WELLUNG DES HUMANHAARES 329 Crewther (58) hat den EinfiuB des Reduktionsgrades auf Kraftdehnungs- verbalten yon Haaren und Wolle untersucht und gezeigt, dab das reduzierte und auch das reduzierte und alkylierte Haar einen geringeren Hookschen Bereich und eine stark erhOhte Dehnung beim Bruch aufweist (Anstieg yon 45 auf 80%). Zwingt man dem Haar im reduzierten Zustand eine neue Form auf und reoxidiert es in dieset neuen Form, so wird es wieder hart und be- hilt die neue Form list permanent bei, da bei diesera Vorgang im Gegensatz zur ,,permanent Set" die Fibrillen nicht ver{indert werden, sondern lediglich in leicht verbogener Form in dem geh•irteten Zement eingebettet sind. Das Bestreben der Fibrillen, ihre ursprtingliche Form wieder anzunehmen, ist nach wie vor erhalten. Bei jedem Befeuchten und Waschen geht deshalb etwas von der Sprungkraft der Dauerwelle verloren. Ganz klar wird diese Rtickstellkraft der Fibrillen dutch folgendes Experi- ment belegt: Eine Haarstr•ihne wird reit einem handelstiblichen Wellmittel gedauerwellt. AnschlieBend wird die Str{ihne mit einer 2% igen Thioglykolat- 10sung und gleichem pH-Wert wie die vorher verwendete Well-LOsung nut 5 Minuten befeuchtet. Die StNhne nimmt die neue Form an, d. h. sie wird glatt, wenn man bei dieset zweiten Thioglykolatbehandlung keine Wicklet verwendet* oder, aul•ewickelt auf einen groBen Wasserwellwickler, nimmt die Str2hne die Form dieses neuen Wicklets an. Ebenso kann man mit einer 2%igen Thioglykolat16sung ein reit einem Gl{ittungsmittel auf Thioglykolatbasis gegl{ittetes Negerhaar in seine ur- sprtingliche Form zuriickbringen. Es ist dagegen unmOglich, ein Negerhaar mit nut 2ø/'oiger ThioglykolatlOsung zu gl{itten oder ein glattes Naturhaar mit nut 2% iger Thioglykolatl•Ssung zu dauerwellen. Diese Modellvorstellung von den Vorgftngen bei der Dauerwellung des Humanhaares wurde bereits 1962 von Haefele und Broge (60) wie folgt zu- sammengefa13t: ,,Unsere Welltheorie geht dahin, dab die Zementsubstanz dutch Re- duktion des Disulfids erweicht wird. Die Faser wird in der erweichten Matrix neu orientiert, die nach der Erh{irtung dutch Wiederherstellung der Disulfide die neue, gewellte Form annimmt". Alle bier aufgeftihrten MeB- und Rechenwerte deuten darauf bin, dab nut die amorphen Bereiche des Humanhaares bei der ktinstlichen Wellung re- versible Ver{inderungen erfahren, die kristallinen Mikrofibrillen abet die Wasserwellung und den Redoxvorgang bei der Dauerwellung unangetastet tiberstehen. * Ein •hnlicher Vetsuch xvurde 1960 yon Bogaty (59) beschrieben.
330 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS ZUSAMMENFASSUNG In der vorliegenden Arbeit wird dargelegt, was man heute auf Grund von DehnungsmeBwerten, chemischen Analysen am nativen und gedauerwellten Haar und an Hand von elektronenmikroskopischen Aufnahmen des Haares fiber die Vorgiinge weB, die bei der kiinstlichen Umformung, also bei Was- serwellung und Dauerwellung, des Haares ablaufen. Es wetden die in der Wollforschung geliiufigen Begrifle der koh•isiven, tempor•iren und permanenten Set, das Siroset-Verfahren und die kiinstliche Humanhaarwellung gegeneinander abgegrenzt. (Eingegangen: /0. December /968) LITERATUR (1) US-Patent 2577710. (2) Heiling•Stter R., Parf/imerie u. Kosme/. 32, 283 (1951). (3) Whitman R., Proc. Sci. Sect., Toilet Goods •4ssoc. 18, 27 (1952). (4) Morelle, J., Soap, Parrum. Cosine/. 25, 828, (1952). (5) Freytag, H., Z. •Va/urf. 7b, 645 (1952). (6) Whitman, R., Drug, Cosmet. Indus/tie 72, 182-83, 221,253-57 (1953). (7) Novak, G. A., Parf/imerie u. Kosme/. 34, 209 (1953). (8) Heiling•Stter, R., Fe//e, Se•fen einschl. •4ns/richmi//e/55, 868 (1953). (9) Heiling•Stter, R., Parf/•erie u. Kosmel. 34, 163, 366 (1953). (10) Hansel, H., Seifen- O/e -Fe//e - IF•achse 19, 501 (1954). (11) Heiling&ter, R., Parf/imerie u. Kosmet. 35, 17 (1954). (12) Heiling&ter, R., Parf/imerie u. Kosmet. 35, 398 (1954). (13) Heiling&ter, R., Seifen - Ole - Fette - IF•achse 19, 669 (1954). (14) Rosenthal, A., und Oster, G., J. Soc. Cosmetic Chemists 5, 286 (1954). (15) Heiling&ter, R., Seifen - Ok - Fette - IF•achse 81, 59 (1955). (16) Whitman, R., J. Soc. Cosmetic Chemists 4, 387 (1955). (17) Heiling6tter, R., Par. fiimerie u. Kosmet. 37, 351 (1956). (18) Hirsch, F., ,,Neue Erkenntnisse der Haarforschung", Ulm, Haug-Verlag (1956), p. 136. (19) Walker, G. T., Kosmetik, Parr/ira- u. Drogen-Rundschau 29, 297 (1956). (20) Heiling&ter, R., Parf/•nerie u. Kosmet. 38, 565 (1957). (21) Getshort, S. D., Goldberg, M. A. und Rieger, M.M., in ,,Cosmetics, Science and Technology", New York, Interscience Publishers Inc. (1967) (22) Bogaty, H., J. Soc. Cosmetic Chemists 11, 333 (1960). (23) Keil, F., J. Soc. Cosmetic Chemists 11, 543 (1960). (24) Heiling&ter, R., Kosmetik, Parf/im- u. Drogen-Rundschau. 7, 140 (1960). (25) Speakman, J. B., J. Soc. Dyers Col. 52, 335 (1936). (26) Speakman, J. B. und Whewell, C. S., J. Soc. Dyers Co/. 52, 380 (1936). (27) Rudall, K. M., J. Soc. Dyers Col. Symposium Fibrous Proteins, (1946). (28) Reed, R. E., Den Beste, M. und Humoiler, F. L., J. Soc. Cosmetic Chemists 1, 109 (1947). (29) Blackburn, S. und Lindley, H., J. Soc. Dyers Col. 64, 305 (1948). (30) El•3d, E. und Zahn, H., Me/liand Textilber. 30, 17 (1949). (31) Alexander, P., Mnn. N.Y. Mcad. Sci. 53, 653 (1951). (32) Asquith, R. S. und Speakman, J. B., Proc. Internat. IF•ool Text. Con., Mustralia C - 302.
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