534 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS note sei zu stark. Richtet sich der Parftimeur nach der vox populi, so ist das Er- gebnis unbefriedigend. Man redete in zwei Sprachen - und aneinander vorbei. Dieses Beispiel ist zwar willktirlich, doch haben wit ihnliche MiBverstind- nisse oft erlebt. Diese Arbeit soll mit dazu beitragen, die Ausdrucksweise des Publikums zu verstehen. Nun zum Duftbild yon Eugenol (Abbildung 4). Sie sehen die absolute t2bereinstimmung der beiden ersten Ringe. Auf Platz 3 kommen zwei Begrifle, deren Sinn zumindest verwandt ist. Im ganzen gewinnt man den Eindruck, dab nut get-tihlspositive Eigenschaftsworte gewihlt wurden. Ganz anders ist da die Beurteilung des Riechstoffes Hexenylformiat (Abbil- dung 7). Er geh6rt zu den Grtin- oder Blattgertichen. Wenn Sie das Duft- schema tiberfiiegen, finden Sie nut negative, ablehnende Urteile, sogar das Adjektiv unangenehm selbst. Ein kleiner Widerspruch fillt auch auf. Nieder- drtickend und gleichzeitig erregend passen nicht gut zusammen. Eine ihnliche, abet stirker ablehnende Beurteilung als Hexenylformiat er- fihrt der Riechstoff p-Methylchinolin (Abbildung 4), ein Vertreter der animali- schen Dtifte. Wenn Sie diese Anmutungsqualititen lesen, wetden Sie verstehen, weshalb ich nicht wage, Ihnen den Duft ad nasum zu demonstrieren. Ein solchef Geruch wird es tibrigens gewesen sein, der Schiller vorschwebte, um den Hofmarschall von Kalb beim Publikum - wie man so richrig sagt - in ,,schlechten Geruch" zu bringen. Der von Schiller vorgeschriebene ,,Bisam- geruch", den man heutzutage vielleicht mir einer Moschustinktur wiedergeben wtirde, ist dem Geruch des p-Methylchinolin sehr ihnlich. Nun zu einem anderen Thema: Sie wissen, dab die Farbgebung von Packun- gen in Verbindung mir der Form und der graphischen Gestaltung sehr stark suggestiv wirkt. Geschickte Werbefachleute stimmen die Farbe des Produktes und der Packung so ab, dab der Verwendungszweck und die Bezeichnung der Ware eine gRickliche Beziehung zueinander haben. Es wire sicher falsch, einer Citronenseife eine feuerrote Firbung zu geben. (Sie soll ja sicher nicht nut an Surrealisten verkauft werden). Normalerweise wird eine solche Farbdisharmo- nie den Kiufer ungtinstig beeinflussen. Seine Erwartung bei dem Wort Citrone ist eben zweifellos gelb. Er wird auch sicher schockiert sein bei einem blau gefirbten Shampoon, das einen Erdbeerduft ausstr6mt. Man kann andererseits nicht gut jedes Kosmetikum rosa firben, nut well diese Farbqualitit den Eindruck hautfreundlich, warm und lieblich vermittelt. Man wird auch andere Farben einsetzen wollen. Mir Vorteil kann man hierzu die Erkenntnisse der Farb- und Duftpsychologie zusammenspannen, um ein erfolgreiches Konsumprodukt zu schaffen. Um in diese Zusammenhinge etwas Einblick zu erhalten, lieBen wit die Ver- suchsperson zu jedem Duft diejenige Farbe angeben, die sie am ehesten zuord- nen wtirde. Hierzu standen Rot, Grtin, Blau, Gelb, Violerr und Orange zur Auswahl.
GERUCHSPSYCHOLOGIE UND PARFUMIERUNG 535 Die Tabelle 5 gibt hierzu einen Oberblick. Die Tabelle gibt ftir jeden Riech- stoff die an erster Stelle zugeordnete Farbe an. Wo sich die belden Gruppen hinsichtlich ihres Farburteils unterscheiden, sind Stellen- und Prozentwert der von der einen Gruppe bevorzugten Farbe auch ftir die andere Gruppe angege- ben. TABELLE 5: Farbzuordnungen H20 1. gelb 33% 1. gelb 49% H20, gef•irbt 1. gelb 34% 1. violett 29 % 3. violett 16% 2. gelb 24% Citral (agrumig) 1. orange 36% 1. orange 31% Geraniol (blumig) 1. orange 33% 1. grtin 29% 2. gelb 23% 2. gelb 2)% 3. grtin 16% 3. orange 22% p-Methylchinolin (animalisch) 1. violett 23 % 1. voilett 41% Eugenol (wiirzig) 1. gelb 31% 1. orange 39% 3. orange 17% 4. gelb 14% Menthon (minzig) 1. grtin 3•9% 1. grtin 44% Hcxenylformiat (gr'an) l. grtin 27% 1. grtin 35% Man wird nun fragen: Was kann die Praxis mit diesen Untersuchungen an- fangen ? Halten wit zunichst fest, dab es sich um eine reine Grundlagenforschung handelt, besonders in methodischer Richtung. Die Ergebnisse tragen daher noch den Charakter der Unvollstindigkeit, soweit man wissenschaftlich oder staffstisch sehr strenge MaBstibe anlegt. Immerhin erscheint es aussichtsreich, weltere Untersuchungen durchzuftihren. Man wird die Skala der einheitlichen Riechstoffe erweitern, itherische Ole einbeziehen, und schlieBlich auf Kom- plexgertiche, also Kompositionen iibergehen, wie sie ja in der Praxis allein ver- wendet wetden. Dutch Aufnahme geeigneter Adjektive, die auf die beabsichtigte Wirkung eines kosmetischen Priparates abgestimmt sind, kann man vielleicht dutch die beschriebene Testmethode aus einer Reihe von Kompositionen diejenige aus- wihlen, die nicht nut allgemein gut gefillt, sondern dartiber hinaus das Pripa- rat mir einem Duft ausstattet, der reit seinem Anwendungszweck und seiner Wirkung harmonleft. Stimmt man dann noch Farbe und Duft nach vertieften, geruchspsychologischen Erkenntnissen aufeinander ab, so nihert man sich schlieBlich dem Idealbild eines marktgerechten Produktes. Das Fragezeichen hinter dem Thema dieses Referates mtiBte verschwinden und durch ein Rufzeichen ersetzt werden- und es hieBe dann: Durch Geruchsp•- chologie •u erfolgreicher ParfiTmierung! LITE RATU R (1) Maximilian v. Vintschgau: Physiologie des Geruchssinnes. In: Hermanns Handbuch der Physio- logie Bd. 111/2 (S. 225), Vogel, Leipzig, 1880. (2) Hendrik Zwaardemaker: Die Physiologie des Geruchs, Engelmann, Leipzig, 1895. (3) Alfr. Lehmann: Die k6rperlichen AuBerungen psych. Zustiinde Bd. 2, O. R. Reisland, Leipzig, 1901.
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