J. Soc. Cosmet. Chem., 28, 741-754 (December 1977) Zur Speziesabhiingigkeit der Hau tver tr iigli chkei t von Kosmetikgrundstoffen WERNER KASTNER* Synopsis -- The topical lrritancy potential of fatty or fat-derived cosmetic ingredients on human skin in 24-hour patch tests was compared with that in various animal species. Different species exhibited widely varying reactivity under identical test conditions. The degree of irritation decreased in the order rabbit, guinea pig, hairless mouse, and man. These data support the conclusion that the rabbit or guinea pig are not useful for skin irritancy studms. Data on hairless mice are more likely to permit prediction of human responses. Skin tolerance to raw materials or finished preparations as determined on animals -- cannot be relater directly to human experience unless it has been established that human skin reacts similar to animal skin. Consequently, topical studies of cosmetic components on human subleers should be included in the test program. 1. Einleitung Bei der Priifung der Hautvertriiglichkeit von kosrnetischen Grundstoffen und kosmetischen Priiparaten kann man gelegentlich Unterschiede in der Hautvertriiglichkeit zwischen den riblichen Laboratoriurnstieren Kaninchen und Meerschweinchen einerseits und der mcnschlichen Haut andcrerseits beobachten. Dag es hinsichtlich der Vertriiglichkeit tierart- spezifische Unterschiedc gibt, ist hinliinglich bekannt, dag es aber vor- wiegcnd Fettk6rper oder von Fetten abgeleitete Grundstoffe sind, die bci bestimmten Labortieren zu falschen Bcfunden ftihren, ist eine noch wenig beachtetc Tatsache. So liigt sich erkliiren, dag die eine Untersuchungsstelle, die aus Erfahrung weiS, dag ein Produkt speziell nur bei Kaninchen oder Meerschweinchen Reaktionen verursachen wird und deshalb diese Tier- * Aus den Toxlkologischen Laboratorien der Henkel & Cie. GmbH, Dfisseldorf. 741
742 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS arten ffir ihre Unter•uohungen nicht heranzieht, ein Produkt als gut vertriiglich bezeichnet, wiihrend ein •anderes Laboratorium wegen der bei diesen Spezies aufgetretenen Haut•reaktionen Bedenken gegen ein Produkt anmeldet. Solche Fiille haben uns veranlagt, diesen Fragen nachz•,gehen und wir haben mit Grundstoffen vergleichende Prfifungen an drei Labortier- arten und an Versuchspersonen durchgef'dhrt. Zur Abrundung des Bildes haben wir auch aliphatische Carbonsauren und Alkohole einschlieglich der 2-Alkyl-alkanole in die Untersuchungen einbezogen, weil wir ver- muten, bei diesen Stoffen am ehesten eine Gesetzmiigigkeit erkem•en zu kiSnn. en. In de• Literatur finden sich einige Hinweise darfiber, dag bei der Prfifung der Hautvertriiglichkeit Unterschiede in der Empfindlichkeit zwischen Versuchstieren und Menschen auftreten kiSnnen. So weist Hopf {4} in den Empfehlungen ffir die Hautvertriiglichkeitsprtifungen von KiSrperpflegemitteln auf die besondere ,,Fettempfindlichkeit" der Meer- schweinchen hin, die zu ,,falsch-positiven" Resultaten ffihren kann. Rieger und Battista {81 ffihren in ihrer Publikation fiber die Sicherheit von Kosmetika an, dag die Tierhaut als ganzlich verschieden von der des Menschen zu betrachten ist. Squalen f'dhrt z. B. bei Versuchstieren zu Haarausfall, ist jedoch normaler Bestandteil des menschlichen Sebum und wird weltweit in gut vertriiglichen Kosmetika eingesetzt. Durch die Applikation von Oliveni51 kiSnnen an der Rattenhaut Parakeratosen und Desquamation verursacht werden, trotzdem wird Oliveni51 in Haut- pflegemitteln seit biblischen Zeiten verwendet. Isopropylmyristat ver- ursacht Reizungen auf der Haut {8}. Roudabush et al. {9} kamen mit kosmetischen Fertigprodukten zu iihnlichen Ergebnissen. Sie fanden jedoch eine gute Obereinstimmung in der Empfindlichkeit zwischen der Haut von Kaninchen und Meerschweinchen. Mit teilweise ganz anders aufgebauten Stoffen {Formaldehyd u. a.} fanden Phillips et al. {7}, dag mit der Patch-Test-Methode die Kaninchenhaut im allgemeinen leichter reizbar ist als die menschliche Haut unter gleichen Bedingungen. Davis et al. {2} kamen zu dem Schlug, dag das Kaninchen zur Prfifung der Hautvertriiglichkeit mehr aus historischen und praktischen als aus wissenschaftlich begrfindeten Oberlegungen heraus verwendet wird. Es fiel den Autoren auf, dag ein auf dem Markt befindliches Anti- schuppenshampoo im Patch-Test bei Kaninchen schwere Reaktionen an der Haut verursachte, hingegen von Versuchspersonen fast reaktions- los vertragen wurde. Systematische Untersuchungen mit Kosmetik- grundstoffen wie Lanolin, Propylenglykol, Thioglykolat, Natrium-
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