288 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS WIRKUNGSMECHANISMUS DER FLUORIDE Der Wirkungsmechanismus der Fluoride ist bis heute unbekannt. Der so- genannten Zahnh•irmng, der erh•Shten S•iureresistenz der Zahnhartsubstanz, diirfte bei der geometrischen Progression bakterieller Noxen kaum eine prak- tische Bedeutung zukommen. Unter der Applikation yon Fluoriden nehmen die Streptokokkenzahlen des Speichels ab. Da die Streptokokken im Hinblick auf die Bildung der kariogenen Noxe Synergisten der Laktobazillen sind, wird das verminderte Auftreten der Laktobazillen nach Fluorapplikation als Folge der Vettinge- rung der Streptokokkenkeimzahlen angesehen. Diese Ansicht fand ihre augen- scheinliche Besti•tigung in Versuchen an keimfrei aufgeziichteten Tieten, bei denen einzelne Streptokokkensti•mme geradezu spezifisch als Karieserreger witken k•Snnen, also damit auch in der Lage sein miiBten, synergistisch die kariogene Noxe zu versti•rken. Neuere Untersuchungsergebnisse zwingen jetzt abet dazu, diese Ansicht zu korrigieren. Die Streptokokken der Mund- h•Shle k•Snnen sich sowoN als Synergisten, als auch als Antagonisten der Laktobazillen verhalten. Laktobazillen liSsen in der Kultur Kalziumsalze. Diese L•Ssung kann, wie die _/lbb. I deutlich macht, dutch den einzelnen Streptokokkenstamm nicht nut gef•Srdert, sondern auch gehemmt wetden. Die Ursache dieset Schutz- wirkung auf Kalzium erkennt man aus Abb. 2. Der Stature, der in der Laktobazillenkultur synergistisch das Kalzium l•Sste, wies keine antibiotische Aktivit•it auf, der das Kalzium vor L•Ssung schiitzende abet eine starke. Nun hatten wit uns vor Jahren in eingehenden Untersuchungen mir An- tagonismen yon ,,Mund"-Bakterien auseinandergesetzt. Es wurde festge- Abbildung 1 Fi3rderung bzw. Hemmung der Li3sung yon Kalzium in der Laktobazillenkultur dutch Streptokokken. Abbildung 2 Die antibiotische Aktivitiit beider Strepto- kokkenstiimme. Testkeim: Staph. aurcus haem. SG 511.
MIKROBIOLOGISCHE KRITERIEN 289 stellt, dab in Gegenwart verg•irbarer Zucker und bei l•ingerer Bebrfitung in flfissigen Kulturen die Laktobazillen alle anderen Testkeime unter starker Ans•iuerung des Milieus fiberwuchern und dieser Oberwucherung ausschlieB- lich die Pufferkapazit•it des N•ihrmilieus gegen S•iuren entgegensteht (2). Nach neuen Ergebnissen trifft diese Auffassung ffir halbstarre Medien, die als Modell ffir den Zahnbelag angesehen werden k6nnen, nicht zu. Auch die Laktobazillen fallen in das antibiotische Wirkungsspektrum der ,,Mund"- Streptokokken. Auf den Bildern erkennt man die starke antibiotische Wirkung der Strepto- kokken auf Staphylokokken, was seit 1939 durch Mfihlenbach (6) bekannt ist. Am feineren Randsaum der schmaleren Wachstumshemmungszone er- kennt man aber auch die antibiotische Wirksamkeit der Streptokokken gegen Laktobazillen. Antibiotisch aktive vergrfinende Streptokokken schfitzen also vor einer Vermehrung der Laktobazillen im halbstarren Medium. Wenn diese Wirkungsweise erst heute erkannt worden ist, so liegt die Ursache daffir vor allem in der Instabilit•it der antibiotischen Wirksamkeit •4bbildung 3 Die antibiotische Wirkung von vergr•nenden Streptokokken auf Staphylokokken und Lakto- bazillen. -- -- ........ • • - . - .• -..v :• .-2 • .. ,. •. ,. ß ß • • -•_ •.. • • . • : •-•' ..• ..... • •. .• ..• • • . • ... • •... •:• •.. • Abbildung 4 Ausschnittvergr613crung der Abb. 3.
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