436 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Die derzeit wahrscheinlichste Erkliirung der antimikrobiellen Wirkung von Priip. B beruht auf einer Oxidation der Thiolgruppen yon Mercaptoamino- siiuren. Stretton und Manson (5) deuten die Wirkung yon •-Bromnitroverbin- dungen auf Mikroorganismen nach folgendem Schema (Bild 13). - + R - SH ,• R - S + H Br f t + R' C / R - S ' + '2 C• B 2 NO 2 N R- S ß + HS - R - R- S + R- S - )R- S- S- R+H - )'R- S- S- R Bild 13 Reaktion von •-Bromnitroverbindungen mit Su,lfohydrylgruppen Demnach wiirde in einem reversiblen Schritt die Bromnitroverbindung yon einem Thiolat-Anion ein Elektron iibernehmen und das gebildete Schwefel- radikal in einem irreversiblen Schritt zu einer Verbindung mir einer Disulfid- briicke reagieren. Diese Deutung wird auch yon der Tatsache gestiitzt, daft als Enthemmungsreagens fir Priip. B bei mikrobiologischen Experimenten Cystein Verwendung finder. 2.3 Priip. B als Konservierungsmittel in Kosmetika Wenden wir uns nun der konservierenden Wirkung in Kosmetika unter Be- dingungen der Praxis zu, so muff zuniichst einmal festgestellt werden, daft fiir eine diesbeziigliche Aussage nicht allein gute Hemmwerte gegen Mikroorga- nismen geniigen. So ist bekannt, daft es zwischen Konservierungsmitteln und anderen kosmetischen Inhaltsstoffen zu Inkompatibilitiiten kommen kann. PHB-Ester, Chlorbutanol, phenolische Verbindungen, quaterniire Ammo- niumverbindungen und Phenylquecksilberverbindungen werden beispiels- weise an Polyiithylenglykole oder an Carboxymethylcellulose mehr oder weniger stark gebunden und in ihrer Aktivitiit gehemmt. Die Wirkung katio- nischer Konservierungsmittel wird yon Aniontensiden unterbunden, und nicht-
A NEW PRESERVATIVE FOR COSMETICS 437 ionische Emulgatoren vermindern oder unterbinden die konservierenden Eigenschaften von PHB-Estern, Dehydracets•iure oder [3-Phenyl•ithanol. Eine Auskunff •iber die Eignung eines Konservierungsmittels in Kosmetika kann erst der Praxistest liefern. Das Konservierungsmittel wird in kosmetische Rezepturen eingebracht, die anschlief•end reit einem geeigneten Gemisch aus Testkeimen belastet werden. In diesera Gemisch kommen grampositive und gramnegative Bakterien ebenso vor wie Helen und andere Pilze. Pr•ip. B hat sich bei solchen Tests in einer Ftille von kosmetischen Pr•ipara- tionen bew•ihrt. Dabei wurden alle Arten von Emulgatoren, Tensiden und Olkomponenten sowie Pflanzen- und Organextrakte verwendet, und es wur- den keinerlei Inkompatibilit•iten beobachtet. In allen F•illen wurde ein guter Konservierungserfolg erzielt, und auch bei erhbhten Temperaturen und l•/n- geren Lagerungszeiten ver•inderten sich die Kosmetika weder farblich noch geruchlich, noch hinsichtlich ihrer Konsistenz. Letzteres ist aufgrund der be- reits beschriebenen Stabilit•it von Pr•ip. B auch nicht zu erwarten. Filr den angegebenen Konservierungserfolg ist eine Konzentration von 0,02 bis 0,05 ø/0 erforderlich, also eine im Vergleich mit den meisten bekannten Konservierungsmitteln •iutgerst geringe Menge. Als besonders vorteilhaff er- weist sich dabei die Verwendung einer 10ø/0igen L6sung in 1,2-Propylenglykol, die bei ca. 40 ø C den kosmetischen Rezepturen zugegeben werden kann. Im Hinblick auf die vielen Variationsmbglichkeiten in der Zusammensetzung von kosmetischen Erzeugnissen ist es empfehlenswert, im Einzelfall die zur Konservierung erforderliche Mindestkonzentration durch Vorversuche und entsprechende Lagerungs- und Belastungstests zu ermitteln. Nach den vorstehenden Ausfilhrungen erftillt Pr•ip. B die mikrobiologischen und anwendungstechnischen Bedingungen, die an ein modernes Konser- vierungsmittel filr Kosmetika gestellt werden milssen. Von aus'schlaggebender Bedeutung ist jedoch auch die physiologische Vertr•iglichkeit kosmetischer In- haltsstoffe, also auch und gerade von Konservierungsmitteln. 2.4 Toxikologisch-dermatologische Untersuchungen von Priip. B Zur Kl•rung dieser Frage sind Experimente an Tieren und Menschen erfor- derlich, und die umfangreichen toxikologisch-dermatologischen Versuchs- ergebnisse sollen abschlietgend dargestellt werden. Die akute Toxizit•t liegt bei 590 mg/kg Maus bzw. 455 mg/kg Ratte, jeweils durch orale Applikation ermittelt. Der entsprechende Wert filr intraperito- neale Applikation an der Ratte liegt bei 31,5 mg/kg.
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