290 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Tabelle I Keimzahlen/mm 2 Haut nach Lobenstein (4) Gesunde Haut 168 Milchschorf I 281 Exantheme I 405 Trockenes Ekzem 4 032 Niissendes Ekzem 26 955 stein (4) (Tab. I) zeigt, wie stark die Keimzahlen auf gesunder und n•issen- der Haut variieren. Beruf and Umgebu,g Berufe mir hoher Verschmutzungsm6glichkeit verursachen eine rapide Zunahme der Anflugskeime wihrend der Arbeitszeit (Miillarbeiter - Miih- lenarbeiter - Kanalarbeiter). Dagegen haben Angeh6rige yon Berufen, die gr6Bte Sauberkeit erfordem (Arzte, Pflegepersonal, Arbeiter im Penicillin- betrieb) wesentlich kleinere Keimzahlen auf ihrer Haut. Wit haben bei Per- sonen verschiedener Berufsgruppen am Eppendorfer Krankenhaus die Haut flora untersucht und konnten dabei ganz betrichtliche Unterschiede hinsichtlich Zahl und Arten feststellen (vgl. Tab. II). Bei stationiren Patienten finder im Verlauf des Klinikaufenthaltes oft ein deutlicher Wechsel hinsichtlich Qualit•it der Hautflora statt. Dieset Wechsel hat besondere Bedeutung in der Frage des Hospitalismus erlangt. In der heiBen Jahreszeit finden Mikroorganismen schon dutch die ver- mehrte SchweiBabsonderung giinstigere Nihrbodenbedingungen auf der Haut als in der kalten. In der Dermatologie macht sich das im Krankengut deutlich bemerkbar dutch die Zunahme yon Pyodermien, Hefe-, Pilz- und Viruserkrankungen. Tabdie II Hautflora verschiedener Berufsgruppen eines Klinikums Keimart •rzte Pliitterinnen Stallarbeiter Staph. epidermidis Staph. aur. Sarcina Corynebacterien Bacilli E. coli Enterokokken Pseudomonas Proteus Hefen
BAKTERIENFLORA GESUNDER UND HAUTKRANKER MENSCHEN 291 Persb•liche Sauberkeit Dutch kosmetische MaBnahmen wie Abreibungen mir Gesichtsw•ssem, austrocknenden Prozeduren dutch Puder, gl•ttende MaBnahmen dutch Salben wetden die Ansiedlungsbedingungen ffir Mikroben verschlechtert, die Keimzahlen auf der Haut wetden geringer. Dutch h•ufiges Waschen mir Seifen und Bfirste wetden die Keimzahlen ebenfalls stark reduziert. Der Begriff ,,pers6nliche Sauberkeit" weist schon darauf hin, dab hier ein Indi- vidualfaktor ffir die Flora bestimmend sein kann. Zusatz yon antibakteriellen Stoffen wie z. B. Hexachlorophen zur Seife ffihrt zu weiterer nachhaltiger Vermin&rung der Keimzahlen, die his auf 1/10 der Ausgangswerte absinken k6nnen. Ein Vollbad f•hrt schon rein mecha- nisch zu einer Keimverminderung um 10%, vorausgesetzt, dab die Wanne sauber ist! Im Kdeg, wo Seifen- und Wassermangel bestand, stiegen die Pyodermien signifikant an. Auf die Bedeutung kochbarer W•ische fiir die Keimflora der Haut muB im Kunststoffzeitalter besonders hingewiesen wetden. Nylon- oder Perlon- w/ische kann bekanntlich nicht gekocht wetden. Eine Reinigung mir Wasset und Waschmitteln kann abet nut zur mechanischen Keimverminderung fiihren, nicht zur notwendigen Vernichtung. Welch groBe Bedeutung abet gerade die Unterkleidung fiir den Keimreichtum hat, wissen wit aus der all- gemeinen Hygiene. Die Unterw/ische nimmt ja sowohl die fiiissigen als auch die resten Hautabsonderungen (Hautschuppen, SchweiB, Talg) sowie je nach Sauberkeit des Individuums Urintropfen, Kotteile, Vaginalsekret u. a. auf. QUALIT•_T DER HAUTFLORA Bakterienarten der normalen Haut Es ist schwierig, bei Untersuchungen der Hautflora die Dutchgangs- yon der Standortflora zu trennen. So wird man nut die Arten als Standoft- oder Dauerkeime bezeichnen d•rfen, die yon den Untersuchem immer wieder ge- funden und beschrieben wetden. Wenn die Angaben der einzelnen Autoten eine sehr starke Variationsbreite haben, so kann das an verschiedenen Fakto- ten liegert: N•hrmedium, Versuchstechnik, ausgesuchtes oder unausgesuch- res Material, Nomenklatur, Oft der Entnahme u. a. Leider wetden genaue Angaben fiber diese Punkte in verschiedenen Publikationen vermiBt: So differieren die Angaben fiber das Vorkommen yon Streptokokken - die species wird dabei nut selten angegeben! - zwischen 5 und 95 5o. Nicht ganz so kraB ist es bei den Staphylokokken. Pillsbury und Rebell (6), denen wit grundlegende Untersuchungen fiber die Hautflora und deren Funktion vet-
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