BAKTERIENFLORA GESUNDER UND HAUTKRANKER MENSCHEN 291 Persb•liche Sauberkeit Dutch kosmetische MaBnahmen wie Abreibungen mir Gesichtsw•ssem, austrocknenden Prozeduren dutch Puder, gl•ttende MaBnahmen dutch Salben wetden die Ansiedlungsbedingungen ffir Mikroben verschlechtert, die Keimzahlen auf der Haut wetden geringer. Dutch h•ufiges Waschen mir Seifen und Bfirste wetden die Keimzahlen ebenfalls stark reduziert. Der Begriff ,,pers6nliche Sauberkeit" weist schon darauf hin, dab hier ein Indi- vidualfaktor ffir die Flora bestimmend sein kann. Zusatz yon antibakteriellen Stoffen wie z. B. Hexachlorophen zur Seife ffihrt zu weiterer nachhaltiger Vermin&rung der Keimzahlen, die his auf 1/10 der Ausgangswerte absinken k6nnen. Ein Vollbad f•hrt schon rein mecha- nisch zu einer Keimverminderung um 10%, vorausgesetzt, dab die Wanne sauber ist! Im Kdeg, wo Seifen- und Wassermangel bestand, stiegen die Pyodermien signifikant an. Auf die Bedeutung kochbarer W•ische fiir die Keimflora der Haut muB im Kunststoffzeitalter besonders hingewiesen wetden. Nylon- oder Perlon- w/ische kann bekanntlich nicht gekocht wetden. Eine Reinigung mir Wasset und Waschmitteln kann abet nut zur mechanischen Keimverminderung fiihren, nicht zur notwendigen Vernichtung. Welch groBe Bedeutung abet gerade die Unterkleidung fiir den Keimreichtum hat, wissen wit aus der all- gemeinen Hygiene. Die Unterw/ische nimmt ja sowohl die fiiissigen als auch die resten Hautabsonderungen (Hautschuppen, SchweiB, Talg) sowie je nach Sauberkeit des Individuums Urintropfen, Kotteile, Vaginalsekret u. a. auf. QUALIT•_T DER HAUTFLORA Bakterienarten der normalen Haut Es ist schwierig, bei Untersuchungen der Hautflora die Dutchgangs- yon der Standortflora zu trennen. So wird man nut die Arten als Standoft- oder Dauerkeime bezeichnen d•rfen, die yon den Untersuchem immer wieder ge- funden und beschrieben wetden. Wenn die Angaben der einzelnen Autoten eine sehr starke Variationsbreite haben, so kann das an verschiedenen Fakto- ten liegert: N•hrmedium, Versuchstechnik, ausgesuchtes oder unausgesuch- res Material, Nomenklatur, Oft der Entnahme u. a. Leider wetden genaue Angaben fiber diese Punkte in verschiedenen Publikationen vermiBt: So differieren die Angaben fiber das Vorkommen yon Streptokokken - die species wird dabei nut selten angegeben! - zwischen 5 und 95 5o. Nicht ganz so kraB ist es bei den Staphylokokken. Pillsbury und Rebell (6), denen wit grundlegende Untersuchungen fiber die Hautflora und deren Funktion vet-
292 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS danken, geben auf Grund eigener Forschungen und denen anderer Autoten nachfolgende Einteilung der Keime der normalen Haut: 1. Normale Haut-Mikrokokken Staphylococcus epidermidis, albus, candidus, flavus, aurantiacus 2. Diphtheroide Corynebacterium pseudodiphtheriticum Corynebacterium acnes 3. Lipophile Cryptococcen Pityrosporon ovale Pityrosporon orbiculare. Streptokokken, h•.molysierende Staphylokokken und E. coli wetden dabei nicht zur eigentlichen Hautflora gezihlt, sondern als ,,fremde" oder Durch- gangskeime betrachtet. - Diese Auffassung fiber die Flora der Normalhaut kann nicht unwidersprochen bleiben, wenn man die Umgebung der K6rper- 6ffnungen, die ja auf die Haut miinden, in die Hautflora mir einbezieht. Und das muB man ja wohl! Danach finden wit im Analbereich immer E. coli und andere Darmbakterien in der Nasolabialregion immer Staph. aur. m. H. und Streptokokken verschiedener Art. RegelmiBig findet man in den Regionen vermehrten Talgdriisensitzes Corynebacterium acnes. Lentze (3) sieht diesen Keim als ubiquit•.ren Epi- phyten der gesunden Haut und der Talgdriisen an. Er hat ihn 1940 in ver- schiedenen Gegenden Deutschlands aus der Luft von Wohnriumen, Labo- ratorien, H6rs•ilen, sofern sich Menschen in ihnen aufhielten, geziichtet, nie- mals abet im Freien. Auch PPLO (Pleuropneumonia like organismus) k6nnen bis zu 3 % auf der gesunden Haut nachgewiesen wetden, meist in der Umgebung von Schleimhiuten, auf denen sie als harmlose Schmarotzer leben. Hefen verschiedener Art kommen ebenfalls auf der Haut vor. Connel und Skinner (1) fanden sie je nach K6rperpartie in relativ groBen Mengen (vgl. Tab. III). Tabelle III Vorkommen von Hefen auf der Haut K6rperpartie Zwischenzehenriiume 34,5 Zwischenfingerriiume 23,6 Intramammiir 12,5 Nabel 12,1 Lumbalregion 9,7 Axilla 7,6
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