DIE BEDEUTUNG DES PARFUMS 815 Erinnert sei an eine (in der Bundesrepublik Deutschland gezeigte) Fern- sehreklame, die f/fir eine Mann-Frau-Gruppe die AusstoBreaktion als Folge des Foetor ex ore und die Behebung des olfaktorischen Aus16sers anschau- lich benutzt. Der/fible Mundgeruch ist eine stark dominierende Entstellung der K6rpergeruchssph•ire, in der Terminologie yon L6hner ein Beigeruch. F/fir olfaktorische Entstellungen sind wohl die exogenen und endogenen Bei- ger/fiche offenkundig allgemein verant•vortlich, sofern sie, das muB einschr•in- kend betont werden, die K6rpergeruchssph•ire soziophobieren. DIE AUFGABEN DER OLFAKTOI•IA Desodorierung Das durch die folgende AusstoBreaktion isolierte Individuum muB sich um die R/fickkehr in seine soziale Welt bem/fihen, entweder durch Vorbeugung der olfaktorischen Entstellung durch Reinigung des K6rpers oder durch Desodorantia. Dutch solche mir chemisehen Mitteln zu realisierende MaBnah- men adaptiert sich der betroffene Mensch an seine soziale Urnwelt. Adaptive oeompensatorika Es liegt natfirlich nahe, den entstellenden Geruch mir Olfaktoria zu verdek- ken, die man als adaptive Komj•ensatorika bezeichnen k6nnte. Deren Wirkung muB jedoch recht gering eingeschiitzt werden. Angesichts der Vielfalt m6g- licher olfaktorischer gntstellungen m/fiBten j eweils spezielle Kompensatorika zur Verf/figung stehen, denn die Verwendung eines f/fir den gegebenen Fall ,,falsch" gewiihlten Olfaktoriums k6nnte vielleicht sogar die Entstellung der K6rpergeruchssph•ire noch intensivieren. Erfahrungsgem•iB kann die olfak- torische Entstellung eines Individuums in einem geschlossenen Raum durch Anwesenheit anderer parf/fimierter Personen gelegentlich infolge Entstehung eines abstoBenden Mischgeruchs sehr drastisch und generalisiert werden. Ein entstellender objektiv unangenehmer Geruch wird durch Aufwertung nicht weniger soziophob. So lassen sich Befunde yon A. S. Luchins (10) inter- pretieren. Die entstellenden Beiger/fiche entstammen der bakteriellen Zersetzung yon SchweiB und Proteinen sowie der Raumluft. Das Verspr/fihen olfaktorieller Kompensatorika ist nicht so wirksam wie die Lufterneuerung. Eine beson- dere Frage ist die Verwendung der Olfaktoria in herk6mmlichen Kosmetika. Dies geschieht bekanntlich einerseits zur Kompensation des soziophoben Geruchs eines Pr•iparats, verursacht durch die Eigenger/fiche seiner Kompo-
816 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS nenten. An diesem Beispiel wird fibrigens das Po•yfunktionelle des Parfilms deutlich, das selbst das wissenschaftliche Verst•indnis fir diese Mittel ver- unsichert. Andererseits n•imlich k6nnen zwar PNiniatrika durchaus die eine Entstellung bestimmungsgem•iB beseitigen, abet &fir eine neue, eine olfak- torische, Entstellung setzen. Eine praktisch realisierbare sorgf•iltig abge- sfimmte kompensierende Parfimierung eines solchen Mittels soll solchen Entstellungsverschiebungen vorbeugen. Die Kompensafion des Eigenge- ruchs des PNiniatrikums ist also nicht nut Selbstzweck seiner Parfimierung. Sie soll auch die adaptive Wirkung des Mittels sichem. Msso•iativ wirksame Parf/imieruneg Jedoch ist die Parfimierung der PNirdatrika eine MaBnahme des Marke- ting zugleich, der Werbepsychologie. W. Klages und I. Klages (11) haben in medizinalem Zusammenhang an die alte Erfahrung verwiesen, dab der Mensch Geriche mir ,,bestimmten spNirischen Stimmungen" verknipft und Geruchsempfinden mit gewissen Objekteigenschaften zu Schablonen assoziiert, wie etwa den Geruch frisch gewaschener W•ische mir ihrer Sauber- keit oder die Qualit•it einer Ware mir ihrem spezifischen Geruch. Erinnert sei an den Versuch, reit Fabrikneuwagen-Parfim Gebrauchtwagen verk•iuf- ticher zu machen, wie Mitchell, Konigsbacher und Edinan (12) berichteten, oder an den erfolgreichen Versuch yon Mehling (13), mir parfimierten Hosen einen h6heren Umsatz als mir unparfimierten zu erzielen. Mir diesen Hinweisen sei dargelegt, dab technische Parfilms sich rdcht nut dutch den bestimmungsgem•iBen Gebrauch, sondern auch dutch ihre Zu- sammensetzung yon den zur Beseifigung oder Vorbeugung k/Srpergeruch- licher Entstellungen gebrauchten Olfaktoria unterscheiden. Das fir den Menschen bestimmte Parfilm ist ein Gemisch synthetischer und natirlicher Riechstoffe mir unterschiedtichen Geruchsqualit•iten in alkoholisch-w•iBriger L6sung, das fir sich als solches oder als Zusatz zu Ph•iniatrika in angemes- sener Dosierung zur Adaptation des PNinopathen an seine soziale Urnwelt dutch Behebung oder Vorbeugung olfaktorischer Entstellungen benutzt wird. Von der Wahrnehmung her (14) ist das Parfilm als Gebilde aufzufassen, dessen Geruch mehr ist als die Summe der Geriche seiner Riechstoffbestand- teile. Das Olfaktorium in Beziehung zur Gestaltp•chologie unter Verwertung der Erfahrungen als Parfimeur zu setzen, versuchte erstmals P. Jellinek (15). Es w•ire erwiinscht, dieset Anregung zu Untersuchungen groBzigig zu folgen, da sich daraus weftvoile praktische Konsequenzen ergeben k•Snnten, gerade vom Standpunkt des Adaptationsmodells der Kosmetik. Der Ge- staltpsychologe D. Katz (16) allerdings meldet Zweifel an der Existenz von
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