GERUCHSPSYCHOLOGIE UND PARFUMIERUNG 533 Citral Geraniol p-Methylchinolin 1 •vtirzig 1 anregend 1 •vtirzig 1 strcng 1 unangenehm 2 fruchtig 2 w•_irzig 2 heiter 2 unangenehm 2 schwer 3 strong 3 anregend 3 frisch 3 k•mstlich 3 unharmonisch 4 anregend 4 roll 4 angenehm 4 hart 4 grob 5 •vach 5 blumig Menthon Eugenol Hexenylformiat 1 anregend 1 frisch 1 •v•_irzig 1 streng 2 frisch 2 w•_irzig 2 anrcgend 2 unangenehm 3 w•_irzig 3 anrcgend 3 erregend 3 gespannt 3 ktinstlich 3 unruhig 4 angenehm 4 roll 4 sLiB 4 niederdrLickend 5 erregend 5 k•mstlich 5 erregend 6 •vach 6 bitter 7 roll 7 unruhig 8 gespannt 8 hart Abb. 4: Duftbilder Was kann man zum Beispiel fiir Geraniol aus diesen Duftbildern erkennen? (Abbildung 4). Es sind ausschlieBlich positive Zuordnungen erfolgt, d. h. der Duft wird angenehm empfunden. Frauen und Mfinner finden ihn gleicher- maBen wtirzig, obwohl ihn der Fachmann unter blumig einreiht. Diese Fest- stellung ist sehr aufschluBreich, denn Sie sehen auch bei den anderen Riech- stoffen, dab ,,wtirzig" eine dominierende Rolle spielt. Wenn Sie das Duftbild des blumigen Geraniol betrachten: Hier liegt ,,wtirzig" bei den Mfinnern an zweiter Stelle, bei den Frauen an erster. Menthon, mir einem ausgepr•gt min- zigen Duft, router die meisten ebenfalls wtirzig an. Selbst Citral wird an erster Stelle als wtirzig empfunden, obwohl es der Fachmann unter die Gruppe der Agrumengeriiche einreiht, wie sie von Citronen, Orangen und Bergamotte- Frtichten wiedergegeben werden. Woher kommt es, dab also 4 der 6 getesteten Riechstoffe reit deutlicher Signifikanz als ,,wtirzig" bezeichnet werden? Vielleicht daher, dab der Mensch sehr vide Geruchserlebnisse aus der Ktiche bezieht. Diese Geruchserlebnisse sind deshalb besonders eindrucksvoll, weil sie oft dutch das Hungergeftihl ver- tieft werden. Ktichengeriiche sind vielfach reine Gewtirzdtifte, und es k6nnte sein, dab der Mensch yon diesen her beim Auftreten eines angenehmen, herz- haften, stimulierenden Duftes zu der Bezeichnung ,,wtirzig" kommt. Wenn man yon ,,wtirziger Seeluft" oder ,,wtirziger Gebirgsluft" spricht, heiBt dies im Volksmund eben noch lange nicht, dab es am Meet oder in den Alpen nach Spekulatius riecht. Die Bevorzugung eines Eigenschaftswortes wie wtirzig dutch den Laien kann auch auf andere Weise zu MiBverst•indnissen fi•hren. Wenn es zum Bei- spiel bei einem Publikumstest heiBt, ,,die Parftimierung sei zu warzig", so meinte vielleicht der gr6Bte Teil der Befragten, die vorherrschende Geranium-
534 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS note sei zu stark. Richtet sich der Parftimeur nach der vox populi, so ist das Er- gebnis unbefriedigend. Man redete in zwei Sprachen - und aneinander vorbei. Dieses Beispiel ist zwar willktirlich, doch haben wit ihnliche MiBverstind- nisse oft erlebt. Diese Arbeit soll mit dazu beitragen, die Ausdrucksweise des Publikums zu verstehen. Nun zum Duftbild yon Eugenol (Abbildung 4). Sie sehen die absolute t2bereinstimmung der beiden ersten Ringe. Auf Platz 3 kommen zwei Begrifle, deren Sinn zumindest verwandt ist. Im ganzen gewinnt man den Eindruck, dab nut get-tihlspositive Eigenschaftsworte gewihlt wurden. Ganz anders ist da die Beurteilung des Riechstoffes Hexenylformiat (Abbil- dung 7). Er geh6rt zu den Grtin- oder Blattgertichen. Wenn Sie das Duft- schema tiberfiiegen, finden Sie nut negative, ablehnende Urteile, sogar das Adjektiv unangenehm selbst. Ein kleiner Widerspruch fillt auch auf. Nieder- drtickend und gleichzeitig erregend passen nicht gut zusammen. Eine ihnliche, abet stirker ablehnende Beurteilung als Hexenylformiat er- fihrt der Riechstoff p-Methylchinolin (Abbildung 4), ein Vertreter der animali- schen Dtifte. Wenn Sie diese Anmutungsqualititen lesen, wetden Sie verstehen, weshalb ich nicht wage, Ihnen den Duft ad nasum zu demonstrieren. Ein solchef Geruch wird es tibrigens gewesen sein, der Schiller vorschwebte, um den Hofmarschall von Kalb beim Publikum - wie man so richrig sagt - in ,,schlechten Geruch" zu bringen. Der von Schiller vorgeschriebene ,,Bisam- geruch", den man heutzutage vielleicht mir einer Moschustinktur wiedergeben wtirde, ist dem Geruch des p-Methylchinolin sehr ihnlich. Nun zu einem anderen Thema: Sie wissen, dab die Farbgebung von Packun- gen in Verbindung mir der Form und der graphischen Gestaltung sehr stark suggestiv wirkt. Geschickte Werbefachleute stimmen die Farbe des Produktes und der Packung so ab, dab der Verwendungszweck und die Bezeichnung der Ware eine gRickliche Beziehung zueinander haben. Es wire sicher falsch, einer Citronenseife eine feuerrote Firbung zu geben. (Sie soll ja sicher nicht nut an Surrealisten verkauft werden). Normalerweise wird eine solche Farbdisharmo- nie den Kiufer ungtinstig beeinflussen. Seine Erwartung bei dem Wort Citrone ist eben zweifellos gelb. Er wird auch sicher schockiert sein bei einem blau gefirbten Shampoon, das einen Erdbeerduft ausstr6mt. Man kann andererseits nicht gut jedes Kosmetikum rosa firben, nut well diese Farbqualitit den Eindruck hautfreundlich, warm und lieblich vermittelt. Man wird auch andere Farben einsetzen wollen. Mir Vorteil kann man hierzu die Erkenntnisse der Farb- und Duftpsychologie zusammenspannen, um ein erfolgreiches Konsumprodukt zu schaffen. Um in diese Zusammenhinge etwas Einblick zu erhalten, lieBen wit die Ver- suchsperson zu jedem Duft diejenige Farbe angeben, die sie am ehesten zuord- nen wtirde. Hierzu standen Rot, Grtin, Blau, Gelb, Violerr und Orange zur Auswahl.
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