296 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS AuBerdem ist bekannt, dab Kastraten reit einer h6heren 17-Ketosteroidaus- scheidung - ein Index ffir die Produktion adrenaler Steroide -auch eine h6here Talgproduktion aufweisen. Bis vor einigen Jahren glaubte man, dab auch Progesteron die Talgdrfisen stimuliere. Diese Annahme beruhte auf dem Ergebnis yon Tierversuchen, auf dem h•iufig beobachteten praemenstruellen Aufflammen einer bestehen- den Akne und auf dem Nachweis eines die Talgproduktion f6rdernden Ein- flusses einiger synthetischer Gestagene, deren zus2tzlich androgene Wirkung /2bersehen wurde. Es kann heute jedoch als erwiesen gelten, dab dem Pro- gesteron kein direkter EinfluB auf die Talgdrfisen zukommt (7). Es ist seit langem bekannt, dab Oestrogene in einer bestimmten Dosierung einen hem- menden EinfluB auf die Talgdr/2sen aus/2ben. Hierauf beruhten zum Teil auch die eindrucksvollen Erfolge der yon SchreuB (6) ausgebauten Oestro- genbehandlung der Akne, die ja regelm2Big mir einer 61igen Seborrhoe ein- hergeht. Der wirksame Grenzwert, bei dem die Sebumproduktion gehemmt wird, scheint bei t2glich 0,25 mg fiithinyloestradiol zu liegen (9). Im Gegen- satz zu den Androgenen wirken die Oestrogene nicht direkt auf das Erfolgs- organ Talgdr/2se. Bei der lokalen Behandlung ist eine auf den Applil•ationsort beschr2nkte Wirkung nicht nachweisbar. Die gleichzeitig am ganzen Inte- gument auftretende Hemmung der Talgproduktion ist ein systemischer Effekt aufgrund percutaner Resorption. Die Oestrogenwirkung auf die Talg- drfisen scheint ausschlieBlich auf einer Herabsetzung der Androgenproduk- tion dutch Hemmung der hypophys2ren Gonadotropinausschtittung zu beruhen. Es besteht daher auch kein echter Antagonismus zwischen Andro- genen und Oestrogenen im Sinne einer kompetitiven Wirkung am Erfolgs- organ. Bei gleichzeitiger Verabreichung kleiner Testosteronmengen verm6- gen nicht einmal hohe Oestrogendosen die stimulierende Androgenwirkung zu blockieren. V611ig gek12rt ist der Wirkungsmechanismus der Oestrogene allerdings bis heute nicht. So findet sich z. B. keine plausible Erk12rung ffir die Tatsache, dab die Verabreichung von Oestrogenen bei Kastraten eine signifikante Herabsetzung der Talgprodul•tion bewirkt. Die Glucocorticoide der Nebenniere scheinen zumindest in physiologi- schen Dosen keine nennenswerte Wirkung auf die Talgdrfisen auszufiben. Die Nebennierenrindenfunktion hemmende Dosen yon Hydrocortison ffih- ten zu einer Abnahme der Talgproduktion bei normalen Frauen und erst recht bei Kastraten, ein Hinweis auoe die Stimulierung der Talgdrfisen dutch adrenale Androgene. Obwohl es sich nicht um physiologische Hormone handelt, milssen in diesem Zusammenhang die Antiandrogene erw•ihnt werden. Es handelt sich bier um synthetische Steroide, die echte Testosteronantagonisten darstellen,
SCHNELL FETTENDES HAAR 297 indem sie die Wirkung von Testosteron am Erfolgsorgan blockieren bzw. aufheben. Neumann und Mitarb. (4), konnten zeigen, dab es unter der Ein- wirkung yon systemisch verabreichtem Cyproteron bei der Ratte zu einer zahlenm•tBigen Abnahme der Talgdrfisen12ppchen und zu einer Gr6Benab- nahme der einzelnen Talgdrfisenzel]en kommt. Cyproteron ffihrt bei norma- len M•tnnern in einer Dosierung yon 100 mg fiber 10 Tage verabreicht eben- falls zu einem deutlichen Rtickgang der Sebumproduktion (10). Bei weiterer Verabreichung dieses Antiandrogens kommt es dann allerdings zu einem erheblichen Anstieg der Testosteronproduktion und parallel damit zu h6he- ten Sebumwerten auf der Haut (12). Nach einer l•bersicht fiber die erw2hnten Hormonwirkungen auf die Talg- &risen gewinnt man den Eindruck, dab die Talgdrfisen als androgenempfind- liche Gebilde letztlich ausschliet31ich oder doch fiberwiegend durch An&o- gene stimuliert werden. Dabei spielt die individuell verschiedene Ansprech- barkeit des Erfolgorganes Talgdrfise sicher eine groBe Rolle, die vieles auf den ersten Blick Unverst•tndliches erkl•tren kann. Des weiteren bleibt die m6gliche Umwandlung verschiedener Steroidhormone im intermedi2ren Stoffwechsel in Androgene zu berficksichtigen. HORMONBEHANDLUNG DER SEBORRtlOEA OLEOSA Ausgangspunkt f•r die eigenen therapeutischen Versuche bei der Sebor- rhoea oleosa war folgende Beobachtung: Bei zwei Patientinnen reit andro- genetischer Alopecie und schnell fettendem Haar, bei denen die t2gliche Te- stosteronausscheidung fiber einen ganzen Cyclus hinweg beobachtet wurde, konnten erheblich erh6hte t•tgliche Testosteronausscheidungswerte festge- stellt werden. Unter t•tglicher Verabreichung yon 5 mg des Gestagens Ly- nestrenol sank die Testosteronausscheidung auf normale Werte ab und gleich- zeitig lie[3 das Fetten der Haare nach (1, 3). Da bei alleiniger Verabreichung eines Gestagens bei geschlechtsreifen Frauen Regelst6rungen zu erwarten sind, wurden unter Berficksichtigung der Tatsache, dab hereits Strauss und Pochi ein Absinken der Talgproduktion unter der Verabreichung des Gesta- gen-Oestrogen-Pr•tparates Enovid © beobachtet haben (10)und im Hinblick auf therapeutische Erfolge mit Ovulationshemmern bei Akne vulgaris (2, 5), wurden 100 Frauen im Alter yon 18-38 Jahren mit schnell fettendem Haar einerseits reit der Gestagen-Oestrogen-Kombination Lynestrenol-Methoxy- aethinyloestradiol (Lyndiol © 2,5), andererseits reit einer Chlormadinon-Mestra- nol-Kombination (Aconcen ©) behandelt. Die belden Pr•tparate wurden nach der beim Einsatz als Ovulationshemmer geltenden Vorschrift verabreicht.
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