BEHANDLUNG UND PROPHYLAXE DER HAUTALTERUNG 293 Hautpflege ist aber zwischen den Grundlagen und ihren Effekten auf der einen und den sogenannten Wirkstoffen auf der anderen Seite zu untertei- len. Bezfiglich der Beurteilung der Wirkstoffe wird hier im wesentlichen an die Einteilung und Auffassung yon Schneider und Ruther (39) angeknfipft. Die Rolle der Grundlage sei nur kurz angedeutet. Mir der Abnahme der Talgsekretion und der damit verbundenen geringeren Wasserbindung und wahrscheinlich auch abnehmenden Konzentration der Stoffe des nmF (Jacobi (19)) in der Haut - etwa an der schlechteren Alkalineutralisations- f2higkeit alter Haut zu erkennen - tritt die trockene Altershaut auf. Ein Um- schalten der K6rperpflege auf lipidhaltigere Zubereitungen, z.B. die An- wendung yon Nachtcremes, ist notwendig, dabei kann sogar ein Abdeck- effekt in Kauf genommen werden denn auch der endogene Ekzematiker als Sebostatiker vertr2gt Vaselin yon allen Grundlagen am besten und ihr Effekt ist am nachhaltigsten. Spiritu6se Wasser mfissen eingeschr2nkt werden und der austrocknende Puder durch eine entsprechende Grundlage gegenfiber der Haut ,,isoliert" werden. In der Reinigung des Gesichtes w2ren wieder Seifen den Syndets vor- zuziehen und das ,,Eincremen" mfiBte m6glichst noch auf die feuchte Haut erfolgen. Auf diese Weise ist durchaus eine Besserung des Hautstatus zu erreichen, und so mancher Erfolgsbericht fiber ein wirkstoffhaltiges Kos- metikum dtirfte in Wahrheit auf einem Effekt der Grundlage beruhen. Ohne nun im einzelnen auf die m6glichen Rezepturen einzugehen, sei aber noch ein Punkt erw2hnt, dem hisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde, eine (abdeckende) Nachtcreme muB auf der Haut m6glichst lange stabil bleiben, darf also ihren Emulsionszustand nicht 2ndern, eine Tagescreme dagegen soll m6glichst bald auf der Haut mir dem Keratin und dem Talg-SchweiB- gemisch, das laufend entsteht, eine Emulsion bilden. Es darf dabei nicht nur zu einer St6rung der ursprfinglichen Emulsion kommen, sonst wird das emulgierte Wasser zu schnell verdunsten (Kfihleffekt) und zurfick bleibt u.U. nur eine abdeckende Lipogelschicht, wie dies z.B. bei dem Ungt. leniens der Fall ist. Die neugebildete Emulsion muB auch die Perspiration aufnehmen k6nnen. Kfihleffekt und ein ,,Durch-die-Salbe-hindurch-Schwit- zen" sind ein Zeichen daffir, dab durch die verwendete Grundlage der haut- eigene Emulsionsfilm nur gest6rt wurde, ohne dab sich eine neue Emulsion eingestellt hat. Es sei nur am Rande erw2hnt, dab mir Sicherheit der auf die Haut aufgetragene Emulsionszustand keiner Emulsion fiber 12ngere Zeit erhalten bleibt. Der pH-Wert der Grundlagen sollte m6glichst neutral oder schwach sauer sein, wenn sich auch gezeigt hat, dab unterschiedlich eingestellte pH-Werte yon Grundlagen die Funkdon der Haut kaum beeinflussen, so dab dieser
294 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Faktor sicher oft tiberbewertet wird. Dagegen scheint ein saurer pH-Wert eine gewisse praktische Bedeutung bei der Neigung zu bakteriellen Infekten zu haben, also vorzugsweise beim Seborrhoiker. Generell liBt sich ftir die beiden Typen, Sebostatiker und Seborrhoiker, sagen, dab letztere bevorzugt im Sinne einer Emulsionsumkehr von der haut- eigenen W/O-Emulsion zur O/W-Emulsion zu behandeln sind, bier kann es dabei ruhig zu einer gewissen Emulsionsst•Srung kommen mir einem Frei- setzen von Feuchtigkeit, dagegen sollen Sebostatiker anstelle der fehlenden eigenen Talg-SchweiBschicht mir einer ktinstlichen, also einer W/O-Emul- sion behandelt werden. Die Abdeckwirkung tiber Nacht wird man bevor- zugt bei der trockenen Haut anstreben, auch bier kann beim Seborrhoiker eine gewisse Austrocknung von Nutzen sein. Die tibrigen physikalischen Eigenschaften, wie Schmelzpunkt, Spreitverm•Sgen und HLB-Werte ordnen sich zwanglos in diese dermatologischen Bedingungen ein. Unter den Vitaminen spielt das Vitamin A seit den Versuchen von Studer undFrey (46) als antikeratinisierender Stoff (Flesch (10)) eine gewisse Rolle. Ober die u. a. von Sttittgen (47) herausgestellte bessere Wirkung der Vitamin- A-Siure ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen. Wenn man bertick- sichtigt, dab auch andere unges2ttigte Verbindungen z.B. die u.a. von Schneider (42) empfohlenen unges2ttigten Fetts2uren, die von Weitzel und Nast (54) angegebenen Fetts2ureglyceride, eventuell auch die zur Peroxyd- bildung befihigten Ozonide (v. Czetsch-Lindenwald und Schmidt-la-Baume (6)) 2hnliche Eigenschaften haben, muB an einen ganz allgemeinen Mechanis- mus unges2ttigter Verbindungen gedacht wetden, etwa im Sinne einer Blockierung der ftir die Keratisierung wichtigen Umwandlung der Sulfhydril- in Disulfid-Gruppen. Die Beobachtung, dab eine entztindete Haut die un- ges2ttigten Verbindungen ebenso wie eine empfindliche Haut nicht so gut vertr2gt, hat die Penetration bis in die lebende Epidermis, wenigstens bei diesem Personenkreis, zur Voraussetzung. Wichtig ist die Stabilisierung der ungesittigten Verbindungen, z. B. dutch Tocopherol, ebenfalls ein Hinweis darauf, dab die Wirkung im wesentlichen dutch die intakten Doppelbindungen bedingt sein dtirfte. Ob die nach Vita- min-A-Behandlung auftretende Akanthose (Reiss und Campell (30)) eine reine Reizungs-Akanthose is*•, muB abet often bleiben. Wenn auch die wundheilungsf•Srdernde Wirkung z. B. ftir die Panthothen- s2ure immer wieder betont wird (z. B. Strahm (45)), ergibt sich doch ftir die Vitamine des B-Komplexes eigentlich im Augenblick keine begrtindete Indi- kation ftir eine Verwendung in der Kosmetik. Die von Schneider und Ruther (39) herausgestellte gefiBerweiternde Wir- kung der Tocopherole wurde yon Sabatini und Tag•liavini (33) dutch histo-
Previous Page Next Page