GERUCHSPSYCHOLOGIE UND PARFUMIERUNG 523 Es gilt nun, die 792 gewonnenen Begriffs-Prozent-Kurven mit der mannli- chen, bzw. weiblichen Norm-Prozent-Kurve zu vergleichen und zu interpre- tieren. Eine Sichtung und Sortierung aller Begriffs-Prozent-Kurven ergab rein nach der Anschauung sechs verschiedene Kurven-Typen: a) fallende Kurven b) waagerechte Kurven c) U-fOrmige Kurven d) A-fOrmige Kurven e) steigende Kurven f) unausgepriigt verlaufende Kurven. Interpretation der Kurventypen a) Fallende Kurven (Abbildung 2a) entsprechen in ihrem Verlauf der Norm- Prozent-Kurve (Abbildung 1) und besagen, dab der betreffende Begriff fur den betrachteten Duftstoff entweder als irrelevant oder unpassend empfun- den wird und deshalb insignifikant ist. M6glicherweise bilden gewisse flach- fallende Kurven eine Ausnahme, soweit das Durchschnittsurteil zu dem Begriff einen bestimmten Weft iiberschreitet. b) [Vaagerechte Kurven (Abbildung 2b) entstehen, wenn ein Begriff alle fiinf Zu- ordnungsgrade reit nahezu gleicher H•ufigkeit erreicht. Hier liegt also keine deutliche Kulmination, keine entschiedene Gruppenstellungnahme % •oo 8o 6o 40 20 o a) b) c) % lOO 8o 60 •o .• 20 0 f) d) 0 I 2 $ 4 0 1 2 $ 4 0 1 2 3 7uordnunclsclrad Abb. 2. Typen der Begriffs-Prozent-Kurven
524 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS vor. Es ist anzunehmen, dab ein solchef Begriff ftir die Versuchspersonen keinen eindeutigen Inhalt hatte, dab verschiedene Versuchspersonen sich Verschiedenes oder gat nichts darunter vorstellten und ihn deshalb unter- schiedlich, zuf•illig zuordneten. Eine Signifikanz des Begrifles ftir den be- treffenden Duftstoff ist daraus weder ableitbar noch mir Sicherheit zu be- streiten. c) U-fO'rmige Kurt en (Abbildung 2c) verraten, dab die Gesamtgruppe sich aus zwei Teilgruppen zusammensetzt, yon denen die eine den Begriff als in- signifikant, die andere ihn als passend, d. h. signifikant bezeichnet. Das unterscheidende Merkmal zwischen den beiden Teilgruppen bleibt dabei noch unbekannt. Der Unterschied k6nnte ebensogut in unterschied- licher Erlebnisweise als auch in unterschiedlichem Begriffsverst•ndnis lie- gem Nicht yon der Hand zu weisen ist auch die M6glichkeit, dab hier ein physiologischer Unterschied oftenbar wird, d.h., dab unterschiedliche Geruchsempfindungen auftreten. Ein Begriff mir solchef Kurve ist demnach ftir die Anrnutungsqualit•it des vorliegenden Duftes nut beschr•inkt signi- ilkant. d) A-fa'rmige Kurven (Abbildung 2d) repriisentieren eine Signifikanz des Be- grifles fiir den betreffenden Duftstoff, und zwar in etwa dem Grade, auf den der Gipfelpunkt der Kurve zeigt. e) Steigende Kurven (Abbildung 2e) zeigen in ihrem gegensiitzlichen Verlauf zu fallenden Kurven, dab der getestete Begriff fiir den Duftstoff besonders zu- treffend empfunden wird, denn die Mehrzahl der Versuchspersonen hat sich deutlich fiir die Zuordnungsgrade ,,recht gut" und ,,sehr gut passend" ent- schieden. f) Unausgepr•3gte Kurven (Abbildung 2f) kommen nut bei der weiblichen Ver- suchsgruppe vor. Ihr Verlauf weist keine ausgepriigte Tendenz auf und sagt iiber die Beziehung des Begrifles zum Duft nichts aus. Als Grund for einen derartig unausgepriigten Verlauf liegt die geringe Gruppenstiirke nahe, zu- real bei der viefinal so groBen Miinnergruppe keine derartigen Kurven auf- treten. Es ist anzunehmen, dab bei einer Vergr6gerung der Gruppen auch diese Kurven sich nach einer der oben beschriebenen Richtungen typisieren wiirden und dab auch bei weiblichen Personen gewisse RegelmiiBigkeiten und Kulminationen in der allgemeinen Duftbewertung auftreten. Die Zahl der weiblichen Versuchspersonen liegt zwar iiber der statistischen Mindest- grenze, ist abet doch zu niedrig. Anmutungsq•alit•ten der ein•elnen D•fte nach Aussage der Begriffs-Pro.•ent-Kurven (Vergleiche Tabelle 1) Die bisherige Methode fiihrt zu folgenden Anmutungsqualitiiten der geprtif- ten Riechstoffe: a) Citral wird yon Miinnern und Frauen als ,,stark", ,,wtirzig" und ,,anre- gend" empfunden. M•inner ordnen diesera Duft zusiitzlich noch die Eigen-
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