532 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS TABELLE 3: Zusammenbewertung des Prozent-Kurven- und Durchschnittsaspektes p-Methylchinolin, m•innliche Gruppe steigend waagerecht fallend 1. stark 2,9 stark .... 2. streng 2,8 streng .... 3. unangenehm 2,4 unangenehm .... 4. ktinstlich 2,2 kiinstlich .... 5. schwer 2,1 -- schwer -- -- -- 6. unharmonisch 2,1 -- __ __ unharmon. -- 7. bitter 2,0 -- bitter -- -- -- 8. grob 2,0 -- grob -- -- -- 9. hart 1,9 -- -- hart -- -- [0. dicht 1,7 .... dicht [ 1. nicderdrtickend 1,7 -- __ __ niederdr. -- [2. primitiv 1,7 ..... primitiv [ 3. unruhig 1,7 ...... unruhig L4. voll 1,7 -- -- -- voll Es handelt sich um den Riechstoff p-Methylchinolin, miinnliche Gruppe: Die vier Begrifle ,,stark", ,,streng", ,,unangenehm" und ,,kiinstlich" mit den h6chsten Durchschnittswerten (AM = arithmetisches Mittel) weisen auch den eindeutig relevanten steigenden Kurventyp auf. Zu ,,schwer", ,,bitter" und ,,grob" mit den doch recht hohen durchschnittlichen Zuordnungsgraden 2,1 und 2,0 geh6ren dagegen waagrechte Begriffs-Prozent-Kurven. Wir miissen die Relevanz der Anmutungen ,,schwer", ,,bitter" und ,,grob" also in Zweifel ziehen. Die Begrifle ,,unharmonisch" und ,,niederdriickend" mir U-Kurven erscheinen nur einer Teilgruppe, deren Struktur wir noch nicht kennen, passend. Die Anmutungsqualitiit ,,hart" kann im mittleren Grade als spezifisch fiir diesen Duft gelten, da eine A-fOrmige Kurve dazugeh6rt. Die iibrigen Begrifle: ,,dicht", ,,primitiv", ,,unruhig" und ,,roll" haben fallende Begriffs-Prozent-Kurven. Betrachten wir abet die zugeh6rige Differenz zwischen Beginn und Ende der Kurven, so stellen wir rest, dab diese Kurven nur sehr schwach fallen, niimlich um 10 bis 15%. Es ist nach dem augenblick- lichen Stand der Auswertungen noch nicht zu sagen, welche Anfang/Ende- Differenz bereits eine signifikante, d. h. gesicherte Abweichung von der fallen- den Normkurve bedeutet. Es wire m6glich, dab diese Kurven schon aus dem Normbereich heraus fallen, d. h., dab die zugeh6rigen Begrifle schon zugeh6rig sind. Die ,,Duftbilder" oder ,,Duft-Anmutungsqualitiiten", die man den Zu- sammenstellungen analog Tabelle 3 entnimmt, decken sich im Urteil miinn- licher und weiblicher Versuchspersonen nicht ganz, aber doch teilweise. Die Obereinstimmung ist bei den verschiedenen Di2ften unterschiedlich groB. Unter Ausschaltung solchef Qualitiiten, deren Signifikanz zuniichst noch mit einem Fragezeichen versehen werden muB, ergeben sich, ganz grob umrissen, fblgende Duftbilder entsprechend den Anmutungsqualitiiten der Diifte:
GERUCHSPSYCHOLOGIE UND PARFUMIERUNG 533 Citral Geraniol p-Methylchinolin 1 •vtirzig 1 anregend 1 •vtirzig 1 strcng 1 unangenehm 2 fruchtig 2 w•_irzig 2 heiter 2 unangenehm 2 schwer 3 strong 3 anregend 3 frisch 3 k•mstlich 3 unharmonisch 4 anregend 4 roll 4 angenehm 4 hart 4 grob 5 •vach 5 blumig Menthon Eugenol Hexenylformiat 1 anregend 1 frisch 1 •v•_irzig 1 streng 2 frisch 2 w•_irzig 2 anrcgend 2 unangenehm 3 w•_irzig 3 anrcgend 3 erregend 3 gespannt 3 ktinstlich 3 unruhig 4 angenehm 4 roll 4 sLiB 4 niederdrLickend 5 erregend 5 k•mstlich 5 erregend 6 •vach 6 bitter 7 roll 7 unruhig 8 gespannt 8 hart Abb. 4: Duftbilder Was kann man zum Beispiel fiir Geraniol aus diesen Duftbildern erkennen? (Abbildung 4). Es sind ausschlieBlich positive Zuordnungen erfolgt, d. h. der Duft wird angenehm empfunden. Frauen und Mfinner finden ihn gleicher- maBen wtirzig, obwohl ihn der Fachmann unter blumig einreiht. Diese Fest- stellung ist sehr aufschluBreich, denn Sie sehen auch bei den anderen Riech- stoffen, dab ,,wtirzig" eine dominierende Rolle spielt. Wenn Sie das Duftbild des blumigen Geraniol betrachten: Hier liegt ,,wtirzig" bei den Mfinnern an zweiter Stelle, bei den Frauen an erster. Menthon, mir einem ausgepr•gt min- zigen Duft, router die meisten ebenfalls wtirzig an. Selbst Citral wird an erster Stelle als wtirzig empfunden, obwohl es der Fachmann unter die Gruppe der Agrumengeriiche einreiht, wie sie von Citronen, Orangen und Bergamotte- Frtichten wiedergegeben werden. Woher kommt es, dab also 4 der 6 getesteten Riechstoffe reit deutlicher Signifikanz als ,,wtirzig" bezeichnet werden? Vielleicht daher, dab der Mensch sehr vide Geruchserlebnisse aus der Ktiche bezieht. Diese Geruchserlebnisse sind deshalb besonders eindrucksvoll, weil sie oft dutch das Hungergeftihl ver- tieft werden. Ktichengeriiche sind vielfach reine Gewtirzdtifte, und es k6nnte sein, dab der Mensch yon diesen her beim Auftreten eines angenehmen, herz- haften, stimulierenden Duftes zu der Bezeichnung ,,wtirzig" kommt. Wenn man yon ,,wtirziger Seeluft" oder ,,wtirziger Gebirgsluft" spricht, heiBt dies im Volksmund eben noch lange nicht, dab es am Meet oder in den Alpen nach Spekulatius riecht. Die Bevorzugung eines Eigenschaftswortes wie wtirzig dutch den Laien kann auch auf andere Weise zu MiBverst•indnissen fi•hren. Wenn es zum Bei- spiel bei einem Publikumstest heiBt, ,,die Parftimierung sei zu warzig", so meinte vielleicht der gr6Bte Teil der Befragten, die vorherrschende Geranium-
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