BEITR•GE ZUR KENNTNIS DES PHYSIKALISCHEN UND CHEMISCHEN VERHALTENS VON HUMANHAAREN II. Die chemische Variabilitiit DIPL.-ING. DR. TECHN. HANS FREYTAG Z•ach einem [f ortra• am 1.9. 1960 in M•nchen auf dem I. Kongrefi der IFSCC In der 1. Mitteilung (1) wurden u. a. reit Hilfe der Hamstoff-Bisulfit- (HBL), S•ure- (SL) und Alkali16slichkeit (AL) recht umfangreiche chemische Ver•n- derungen des Humanhaares dutch Trocknen bei wenig erh6hter Temperatur (48 bis 500 C) nachgewiesen. Das Trocknen des Haares stellt daher bereits einen weiteren Variabilit•tsfaktor dar, mit dem gerechnet wetden muB. Die Be- stimmung der erw•hnten, zur Beurteilung des Zustandes yon Wollfasem be- felts l•nger benutzten L6slichkeiten l•Bt sich vorteilhaft, wie Versuche ergaben, zur Beschreibung der Humanhaare verwenden. t2ber die Methodik wurde schon berichtet (1), so dab nachstehend Beschr•n- kung auf die Wiedergabe der Untersuchungsergebnisse und deren kurze Dis- kussion m6glich ist. Die Untersuchungen sind keineswegs abgeschlossen. Es w•re wtinschens- weft, wenn yon anderer Seite entsprechende Beobachtungen mitgeteilt wetden k6nnten, um die M6glichkeit zu prtifen, ob nicht, je nach Herkunft der nativen Haare, der Umfang der chemischen Variabilit•t gewissen Gesetzm•Bigkeiten folgt. Ftir die kosmetischen Belange erscheint diese Frage bedeutungsvoll. 1. Unterschiede yon Mnsat•- und Spi•enhaar Es ist bekannt, dab der Spitzenteil der Wolle betr•chtlich abweichendes Ver- halten yore wurzelnahen Fasemanteil aufweist. Es r•hrt dayon her, dab diese beim Tier stets auBen liegenden Wollfaseranteile Licht und Wetter starker als die iSbrigen ausgesetzt sin& Die Disulfidbr•cken wetden, wie zuerst M. Harris und A. L. Smith (2) sowie J. B. Speakman (3) gezeigt haben, photochemisch (radikalisch) gespalten. Ist die Faser feucht, so ist noch an die Entstehung yon Hydrogenperoxyd zu denken (4), das seinerseits oxydative Ver•nderungen herbeif•hrt. Hinweise darauf sind dutch die verst•rkte Jodazidreaktion yon Woll- und Haarspitzen, dutch die erh6hte Superkontraktion und das Verhalten Farbstoffen gegen•ber gegeben (5). * Aus dem Spezialforschungslaboratodum der Ondal, GmbH, (Wella-Haarkosmetik), Darmstadt.
556 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Es wtirde sehr tiberraschen, wenn es bei Humanhaar beztiglich der L6slich- keiten anders wiire. Gem•iB der anderweitig experimentell weitgehend gesicher- ten Anschauung, dab im Spitzenteil der ursprtingliche Quervernetzungsgrad herabgesetzt und andere Bindungen gest6rt sind, ist eine merkliche Erh6hung der L6slichkeiten verst•indlich, die auch tats•ichlich gefunden wurde, wie den nachstehenden Tabellen 1 und 2 zu entnehmen ist. TABELLE 1: Untcrschicde der HBL, SL und AL zwischen Ansatz- und Spitzenteil extrahierter, nativer Zopfhaare Haarsorten LF 205 IT] LF 2S0 IN] L6slichkeit Ansatz I Spitze Ansatz Spitze HBL 20,8 22,7 22,4 29,4 SL 14,1 15,0 14,2 15,0 TABELLE 2: Unterschiede der HBL, SL und AL zwischen Ansatz- und Spitzenteil, extrahierten, nativen ungebleichten und gebleichten Zopfhaares. Haarsorte LF 5 [V] L6slichkeit ungebleicht gebleicht Ansatz Spitze Ansatz Spitze HBL 35,5 36,3 48,7 56,4 SL 13,7 14,4 20,4 22,4 '1 I AL 13,9 14,2 23,4 30,8 Die beim ungebleichten Haar noch zumeist recht geringen Differenzen ver- gr6Bern das Bleichen geradezu dramatisch, ganz besonders, was die HBL be- trifft, die schon relativ geringftigige Ver•inderungen an der Quervernetzung anzeigt. Beim nativen Haar vorhandene, vielleicht noch unbedeutende Ver•in- derungen, kOnnen sich sonach ftir eine nachfolgende Behandlung, wie eben das Bleichen, kraB auswirken. Es ist nattirlich bekannt, dab gebleichtes Haar hohe LOslichkeiten besitzt im Vergleich zum ungebleichten. Was j edoch das Verhal- ten der nativen Spitzen- und Ansatzhaare betrifft, so wird die ftir diese gege- bene HBL-Differenz von 0,8 durch Bleichen auf 8,7 erh6ht ftir die AL betra- gen diese Differenzen 0,3 gegen 7,4, um beim Beispiel der Tabelle 2 zu bleiben. Das sind Tatsachen, die die praktische Erfahrung, vor allem der grOBeren Empfindlichkeit der Haarspitzen gegen verschiedene kosmetische MaBnahmen, erkl•iren und in neuem Licht erscheinen lassen. 2. Die Lb's/ichkei/ der Haare verschiedener Herk•nf/ Die bisher verschiedentlich nachgewiesene Verhaltensvariabilitiit menschli- chef Haare kann nicht nut auf die wechselnden Formen der Einzelhaarquer- schnitte, die schwankende Dicke der Schiifte oder nut Abweichungen des mot-
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