QUELLUNG DES HAARES IN KALTWELLMITTELN 545 tiver Luftfeuchte aufbewahrt. Far die Beobachtung im Mikroskop wurden Teile nahe der Haarwurzel, also etwa gleichen Alters (4), in kleinen Schlingen von einigen Millimetern Durchmesser mittels einer Harz16sung auf dem Ob- jekttr•iger befestigt. Mit diesera Kunstgriff wurde vermieden, dab sich das Haar infolge der Quellung in den Fltissigkeiten drehen, w•ihrend der Auf- nahme verschieben und aus dem Gesichtsfeld wandern konnte. So war es m6g- lich, nut einen kleinen Teil des Haares reagieren zu lassen. AuBerdem wurde reit Sicherheit vermieden, dab Reaktions16sung dutch die Schnittfi•ichen in das Haarinnere eindringen konnte. Alle Untersuchungen wurden bei 20-21ø C, also Zimmertemperatur gemacht. Die Pr•iparate wurden reit einigen Tropfen der L6sung befeuchtet und nach Abdecken reit einem Deckgl•ischen in Zeitintervallen photographiert. Die Beobachtungszeit wurde bis zu 30 Minuten ausgedehnt. Es soll ausdrticklich betont werden, dab diese Behandlung nicht den Umst•inden entspricht, die man bei der Kaltwelle am Kopf hat. Die Reaktionstemperatur war mir ca. 20 o C einerseits zu niedrig, andererseits wurde ein groBer k•berschuB an Reaktions- 16sung verwendet, um gentigend Wirkstoff zu haben und um den pH-Wert und die Konzentration m6glichst konstant zu halten. Letzteres ist bei der praktischen Dauerwelle am Kopf sicher nicht der Fall. Deshalb dtirfen die Resultate nicht ohne weiteres in die Praxis tibertragen werden. Die Untersuchungen wurden mir 1-normalen L6sungen verschiedener Mercaptoverbindungen und anderer Kaltwellchemikalien durchgeftihrt, wobei das pH mir Ammoniak eingestellt war. Als Vergleichssubstanzen dienten destilliertes Wasser, 1-normales Ammoniak wie auch konzentriertes Ammoniak. Interessant und aufschluBreich ist schon die Quellung in destilliertem Wasser, pH 6,4. Im allgemeinen leuchten innerhalb yon ca. 2 Minuten, oft aber schon nach einigen Sekunden die ersten Zellen der zun•ichst dunkeln, lufthaltigen Medula (rot) auf, ohne dab sich die bunten Polarisationsfarben des Cortex wesehrlich •indern. Die Medulazellen f•llen sich mir Wasser, das durch submikroskopisch feine Spaken und Poren schnell eindringt sie werden licht- durchl•issig (Abb. 1). In den Cortex dringt das Wasser erst allm•ihlich, und zwar yon auBen durch die Cuticula ein. Die zun•ichst dtinnen, hellgelben Randzonen werden breiter, die bunten, bei mittelstarken Haaren blauen Streifen langs der Medula dtinner und schmaler. Sie werden yon unscharfen, verschwommenen roten B•indern durchbrochen. Die Farben •indern sich. Am gebogenen Haar stellt man fest, dab sich der Farbwechsel im Innenbogen, an der konkaven Seite schneller vollzieht, dab das Wasser also schneller eindringt und der Cortex dort schneller quillt als im AuBenbogen, an der konvexen Seite. Die Farb•inderung verl•iuft meist nicht gleichm•iBig. Man beobachtet verschiedenfarbige Stellen im Haar. Erst allrn•ihlich gleichen sich die Farben an, und erst allm•ihlich wird die ganze Medula hell. Die Zeiten variieren bei den einzelnen Haaren stark. Die Vorbe- handlung, Absorption yon Wasch- und Netzmitteln, mehr oder weniger
556 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS sta•ke Du•chsetzung mit wasse•abweisenden Stoffen, Po•osit•t und Sch•den sind dabd yon ginBern EinfiuB. Das schndlere Einddngen im Innenbogen, an de• konkaven Sdte, hat seine Ursache in eine• Stauchung 1) des Co•texzdl- verbandes und in der damit dnhe•gehenden Ve•g•6Be•ung und C)ffnung Interzellula•ume. Nach dnigen Minuten •nde•n sich die Farben nicht meh•. Die Quellung nimmt nicht meh• zu sie hat offenba• dnen Endwe•t e•eicht (Abb. 2). Der Ve•lauf de• Qudlung h•ngt von dem Zustand des Haa•es ab. E• daue•t l•nge• bd unbehanddtem und unbesch•digtem Haar. Gemessen wu•den 10 bis 15 Mi- nuten. Vo•behanddtes Haa• quillt schndle•. Bei daue•gewdltem Haa• ist die Quellung mdst schon nach 1 bis 2 Minuten vollst•ndig. Tracknet man dn in Wasse• gequollenes Haa• - wobei vo•ausgesetzt wi•d, dab es nicht l•nge•e Zdt in Wasse• gelegen hat -, dann e•h•lt man die u•sp•ting- lichen Pola•isationsfa•ben wiede•. De• Ve•lauf de• Fa•b•nde•ung in eine• e•neuten Qudlung ist de• gldche. Man hat dahe• mit einem vo•angehenden Quellve•such in Wasse• eine Ve•gldchsbasis fti• nachfolgende Ve•suche in Chemikalien16sungen. Eine schnelle •nde•ung de• Pola•isationsfa•ben in Wasse• ist imme• Zdchen fti• ein schadhaoetes Haa•, auch wenn das ande•s nicht nachzuwdsen ist. In ve•dtinnten S•u•en findet man ein dem Wasse• seh• •hnliches Bild. Es scheint, dab sie abe• etwas langsame• in den Cortex dnddngen. Ve•dtinntes und auch konzentde•tes Ammoniak lassen das Haa• nicht st•ke• qudlen. Man findet keine g•6Be•e Zunahme des Du•chmesse•s. In konzentde•tem Ammoniak wu•den in eigenen Ve•suchen nach zwanzig Minuten ca. 12% gefunden. Beme•kenswe•t ist abe•, dab Ammoniak sehr schndl den Cortex du•chddngt. Die (blauen) Poladsationsfa•ben bdde•seits de• Medula gehen inne•halb ku•ze• Zdt - gemessen wu•de wenige• als eine Minute - in Rot- o•ange tibe•, um sich dann in 15 bis 20 Minuten nicht weite• zu •nde•n (Abb. 3 u. 4). Mit de• Neut•alisation de• sau•en G•uppen des Ke•atins ist die Reaktion offenba• beendet. Eine Aufspaltung de• Molektilketten, kenntlich an einem weite•en Fa•bwechsd, konnte t•otz des hohen pH nicht nachgewiesen xve•den "). Ve•dtinnte w•Bdge Me•captos•u•e16sungen, st•ke• anges•iue•te Me•captat- 16sungen, L6sungen yon Me•captos•iu•eamiden und -este•n mit pH-We•ten unte• 5, geben dn Fasbspiel, das dem des destillie•ten Wasse•s seh• •hnlich ist. •) Die Stauchung kann man sehr gut beim Bchand½ln des gebogenen Haares in konzentrierter Schwefel- s•iure sichtbar machen. Die S•iure greift zun•ichst die interzellulare Kittsubstanz, das sog. Hyalin an und lockeft den Zellvcrband, der sich, dem Stauchungsdruck nachgcbcnd, zu bogenf½•rmigen, wulstartigen Strukturen zusammenschiebt. 2 ) Im Gegensatz zu Ammoniak quillt das Haar in Kaliumhydroxyd- und Natriumhydroxyd16sungen sehr stark. Es h•ingt von der Konzzntration, der Zeit und der Temperatur ab, wi½ weir die Quellung an- w•chst, ob sie bis zur v611igen Auoe16sung des Haares fdhrt. Der Farbwechsel geht bis zu hellgelb und farbios. SchlieBlich verschwinden die Polarisationsfarben. Das stark gequollene Haar wird isotrop und ist, zwischen gekreuzten Nicols betrachtet, dunkel. Die Bau½lemente des Cortex sind v611ig desorien- tiert, chemisch wie physikalisch ver'•dert. Die Cuticula zeigt sich dabei sehr widerstandsf•hig, ebenso wie die Medula.
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