294 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS DAs KLINISCHE BILD Das schnelle Fetten des Haares wird in den Lehrbfichern der Dermatologie als eine Teilerscheinung der Seborrhoea oleosa recht summarisch und farblos behandelt. Das 2 his 3 Tage nach der letzten Wiische fett gewordene Haar schmiegt sich am Scheitel eng an die fettige Kopfhaut an und fiillt an den Seiten in un- ansehnlichen Str/ihnen herab. Nimmt man eine solche Str/ihne zwischen die Finger und f/ihrt an ihr ein Stfick entlang, so werden die Fingerspitzen letrig. Ein Fingerabdruck auf Zigarettenpapier macht dieses an der Berfihrungsstelle durchscheinend. Scheitelt man das Haar, so sind unter Umst•inden an der Kopfhaut sogar kleinste Fettr/Spfchen zu erkennen. Das fett gewordene Haar wirkt besonders sp•irlich. Das ist erst recht der Fall, wenn es sich um gelich- tetes oder sehr feines Haar handelt. Sehr oft besteht auch ein beschleunigter Haarwechsel, der seinen Ausdruck in vermehrtem Ausfall yon Haaren und in einer Zunahme des prozentualen Anteiles yon Kolbenhaaren im Tricho- gramm finder. H•iufig ist auch das Gesicht gl•inzend und erscheint letrig. Es gibt abet auch Frauen mir schnell fettendem Haar, die/fiber spr6de Gesichts- haut klagen und die wegen ihrer vermeintlich fettarmen Haut Gro6verbrau- cher yon Gesichtscremes sind. Fettbestimmungen zeigen, dab die Haut solcher Frauen trotz ihres marten Aussehens hohe Fettwerte aufweist. Das matte Aussehen einer Haut h/ingt bekanntlich nicht mir Fett-, sondern mir Wasserarmut zusammen. Ffir M/inner ist das schnell fettende Haar eigentlich nut selten ein Problem. Sie waschen ihre Haare, sobald sie ihnen zu fett erscheinen, es sei denn, sie z/Sgern dies zu tun, weil sie irgendwo geh/Srt oder gelesen haben, durch zu h•iufiges Waschen wtirde ihre Kopfhaut noch schneller letten. - Ganz anders liegen die Dinge bei der Frau mir ihrem viel 1/ingeren Haar, besonders dann, wenn es auch dauergewellt ist. Da beim Waschen der Haare die Frisur, wohl- gemerkt nicht die dutch die Dauerwelle erzielte Krause, verloren geht, ist jede Frau, die nicht in der Lage ist, sich ihr Haar anschlieBend selbst einzu- legen, gezwungen, den Friseur aufzusuchen. Berufsfiitige Frauen, aber auch vide Hausfrauen k6nnen sich das schon aus rein technischen Grtinden nur einmal in der Woche leisten. So stehen unz/ihlige Frauen, die sich am Ende der Woche die Haare gewaschen haben -um fiber das Wochenende gut auszusehen - in der Mitre der Woche vor der Wahl, entweder zu dem Not- behelf des Trockenshampoos zu greifen, oder sich 3 Tage hindurch mir ihrem nun unansehnlichen und str•ihnigen Haar abzufinden.
SCHNELL FETTENDES HAAR 295 FUNKTION DER TALGDROSEN UND DEREN HORMONELLE STEUERUNG Es unterliegt keinem Zweifel, dab das schnell fettende Haar - genauer die schnell oeettende Kopfhaut - als Teilerscheinung der Seborrhoe mir der T•tig- keit der in der Kopfhaut besonders zahlreichen Talgdrtisen zusammenh//ngt. Nun sind die Talgdrtisen holokrine Drtisen, also Drtisen, deren Sekret durch Zerfall der Zellen selbst entsteht. Daraus ergibt sich, dab die Menge des gebildeten Talges yon der Zahl und der Gr613e der verfetteten Zellen abh//ngt. Anders ausgedrtickt, ist die Fettproduktion ausschlieBlich eine Funktion der Mitoserate des Talgdrtisenepithels und der Gr/513enzunahme der einzelnen Zellen. Daraus ergibt sich zwangsl//ufig, dab yon einer Beeinfiussung der Talgdrtisenfunktion nur dann gesprochen wetden kann, wenn Beweise daftir vorliegen, dab durch einen medikament6sen oder sonstigen Eingriff eine die- ser Gr613en ver//ndert wird. Sowohl die mitotische Aktivit//t der Talgdrtisenzellen, als auch ihre Gr6- Benzunahme werden vornehmlich hormonell gesteuert. Es ist zwar bekannt, dab bei der Parkinsonschen Krankheit und beim postenzephalitischen Par- kinsonismus eine Gr6Benzunahme der Taigdrtisen mir entsprechender Mehr- produktion an Talg (Salbengesicht) vorliegt, und dab auch bestimmte Phar- maca und die Ern//hrung einen gewissen EinfluB auf die Talgproduktion haben, doch scheinen diese Einfltisse yon untergeordneter Bedeutung zu sein und k6nnen daher unberticksichtigt bleiben. Auch der Anteil des aus der Ver- hornung entstandenen Hautfettes an der gesamten Sebummenge ist - sonders in talgdrtisenreichen Regionen wie am behaarten Kopoe- unbedeutend und kann daher vernachl//ssigt wetden. Es ist eindeutig bewiesen, dab das biologisch aktivste Androgen, das Testosteron, das sfiirkste physiologische Stimulans der Talgdrfisen darstellt. Es bewirkt eine Hyperplasie der Talg- drtisen und steigert dadurch die Talgproduktion. Diese Wirkung finder ihren Ausdruck in der bekannten Tatsache, dab die m//nnliche Haut fettreicher ist, als die weibliche und darin, dab Kinder eine sehr fettarme Haut haben, was eigenartigerweise der sprichw6rtlichen Zartheit und Geschmeidigkeit der kindlichen Haut keinen Abbruch rut. Der Angriffspunkt des Testosterons ist die Talgdrtise selbst, die auch bei lokaler Applikation yon Testosteron eine Hyperplasie erf//hrt. Da bei der lokalen Anwendung immer auch erheb- liche Mengen percutan resorbiert werden, kommt es sehr bald auch zu einem systemischen Effekt, der sich in einem Ansteigen der Talgproduktion in vom Applikationsort weit entfernten Arealen •iuBert. In Abh//ngigkeit yon ihrer biologischen Aktivit•it f6rdern auch schw•ichere, vorwiegend adrenal gebil- dete Androgene, wie z. B. das Dehydroepiandrosteron, die Talgproduktion. Daher auch die hohe Fettproduktion bei Frauen mir virilisierenden Prozessen.
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