J• Soc. Cosmetic Chemists 17 287-297 (1966) Die Bakterienflora der Haut beim gesunden und hautkranken Menschen JOHANNES MEYER-ROHN* lf orgetragen am 8. Mai 1965 in Main• Synopsis--The Bacterial Flora of Diseased and Healthy Human Skin. The origin, and topographi- cal distribution of the skin flora are reviewed. The influence of employment, milieu, personal hygiene, and other extraneous factors and of the quality of the skin on the flora's quality and quan- tity are described. Differences of the flora in cases of healthy and diseased skin are discussed. Finally, the problem of pathogenicity of the topical flora is considered in detail. Wie jeder lebende Organismus besitzt auch die menschliche Haut eine eigene Mikrofiora. Bakterienbefunde auf der Haut sind also zu einem groBen Tell etwas v611ig Normales. Ob iiberhaupt und welche Rolle die Flora in der Hautphysiologie spielt, kann heute noch nicht mit Sicherheit iibersehen wetden. Die Mikrobenfiora ist qualitativen und quantitativen Schwankungen unterworfen, die von verschiedenen Faktoren abhiingen. Man muB sie kennen, wenn man Bakterienbefunde auf der Haut kritisch beurteilen will. * Universitiits-Hautklinik Hamburg, 2000 Hamburg-Eppendorf. 287
288 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS BEGRIFFSBESTIMMUNG Die Hautbakterien k6nnen in 3 Gruppen eingeteilt werden: a) Anflugskeime Zu diesen kann }ede Keimart geh6ren es wire also mtiBig, sie einzeln auf- zuftihren. Sie kommen rein zufiillig auf die Haut, treten aber nicht in Wechsel- wirkung mir ihr. b) Haftkeime Es sind Keime, die die Haut als N•ihrmedium benutzen, also schon bio- chemische Prozesse aus16sen. Die Haftkeime zeichnen sich durch eine aus- gesprochene Einf6rmigkeit aus: Staphylokokken, Streptokokken, Coryne- bakterien. c) Invasionskeime Hierunter werden Keime verstanden, die aktiv oder passiv auf die Haut gelangen, hier haften bleiben und }e nach ihrer Virulenz und der immunbio- logischen Lage des Wirtsorganismus entweder als harmlose Saprophyten leben oder in die Tiefe als ,,Invasionskeime" dringen und hier einen patho- logischen ProzeB aus16sen. Dazu geh6ren die im klinischen Sinn pathogenen Keime. Sie k6nnen ihr ,,Hautdasein" als Anfluõskeime beginnen, durch- laufen das Stadium des Haftkeims und kr6nen ihre Laufbahn nach Durch- wandern der Epidermis als Infektionserreger. SITZ DER HAUTFLORA R6ckl und Mtiller (8) stellten mit Hilfe schichtweiser Abtrennung des Stratum corneum (Tesafilm©-AbriBmethode) und kultureller Bestimmung des Keimgehaltes der einzelnen Schichten sowie des unter bestimmten Kau- telen gewonnenen SchweiBes und Talges folgendes fest: a) Der Keimgehalt des Stratum corneum nimmt von der Oberfliiche nach der Tiefe deutlich zu und kontinuierlich ab. Etwa 75 o/ der Keime herinden //o sich zwischen den Hornlamellen der Pars disjuncta die restlichen 25 % sind in der Pars conjuncta oder ,,Barriere" des Stratum corneum enthalten unter Umstiinden k6nnen bis zu einer etwa dem Stratum lucidum entsprechenden Tiefe Keime gefunden werden. b) SchweiB- und Talgdrtisen bzw. deren Ausftihrungsg•inge enthalten keine Hautmikroben. c) Follikelmtindungen k6nnen Hautmikroben enthalten. Als Eintrittspforten ftir die Erreger von Pyodermien dienen einmal Kon- tinuit•itstrennungen der Haut, dann die Follikelostien und die Ausftihrungs- giinge der SchweiBdrtisen.
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