556 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Es wtirde sehr tiberraschen, wenn es bei Humanhaar beztiglich der L6slich- keiten anders wiire. Gem•iB der anderweitig experimentell weitgehend gesicher- ten Anschauung, dab im Spitzenteil der ursprtingliche Quervernetzungsgrad herabgesetzt und andere Bindungen gest6rt sind, ist eine merkliche Erh6hung der L6slichkeiten verst•indlich, die auch tats•ichlich gefunden wurde, wie den nachstehenden Tabellen 1 und 2 zu entnehmen ist. TABELLE 1: Untcrschicde der HBL, SL und AL zwischen Ansatz- und Spitzenteil extrahierter, nativer Zopfhaare Haarsorten LF 205 IT] LF 2S0 IN] L6slichkeit Ansatz I Spitze Ansatz Spitze HBL 20,8 22,7 22,4 29,4 SL 14,1 15,0 14,2 15,0 TABELLE 2: Unterschiede der HBL, SL und AL zwischen Ansatz- und Spitzenteil, extrahierten, nativen ungebleichten und gebleichten Zopfhaares. Haarsorte LF 5 [V] L6slichkeit ungebleicht gebleicht Ansatz Spitze Ansatz Spitze HBL 35,5 36,3 48,7 56,4 SL 13,7 14,4 20,4 22,4 '1 I AL 13,9 14,2 23,4 30,8 Die beim ungebleichten Haar noch zumeist recht geringen Differenzen ver- gr6Bern das Bleichen geradezu dramatisch, ganz besonders, was die HBL be- trifft, die schon relativ geringftigige Ver•inderungen an der Quervernetzung anzeigt. Beim nativen Haar vorhandene, vielleicht noch unbedeutende Ver•in- derungen, kOnnen sich sonach ftir eine nachfolgende Behandlung, wie eben das Bleichen, kraB auswirken. Es ist nattirlich bekannt, dab gebleichtes Haar hohe LOslichkeiten besitzt im Vergleich zum ungebleichten. Was j edoch das Verhal- ten der nativen Spitzen- und Ansatzhaare betrifft, so wird die ftir diese gege- bene HBL-Differenz von 0,8 durch Bleichen auf 8,7 erh6ht ftir die AL betra- gen diese Differenzen 0,3 gegen 7,4, um beim Beispiel der Tabelle 2 zu bleiben. Das sind Tatsachen, die die praktische Erfahrung, vor allem der grOBeren Empfindlichkeit der Haarspitzen gegen verschiedene kosmetische MaBnahmen, erkl•iren und in neuem Licht erscheinen lassen. 2. Die Lb's/ichkei/ der Haare verschiedener Herk•nf/ Die bisher verschiedentlich nachgewiesene Verhaltensvariabilitiit menschli- chef Haare kann nicht nut auf die wechselnden Formen der Einzelhaarquer- schnitte, die schwankende Dicke der Schiifte oder nut Abweichungen des mot-
PHYSIKALISCHES/CHEMISCHES VERHALTEN VON HAAREN 557 phologischen Geffiges zurfickgeffihrt werden, wozu •iltere Autoren besonders neigen. Vielmehr ist anzunehmen, dab das Haar nicht nur in dieser, sondern auch, wie sich aus den L6slichkeitsversuchen ergab, in einer chemischen Varia- bilit•it w•ichst. Wegen der zwangsl•iufigen Abh•ingigkeit der physikalischen yon den chemischen Eigenschaften taucht erstmals die Notwendigkeit auf, ffir ur- sprfingliches Humanhaar den Begriff der na•iv-chemischen bzw. na•iv-ph. ysikali- schen Variabilit•it zu dem der artifi•iell-chemischen und artifigiell, ph•ysikalischen, durch kosmefische MaBnahmen verursachten, Variabilit•it in Gegensatz zu stellen. Die yon zahlreichen Haarsorten ermittelten L6slichkeitsdaten, in L6slich- keitendiagrammen, die eine Art Steckbrief far das betreffende Haar darstellen, zusammengefaBt, best•ifigen das Bestehen der nativ- und artifiziell-chemischen Variabilit•it eindrucksvoller als sonstige entsprechende Befunde. Wie im einzel- hen der Abb. 1 zu entnehmen ist, differenzieren sich in diesem Sinne die Haar- sorten auBerordentlich. Eine Klassifizierung der Haarsorten mit Hilfe solcher L6slichkeitendia- gramme zu versuchen, l•ige nahe, darfte aber erst m6glich sein, wenn ganz wesentlich mehr verschiedene Haare, einwandfrei erfaBbarer Herkunft, unter- sucht worden sind. Es sind neben dem Geschlecht noch Alter, Gesundheitszu- stand, rassische Zugeh6rigkeit und klimatisches Lebensmilieu sowie die kos- Abb. 1. L6slichkeitendiagramme verschiedener Zopfhaare zum Vergleich als Nachweis ihrer nativ- und artifiziell-chemischen Variabilitiit. - Die Buchstaben in [l bezeichnen die Haarfarbe nach Fischer- S a 11 e r (1). In dieser und der folgenden Abbildung bedeuten I, II und III HBL, SL und AL.
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