ADAPTIVE SONNEN SCHUTZMECHANISMEN Tabelle I Statistische Auswertung der Ergebnisse, 9.-11. Tag nach der Belichtung. 319 Kontrollseite Dutch- Standard- schnitt abwei- chung Belichtete Seite Dutch- Standard- schnitt abwei- chung t p (ftir Paarwerte) Trockengewicht (mg/cm 2) 3,25 1,03 3,31 0,68 0,21 p 0,95 Urocaninsaure (/•g/mg Trockengewicht) 0,69 0,31 3,14 1,37 3,73 p 0,95 Urocaninsaure (itg/cmi) 2,24 1,47 10,59 6,05 3,31 p 0,95 Es ist merkwiirdig, dab die Epidermisverdickung, die seit langem als einer des Adaptationsmechanismus der Haut (neben der Pigmentierung und der Verdickung der ganzen Haut) bekannt ist, an den niemand zweifelt, in den vorliegenden Versuchen weniger eindrucksvoll war als die Erh6hung der Urocaninsiurckonzentration, deren adapriver Charakter durch diese Ver- suche iiberprtift werden sollte. Der Mechanismus der Urocaninsiure-Erh6hung nach Sonnenbestrahlung wurde nicht untersucht. Es kommen im wesentlichen zwei Alternativen in Betracht: 1. Die Vermehrung des Urocaninsiure bildenden Enzyms, der Histidin- Ammoniak-lyase. Nach Anglin (16) steigt beim Meerschweinchen nach Bestrahlung die Aktivitit dieses Enzyms. 2. Eine Vermehrung der Urocaninsiure-Vorstufe, nimlich des freien Histi- dins. In vorliufigen Versuchen wiirde nach der Bestrahlung eine allgemeine Erh6hung der freien Aminosiuren, einschlieBlich Histidin gefunden. In den zur Zeit laurenden Versuchen bemtihen wir uns, neben der Urocaninsiure auch die Histidin-Ammoniak-lyase und Histidin zu bestimmen. Aus den geschilderten Versuchen geht hervor, dab der Urocaninsiure-Ge- halt in der Oberhaut nicht nur imstande ist, einen betrichtlichen Schutz gegen die erythemogene UV-B-Strahlung der Sonne zu gewihrleisten, sondern mir groBer Wahrscheinlichkeit diese physiologische Funktion auch wirklich ausiibt. Sie trigt nicht nur zu den geographischen, wahrscheinlich erblich bedingten Unterschieden der UV-Empfindlichkeit neben Pigmentierung und Epidermis-Dicke als ein weiterer wichtiger Faktor bei, sondern sie ver- hilt sich auch adaptiv, wenigstens bei der ersten Sonnenbestrahlung nach der Winterperiode. Es ist m6glich, dab die zeitlichen Verliufe dieser epidermalen Adaptivmechanismen (Pigmentierung, Urocaninsiure und Verdickung) nicht
320 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS identisch sind es mag sein, dab die Steigerung der Urocanins•iure nicht so lange anh•ilt, als die ziemlich lang andauernde Hautpigmentierung. Der oft zitierte Haupteinwand gegen die Rolle der Annahme einer Schutz- wirkung der Urocanins•iure gegeniiber UV-Strahlung beruht auf der Be- obachtung von Zannoni und La Du (17), dab bei der Histidin•imie, bei welcher diese S•iure nicht gebildet wird, keine Sonnentiberempfindlichkeit beobachtet wurde. Man kann vermuten, dab alle drei Mechanismen, n•imlich die durch EiweiBstoffe, Pigmentierung und Urocaninsiure bedingten Schutzfilter, normalerweise synergistisch wirken, jedoch in seltenen Ausnahmef•illen sich gegenseitig vertreten k0nnen, so dab der Ausfall eines von ihnen nicht unbe- dingt zur Lichtiiberempfindlichkeit ftihren muB. ZUSAMMENFASSUNG Es wurde gezeigt, dab sich die Urocanins•iure-Konzentration in der Epi- dermis des Oberarmes einer und derselben Person oft betr•ichtlich unter- scheidet, je nachdem, an welcher Stelle die artifizielle Hautblase gebildet wird. An vier m•innlichen Personen wurde schon nach m•iBiger Sonnenbestrahlung eine ErhOhung der Urocanins•iurekonzentration in der Epidermis (Blasen- haut) im Vergleich zum lichtgeschtitzten Kontroll-Oberarm beobachtet. (Eingegangen: 21. Mai 1968) LITERATUR (1) Zenisek, A. und Krfil, J. A., Biochem. Biophys. Acta 12, 479 (1953). Hais, I. M., Krftl, J. und Zenisek, A., Casopis Lgkaru Ceskych 92, 974 (1953). (2) Hais, I.M., Zenisek, A. und Krftl, J.A., Z. Ange,a. BO•ler- u. Klimaheilk. 13, 285 (1966). (3) Schulze, R., J. Soc. Cosmetic Chemists 14, 544 (1963). (4) Cerm•kov•, K., Fertek, O., Zenisek, A. und Simunek, F., Parfiim. Kosmetik 48, 209 (1967). (5) Zenisek, A., Krftl, J. A. und Hais, I. M., Biochem. Biophys. Acta 18, 589 (1955). (6) Krftl, J., Kutovfi, M., Zenisek, A. und Hais, I. M., Ceskoslov. Dermatol. 33, 289 (1958). (7) Tabachnick, J., Arch. Biochem. Biophys. 70, 295 (1957). (8) Spier, H. W. und Pascher, G., Ac/a DermatovenereoL Proc. 1/th Intern. Congr. Dermatol. (Stock- holm) 2, 14 (1957). Spier, H.W. und Pascher, G., ,,Aktuelle Probleme der Dermalologie". Bd. 1., Basel - New York, Karger (1959), p. 1-46. Spier, H. W. und Pascher, G., Arch. Klin. Expt. Dermatol. 209, 181 (1959). (9) Zenlsek, A., Hais, I. M. und Kr•l, J. A., Med. Kosme/ik 7, 320 (1958). (10) Kiistala, U. und Mustakallio, K. K., Lancet 1, 1444 (1964). (11) Kr•l, J. A., Zenisek, A., Strych, A., Hais, I. M., Petrfinov•, O., Kalouskov•, A. und Hovorka J., Parfiim. Kosmetik 48, 193 (1967). (12) Kr•l, J. A., Zenisek, A., Strych, A. und Hais, I. M., Casopsis Lgkaru Ceskych 107, 302 (1968). (13) Hais, I. M. und Strych, A., Experientia 24, 231 (1968). (14) Pascher, G., Arch. Klin. Exptl. Dermatol. 214, 234 (1962). (15) Baden, H. P. und Pathak, M. A., J. Invest. DermaloL 48, 11 (1967). (16) Anglin, J. H., Bever, A. T. und Everett, M. A., J. Invest. Derma/ol. 46, 34 (1966). (17) Zannoni, V. C. und La Du, Du, B. N., Biochem. J. 88, 160 (1963).
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