QUELLUNG DES HAARES IN KALTWELLMITTELN 553 Im Innern des Cortex erscheinen wieder h6here Polarisationsfarben (Abb. 7, 11 u. 14). Aber auch hier wird die ursprtingliche Polarisationsfarbe erst nach dem Trocknen des Haares wieder erhalten. Die Untersuchungen haben gezeigt, dab Beobachtungen im Polarisations- mikroskop ein gutes Bild von dem Eindringen der Kaltwellfitissigkeiten und yon Fltissigkeiten tiberhaupt in den Cortex geben. Das Eindringen ist weit- gehend abh•ingig yon dem Zustand des Haares. Porosit•it und mechanische Sch•iden f6rdern die Quellung sehr. Der pH-Wert hat ausschlaggebende Be- deutung. In Mercapto16sungen mir pH-Werten unter 9,5 - die Grenze ist nicht scharoe- verl•iuoet der Quellvorgang ungleichm•iBig und weniger rasch. Einstellungen tiber pH 9,5 lassen das Haar schnell und gleichm•iBig quellen und sch•idigen stark. Unterschiedliche Schichtungen, die auf ein Nebeneinander von Ortho- und Paracortex hinweisen, wurden am glatten Haar bei den Untersuchungen nicht gefunden (22, 23, 24, 25). Das ungleichm•iBige Eindringen der Fltissigkeiten, kenntlich an der differierenden Farb•inderung, wird auf Lockerstellen und Fehlstellen zurtickgeftihrt, l•iBt aber die Frage berechtigt erscheinen, ob nicht, wie bei gewissen Wollfasern, ein Durchwachsen beider Strukturen, Ortho- und Paracortex, vorliegt. Untersuchungen am eng gekr•iuselten Negerhaar wtirden hier weitere Auskunft geben. Bild 13) nach 20 min. Zwischen gelben Randstreifen und blauen Streifen im Inneren breite orange-rote nach rotviolett verlaufende Streifen. Im konkaven Bogen breiter und etwas ungleichm•if•i•. Medulla voll- kommen mit Fltissigkeit gertlilt. Gleichm•iBige Quellung im Gegensatz zu Bild 10. Bild 14) nach 3 min in 3 % iger Hydroperoxyd16sung und anschlief•endem Einlegen in 3 % ige Formaldehyd- 16sung. Die Quellung ist fast vollkommen zurtickgegangen. Farben wie Bild 12. ]-Iaar in 10%igem -/tmmoniamthioglyko]at, pH eingestellt mit konzentriertem Ammoniak auf 9,7, Zusatz yon NetzmitteL Bild 15) nach 30 sek. Beginn der Quellung besonders im konkaven Bogen. Bild 16) nach 5 min. Sehr starke Quellung vom Rand her. Helle, scharfe abgesetzte Randstreifen. Medulla undeudich rotviolett. Die Quellung gleichm•iflig stark yon auflen nach innen. Einige Einbruchstellcn (Pfeile). Bild 17) nach 8 min. Schr starke Quellung, nut wenige Stellen des Cortex sind noch nicht erfafk. Bild 18) nach 3 min in 3 % igem Hydroperoxyd und •/2 norm. Essigs•iure. Im Inneren wieder blaue bis rot- violette Polarisationsfarben. Konvexer Randstreifen dunkelgelb. Durchmesser verringert. Beachtliche Ent- quellung. Der konkave Innenbogen ist hell geblieben hier starke Sch•tdigung des Cortex. Zum Vergleich einige Bilder im normMen Licht mir Phasenkontrast-Optik aufgenommen: ]]aar in kon•.enlrierler •chm6re]sdure : Bild 19). Die Cuticula ist vollsffmdig aufge16st, der Cortex bis auf die innersten Parden in Auf16sung bcgriffen. lm konkaven Bogen ist der Cortex wulstartig gestaucht, der Zellverband st•irker gelockert als im konvexen Bogen. Haar nach ldngerer Fimvirkm•g eines handelsiib/ichen Kalt•'e#mittels: Bild 20). Thioglykols•mrcgehalt 9,9%, pH 9,4. Starke, aber gleichm•dlige Quellung, auch der Medulla. lm konkaven Bogen feine •,7ulstbildung in etwa der Breite der Cuticularinge. bIaar in 30%iger Kaliumhydro.¾ydlb's •ng nach 20 Minaten bei 20 ø C: Bild 21 und 22). Cu'zic2la noch intakt. Im konkaven Bogen starke Wulstbildung. Medulla starke L•ings- quellung im Gegcnsatz zur Breitenquellung in Kaltwellmitteln (Bild 20). Korkzieherartige Windungen (Pfeile). Im engen Bogen Verschiebzn dutch die plastisch-verfltissigte Cortexmasse nach der konvexen Seite. Dort Anreicherung parallel gerichteter Zellfragmente. Cuticula und Medulla sind wie bekannt gegen starke Alkalien widcrstandsf•thiger als der Cortexzellverband. Die Mikrophotographien wurden mir einer Objektivvergr6flerung 20: 1 und einer neunfachen Okular- vergr6Berung g3oeertigt. Die Polarisationsfilter waren um etwa 10 bis 15 ø zur geringen Aufhellung des (½esizhtsfeldes verst:llt. Die Belichtungszeit betrug 3 Sekunden.
554 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Zum SchluB bleibt mir noch die angenehme Aufgabe, meinem ehemaligen Mitarbeiter Herrn Patzwald ftir die Untersttitzung bei der Herstellung der Mikrophotos zu danken. LITE RATU R Li•eralur: (1) C. E. Rccsc und H. Eyring: Mechanical properties and structure of hair, Text. Res. J. 20, 743-53 (1950) (2) E. Lehmann: Dchnungscrscheinungcn im Menschcnhaar, Moll. Textlibor. 22, 453-56 (1941) (3) K. H. Meyer: Fibrous proteins, Nature (London) 164, 33-34 (1949) (4) P. B. Sram, R. F. Kratz und H. J. White jr.: Thc swelling of human hair in water and water vapor., Text. Res. J. 22, 445 (1952) 1 (5) H. Frcytag: Das Haar als Rcaktionsparmcr i. J. reed. Kosmetik 1956, S. 283 if. (6) H. Frcytag: Das Haar als Reaktionspartncr II. J•rztl. Kosmctik, 13d. 4, S. 48 if. (7) H. Frcytag: f2ber die Variabilit•it der Haare, ihrc Ursachcn und die M6glichkcitcn ihrcr Erfassung, Fcttc, Scifcn, Anstrichmittcl 56, 415-22 (1954) (8) H. Freytag: Obcr die \'('irkung des Ammoniumthioglykolat / Ammoniak-Systems auf das mensch- lichc Haar, Forte, Scifcn, Anstrichmittcl 58, 245-53 (1956) (9) H. Frcytag: Obcr die Qucllung yore menschlichen lIaar, Z. Naturforsch. 7 b, 645 (1952) (10) G. C. \Vood: The Relaxation of stretched animal fibres II. The relaxation of human hair, J. Text. Inst. 45, T 462-71 (1954) (11) E. I. Valko: A study of the swelling of hair in mixed aqueous solvents, J. Soc. cosmetic Chemists 3, 108 (1952) (12) H. J. \¾hitc ir., H. Eyring: The adsorption of •vater by swelling high polymcric materials, Text. Res. J. 17, 523 553 (1947) (13) R. Helling6 t re r: Haarqucllung und -erweichung, Parfumcric u. Kosmct. 36, 57 (1955) (14) R. Heiling6ttcr: Die Qucllung und Er•veichung von menschlichcm Haar in L6sungcn von Mcrcapto-Verbindungen, Fette, Seifen, Anstrichmittcl 55, 868 (1953) (15) Th. Lochte und H. Brauckhoff: Mikroskopischc u. hygroskopischc Untersuchungcn an gedehnten u. supcrkontrahicrten menschlichcn Kopfhaarcn, Biochem. Z. 312, 41 (1942) (16) Fr. Hirsch: Das Haar des Menschcn, Vcrl. Karl E. Haag, Ulm/Donau (1956) (17) C. Sch611cr: Druck- und waschbcst•indige Verformung yon \Voile, Moll. Tcxtilber. 39, 1259 (1958) (18) E. H. Mercer: Heterogenity of the Kcratinfibrcs, Text. Res. 26, 388 (1953) (19) R. Ritter und K. Tomopulos: Mikroskopische u. mikrophotographischc Bcitr•ige zu der sog. bilateralcn Struktur der \X ollc, Photographic und Wissenschaft 8, 23 (1959) (20) J. Schmidt: Das Vcrhaltcn der Haarc im polarisicrtcn Lichtc, Diss. Naturw. Fak, Jena 1926 (21) W. J. Schmidt: Abderhalden, Handbuch der biologischcn Arbeitsmethodcn, Abt. V, Toil 10, Urban u. Schwarzcnbcrg, Berlin - Wien, 1938 (22) G. Satlow: Die bilatcrale Struktur der \Voile, Z. Orion, 1959 S. 3 (23) G. Satlow: Eine Schnellmethode zum Nachweis der bilateralcn Struktur der \\ ollc, Z. gcs. Tcxtil- Ind. 61, 497 (1959) (24) G. Satlow: Zusammcnh•inge zwischcn dem Zustand der Cystinbindungen des •,oll-Kcratins u. der Bilatcralit•it des \Vollcortex, TextibRundschau 1959, Heft 8 (25) Duscnbur y und E. B. Jeffries: The effect of bilateral structure on the chemistry of Kcratin fibers, J. Soc. cosmetic Chemists 6, 355 (1955) SUMMARY When observed under the polarising microscope the hair - as an uniaxial positive double refractive material - shows various strong interference colours which on swelling change to those of lower orders. By the gradual changes in interference colours the penetration of the liquids into the cortex is well recognizable. Various coloured photomicrographs demonstrate that the extent of damage of the hair depends on the pH value of the permanent waving solu- tion. Cavities and damages in the cortex are well visible.
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