BAKTERIENFLORA GESUNDER UND HAUTKRANKER MENSCHEN 293 Leider wird gerade bei Untersuchungen auf Hefen nicht immer daran ge- dacht, dab verschiedene Faktoren einen das Hefewachstum stimulierenden EinfiuB haben ktSnnen, wie Alter, Zustand der Haut, Beruf, konsumierende Krankheiten, Antibiotikatherapie, Diabetes mellitus. So kann mitunter ein falsches Bild tiber die wirklichen VerNiltnisse entstehen. Schirren und Leutner (9) haben 500 Personen ohne ekzematische Erschei- nungen auf Hefepilze untersucht. 253mal wurden dabei Hefen gefunden in folgender Verteilung auf beide G eschlechter: ambulant stationftr M2nner 70 % 55 % Frauen 52 % 26 % Hiufigster Fundoft waren die FtiBe das dort herrschende feuchtwarme Milieu bietet naturgemiB gute Wachstumsbedingungen es folgen Hinde, Ohren und Nabel. Eine Differenzierung der einzelnen Stimme ergab zu 4,2 % Candida albicans. Untersuchungen von Roia, Raymond und Mitarbeitern (10) tiber die Here- flora des behaarten Kopfes bei 189 Studenten eines College ergaben allein das Vorkommen von 14 verschiedenen Arten bei insgesamt 145 positiven Befunden. Die Hauptanteile liegen bei Pityrosporon ovale mit 32 %, Candida parapsi- losis mit 22 % und Rhodotorula mucilaginosa mit 18 %. Bakterienarten der kranken Haut Sieht man einmal von den eigentlichen Infektionen der Haut mit Bakte- rien, Pilzen oder Viren ab, dann stellt man fest, dab sich die Flora einer kranken Haut (Psoriasis, Ekzem, Tumoren, Retikulosen u. a.) hinsichtlich Tabelle IV Bakterienfiora von gesunden und kranken Hautpartien bei Ekzematikern (in o•) Keimart gesund krank Staphylococcus epidermidis 24 21 Staphylococcus aureus haem. 38 41 Sarcinen 6 9 Streptococcus haemolyticus 3 3 Andere Streptokokken 8 8 Corynebact. pseudodiphtheriticum 7 7 Neisseria 2 2 Sporenbildner 4 3 Gramnegative Bakterien (Escherichia, Proteus, Pseudomonas) 3 5
294 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Tabelle V Keimvorkommen bei Ulcus cruris-F•illen Staph. aur. haem. 4qo Pseudomonas aeruginosa 44 ? Proteus vulgaris 17ø o Enterokokken Strept. haemol. 8 Alkaligenes faecalis Escherichia coli 5 Staph. epidermidis Hefen Streptokokken o.H. 4 ø Corynebact. pseudodiphth. 3% Aerobacter aerogenes 1 ø ihrer Qualit/it nur unwesentlich von der gesunden Haut unterscheidet: Staphylokokken, Streptokokken, Corynebacterien, Helen u. a. Wit haben gesunde und kranke Hautpartien von Ekzematikern mittels Abklatschkulturverfahren untersucht und waren erstaunt, dab auch hier beim gleichen Individuum keine wesentlichen Unterschiede im Artenreichtum zu erkennen waren (vgl. Tab. IV). Anders liegen die VerNiltnisse bei Pyodermien hier finder man auf den Pyodermieherden und in deren unmittelbarer Umgebung bis zu 90 % patho- gene Staphylokokken oder auch Streptokokken, je nachdem, welcher Keim ftir die Pyodermie verantwortlich ist. Auf Erysipelherden finden wit regel- m•iBig haemolysierende Streptokokken. Bei Erysipeloid-Patienten finden wit auf der entztindlich ver•inderten Hautpartie Erysipelothrix insidiosa. Pity- riasis simplex-Herde beherbergen regelm/iBig Streptokokken verschiedener Arten. Bei der Meningokokkensepsis mir Hautmetastasen werden Meningo- kokken aus den befallenen Hautregionen geztichtet. Bei der Syphilis im 1. oder 2. Stadium k6nnen Treponemen im Prim•iraffekt oder in Papeln nach- gewiesen werden, nicht abet in der Umgebung der L•isionen. DaB auch E. coli, Pseudomonas, Proteus, Salmonellen auf kranker Haut gefunden werden k6nnen, wissen wit aus kasuistischen Mitteilungen aus der Literatur und aus eigenen Beobachtungen bei septischen oder septik•imischen Prozessen. Hier spiegeln sich die entsprechenden Keimbefunde aus der Blutkultur auf der Haut wider. Chronische Ulzera - meist an den Unterschenkeln lokalisiert - bieten Keimen aller Art gute N•ihrbodenverNiltnisse. Wit haben das bei der Unter- suchung von 100 Ulcus cruris-F•illen jtingst emeut nachweisen k6nnen (T,,b. V).
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