276 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Die Haut dagegen hat als •iuBere Bedeckung des Organismus eine ganze Reihe yon Funktionen zu erftillen, die tells als Schutzfunktion gegen •iuBere Einfitisse optischer (z.B. Ultraviolett-Strahlung), mechanischer (StoB und Druck) und chemischer (z. B. LOsungsmittel) Art, tells als Untersttitzung in- nerer Faktoren (z. B. Abgabe kOrpereigener Stoffe) aufzufassen sind. Welter- bin dient sie der Sinneswahrnehmung (Tastgeftihl, K•ilte, W•irme u. a.), sie ist Ausscheidungsorgan und erftillt die wichtige Aufgabe der W•irmeregulation des Organismus. Von den chemischen und chemisch-physikalischen Auf- gaben seien nut diejenigen des Sauerstoff-COz-Austausches neben den enzy- matischen Funktionen erw2hnt. Alle diese Aufgaben wetden yon der relativ dtinnen, abet groBfi•ichigen Haut in region•ir etwas unterschiedlichem Aus- maB gleichzeitig und sich gegenseitig beeinflussend erftillt. Das bedeutet abet, dab die in einer kleinen Hautfi•iche ablaufenden Vorg•inge zwar minimal sein kOnnen, ftir die Gesamthaut abet doch bedeutsam sind. W•ihrend man bei der Funktionsprtifung eines anderen Organes dieses in der Gesamtheit erfassen kann, ist das an der Haut in der Regel nut in einem kleinen Abschnitt mOglich, der seinerseits nut einen Bruchteil der Gesamt- ver•inderungen erleidet. Das gilt sowohl ftir Messungen in vivo als auch in vitro, also an der isolierten Haut, wobei sich als weirere Schwierigkeit das Fehlen eines echten tierischen Modelies schon aus der Tatsache ergibt, dab der Mensch nicht mehr oder kaum noch behaart ist. FaBt man die Unterschiede zwischen dem Organ Haut und den tibrigen Organen zusammen, die die experimentellen Untersuchungen erschweren, so sind es vor allem die folgenden: 1. Die Vielzahl der sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren und Funk- tionen der Haut, 2. ihre relativ geringftigigen •nderungen innerhalb kleiner Hautareale und 3. das Fehlen eines geeigneten tierischen ModeIls. Ein Vorteil ist es dagegen, dab vergleichende Untersuchungen an ein und derselben Versuchsperson mir verschiedenen Pr•iparaten durchgeftihrt wet- den k•Snnen, wodurch ein groBer Tell der stOrenden individuellen Faktoren der einzelnen Versuchspersonen ausgeschieden wird. Zwischen der dermato- logischen Prtifung und der Untersuchung kosmetischer Pr•iparate bestehen weiterhin generelle Unterschiede. Die Prtifung eines dermatologischen Pr•iparates ebenso wie jedes anderen Heilmittels erfolgt im Hinblick auf Wirkung und Nebenwirkungen. Die Wirkung besteht dabei in der Beseitigung einer gesundheitlichen StOrung, die im wesentlichen als ein einheitlicher Faktor, sei es als Diagnose oder auch nut als Symptom, anzusehen ist, wenn sie auch urs•ichlich nattirlich sehr variabel
PROBLEME DER DERMATOLOGISCHEN PROFUNG 277 sein kann. Sie wire z.B. im Bereich der Dermatologie dutch die Begrifle Ekzem oder Juckreiz zu umreiBen. Die Prtifung eines Heilmittels wird sich dann auf die Beseitigung dieset St6rung richten und zun•ichst andere Fak- toren der Haut, die eventuell beeinfluBt wetden k6nnen, unberticksichtigt lassen. Bei der Prtifung eines kosmetischen Produktes gibt es nattirlich •ihn- liche Probleme z.B. bei der Behandlung der Hyperhidrosis oder auch der Desodorierung, abet in vielen F•illen geht es doch allgemein mehr datum, die Haut dutch ein Kosmetikum im weitesten Sinne zu versch6nern, d.h. abet, dab vide Funktionen gleichzeitig etwa im Sinne einer ,,Verjtingung" zu be- einflussen sind. Das bedeutet in der Prtifung eines solchen Mittels die Durch- ftihrung von verschiedensten Untersuchungen und, was beinahe noch schwieriger ist, das Abw•igen der einzelnen Ergebnisse gegeneinander. In der Kosmetik will man also mir der iiberwiegenden Zahl der Hautpflege- pr•iparate unterschiedlich stark verschiedene Funktionen der Haut m6glichst gleichzeitig beeinflussen, um als Ergebnis optisch den Eindruck von Sch6n- heir oder Gesundheit zu vermitteln. Als weitere Erschwerung der Prtifung kosmetischer Pr•iparate kommt dann noch die gegentiber dermatologischen Produkten im allgemeinen geringere Wirkung dieset Art von Kosmetika dazu. Um eine ,,Erkrankung", die man ja auch als extreme Abweichung von der Norm ansehen kann, zu beseitigen, ist ein st•irkerer Effekt notwendig als innerhalb der physiologischen Breite eine kosmetische St6rung zu korrigieren. W•ihrend sich zur Prtifung und Beurteilung der Nebenwirkungen seit einigen Jahren bestimmte Standard-Untersuchungen herausgebildet haben, mir deren Hilfe es wenigstens in einer gewissen Sicherheit m6glich ist, be- stimmte Arten von Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen, fehlen diese Kriterien zur Ermittlung der Wirkung kosmetischer Produkte derzeit noch weitgehend. Man kann also nut zu einem kleinen Teil auf eingeftihrte Me- thoden zurtickgreifen, wie sie etwa in der Pharmakologie bestehen. Solche Methoden hitten abet zweifellos den Vorteil, sowohl allgemein anerkannt zu sein als auch leicht an einer anderen Forschungsstelle zur Nachprtifung einge- setzt werden zu k6nnen. Ihr Nachteil ist dabei, dab sie in vielen F•illen nut be- dingt aussagekr•iftig sind, well das vereinfachte Modell einer leicht reprodu- zierbaren Methode eben die tatsiichlichen Vorg•inge nut unvollst•indig wider- spiegelt. Unterteilt man zun•ichst die kosmetischen Pr•iparate in solche rein dekora- river Art gegentiber denjenigen mir einer medizinisch-dermatologischen Wirkung, so fallen f/Jr die dermatologische Wirksamkeitsprtifung die rein dekorativen Pr•iparate nahezu aus (Tab. I).
Previous Page Next Page