die Resorp- tion un.d ihre Geschwindigkeit anzeigt. Die Untersuchung prim•irer, einwertiger Alkohole 1,ief• folgendes erkennen: Erst ab Verbindungen mir 4 C-Atomen setzte allmihlich ein schwacher Eserin- Effekt ein. Er steigerte sich mir wachsender Kohlenstoffanzahl und hatte sein Optimum bei Alkoholen yon mittlerer Kettenlinge. Iso-Alkohole permeierten die Haut mir gleicher Geschwindigkeit wie unverzweigte, sekund•re dagegen merklich langsamer als primire. Mehrwertige Alkohole wirkten selbst nach zweistiindigem Kontakt nicht mef•bar (4). Ein weiterer Nachweis percutaner Resorption kann reit .dem herzwirk- samen Glykosid Convallatoxin geftihrt werden, welches die intakte Haut normalerweise in erkennbarer Menge nicht durchdringt (5). Mir Hilfe geeig- neter Penetrationsvermittler indessen l•if•t es sich percutan zur Resorption bringen, sogar in t•3dlichen Dosen, und selbst yon einer kleinen Oberfiiiche aus. Um Convallatoxin in der gewtinschten Konzentration yon 1,5 rag/Tier ver- gleichend untersuchen zu k•3nnen, mufften Li3sungsvermittler verwendet wer- den, die in bezug auf die Penetration und die Resorptionsgeschwindigkeit des Wirkstoff-Trigergemisches indifferent blieben, wie Kontrolluntersuchungen besditigt haben. Aus der bei ven•3ser Verabfolgung ttSdlichen Dosis, der extern angebotenen Wirkstoffmenge und der Kontaktfiiiche ergibt sich ein Anhalt fiJr die Resorptionsgeschwindigkeit. Sie betrigt einige mm3/cm2/h. Wie aus TabelIe 1 ersichtlich, penetrieren Hexan /and Hexen betriichtlich schneller dutch die intakte Meerschweinchenhaut als die entsprechenden Alko- hole, denn in den Kohlenwasserstoffen geR3stes Convallatoxin ftihrt erheblich schneller zum Tode, wird demnach rascher resorbiert als aus Hexanol und Hexen-3-ol (6). Unter gleichen Bedingungen bleiben mehrwertige Alkohole wirkungslos wie auch schon bei den geschilderten Versuchen mir Eserin. Mit Hilfe eines speziellen Aggregates lassen sich die genannten und auch andere Wirkstoffe exakt dosiert percutan zur Aufnahme bringen, mir einer Resorptionsquote yon nahezu 100% (7). Das Prinzip besteht darin, daf• der
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