828 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS lauch und Zwiebeln). Sie sind eben vielfach auch nut der Geruch armer Leute. Wobei gesagt werden muB, dab die weiBe Rasse in dieset Hinsicht ganz ungew6hnlich arrogant ist, indem sie immer vom schlechten Geruch der Neger spricht und sich niemals die Frage stellt, ob nicht auch weiBe Menschen wegen ihrer Erniihrungsweise f/fir den Neger ,,schlecht" riechen, und zwar heiBt es, der weiBe Mann r6che s•iuerlich. Seit jeher haben sich insbesondere die ostasiatischen V61ker, also Chinesen und Japaner,/fiber den schlechten Geruch der Europ•ier aufgehalten, weil sie eine Sauberkeitskultur hatten, die der der durchschnittlichen Europ•ier welt/fiberlegen war, und damit unangenehme Get/fiche vermieden. Wenn abet schon yon Rassen die Rede ist, taucht sofort der Begriff der Rassenk•impfe auf. Die Behauptung der Existenz yon Rassenger/fichen wird n•imlich gemeinhin von einer b loBen Feststellung zu einer Rechtfertigung f/fir aggressive Akte. Man kann sagen, dab _/tggressivit•t, die sich aus Ger/fichen und Geschm•ickern n•ihrt, in der Tat stammesgeschichtlich sehr fief einge- bettet ist. Damit f/fihrt uns die soziale Funktion der Get/fiche in iramet frag- w/firdigere Dimensionen des sozialen Lebens. Um so wichtiger wird es, diese Dimension der Get/fiche beherrschen zu lernen und zu steuern. Kulturanthro- pologisch gesehen, erNilt die Parf/fimierung in der Tat ihre Bedeutung aus einer stammesgeschichtlich sehr fief begr/findeten Ged•ichtnisdimension und wird yon da aus zu einer vorsprachlichen Kommunikation, sowoN im Posi- riven wie im Negativen, in der Sympathie wie in der Antipathie. ZUSAMMENFASSUNG Das yon Parr/rims und Parf/fimierung f/fir den Soziologen und Kulturanthro- pologen gebotene Problem wird hinsichtlich der Funktion und der besonde- ren menschlichen Sozialordnung durch eine Szene in des bedeutenden fran- z6sischen Dichters Marcel Proust Hauptwerk ,,A la recherche du temps perdu" wiedergegeben. Geschmack und Geruch eines Geb•icks und eines Tees erwecken erst die Erinnerung an die eigene Vergangenheit. Im Tiefen- ged•ichtnis des Menschen sind Get/fiche (und Geschmack) wesehrlich. Der Zwang zur Herstellung yon Riechstoffen ist phylogenetischen Ursprungs. Mir dem recht geringen menschlichen Geruchsverm6gen wirkt der Geruch wie eine geheime moralische Alarmanlage in besonderen sozialen Situationen. Der Mensch versucht, den Geruch zu steuern, um den schlechten auszu- schalten. Dies heiBt Parf/fimierung. Er gewinnt durch sie eine Geruchsuni- form. Parfiimierung entspricht in ihrer Funktion vorsprachlicher Kommu- nikation,
KULTURANTHROPOLOGISCHE BETRACHTUNG 829 LITERATUR Weitere Ausftihrungen tiber den Gegenstand in: Kt3nig, Rend, Macht und Rei T der Mode, Econ Verlag GmbH, Dtisseldorf 1971. Kt3nig, Rend und Schmalfuss, Axel, Kulturanthropologie, Econ Verlag GmbH, DUsseldorf 1972. Freytag, H., J. Soc. Cosmetic Chemists 23, 811 (1972) Parfiimerie u. Kosmet. 52, 342 (1971).
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