DIE BEDEUTUNG DES PARFOMS 817 Geruchsgestalten an und meint, es k6nnte auch Ganzheiten geben, die nicht in das Gestaltschema passen. Die Auffassung als Geruchsgestalt - vorbehalt- lich weiterer Befassung mir diesera Problem - macht meines Erachtens die eigentliche Bestimmung des Parffims leichter verst•indlich. 3'ex.e//e Bede.t. ng des Kdrperger. chs Vor 60 Jahren behandelte H. Ellis (17) im von A. Moll herausgegebenen ,,Handbuch der Sexualwissenschaften" den Geruchssinn in seiner Bedeutung fiir die Sexualitiit des Menschen. Ellis' Beltrag enthiilt - wbrtlich - folgenden Satz: ,,Infolge der essentiellen und fundamentalen Identitiit der Getfiche - selbst Getfiche, die sehr welt voneinander entfernten Quellen entstammen, sind einander chemisch •ihnlich - finden wit, dab Parffims vielfach dieselbe sexuelle Wirkung ausfiben, wie ursprfinglich die Kbrpergerfiche." Damit war Jellineks (18) Hauptthema ,,Parffimerie und Erotik" im Buch fiber ,,Die psychologischen Grundlagen der Parffimerie" schon frfihzeitig als Aufgabe konzipiert, eine Feststellung, die den Weft dieset Arbeit des Autors als detaillierte, auch zur Kritik herausfordernde Formulierung aus der Sicht des modemen Parffimeurs steigert. Sie sollte abet mehr Beachtung in der Praxis finden. Darstellung erogener Haut•onen als //beroptimale Mttrappen mittels Olfaktoria Der Aspekt des Adaptationsmodells der Kosmetik bezieht die dutch Wir- kungsminderung oder Fehlen yon Ausl•Sserstrukturen berlingten Ent- stellungen ein. Als solche Ausl•Sserstruktur er•Srtert kurz H. Schelsky (19) Reste sexueller Instinktschemata in der menschlichen Sinneswahrnehmung, neben den spezifischen Formen des weiblichen und m•innlichen K•Srpers auch die sexuellen Dfifte, die nach der nach wie vor bestehenden Meinung yon den apokrinen SchweiBdrfisen geliefert werden. Die yon Jellinek (1. c.) eingeffihrten Begrifle ,,erogene Riechstoffe" und ,,erogene Geriiche" kann man nut als Teil eines gr•SBeren Zusammenhangs verstehen, der nichts mir olfaktorischen Entstellungen zu tun hat. Weft doch Versuchen iramet die Entscheidung vorbehalten bleiben muB, w•ire es sinn- roll und interessant zu prfifen, ob nicht jene Riechstoffe oder die gestalt- theoretisch Ganzheiten bildenden erogen wirksamen Parfilms bei Ver- suchspersonen z.B. das Endokrinium und fiberhaupt sexualphysiologische Vorg•inge vorbereitend zu beeinflussen verm•Sgen.
818 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Dem Wirkungsmechanismus der Olfaktoria k6nnte man die Tatsache zugrunde legen, dab das Hautorgan an jedem Punkt seiner Oberfliiche zu sexuellen Stimulationen zwar geeignet ist, aber es bevorzugte Regionen gibt, deren Manipulation sich besonders erogen auswirkt. Zu diesen erogenen Zonen (20) - z. B. bei der Frau - rechnet man u. a. den oralen Bereich, Hals, und Nacken, die Stellen hinter den Ohren, die Axillen mir den apokrinen SchweiBdriisen, die Kopfhaare und den Brustansatz. Die Fiihigkeit, Partnern dutch Sekrete der Duftdrtisen, d. h. der apokrinen SchweiBdrfisen, sexuelle Bereitschaft olfaktorisch zu signalisieren, ging den Menschen, vermutlich infolge der Domestikation, verloren. Auch die ero- genen Zonen bis z. B. auf den oralen Bereich, die Haupthaare und die Axil- len, die sich visuell-strukturell abheben, fielen dadurch zunehmender Re- duktion anheim. Die einzelnen Signale fehlen, zumindest sind sie selbst in der Natur nicht immer yon maximaler Wirkung. Die Folge davon wiire eine AusstoBreaktion, eine die Erhaltung der Art bedrohende Isolierung der Geschlechtspartner voneinander. Im Gegensatz zum Tier ist der Mensch imstande, wie dies K. Lorenz (21) erliiuterte, sich selber in Abbildern er- regende und anregende Objekte zu schaffen. Ein bildender Kfinstler fiber- treibt intuitiv bei der Darstellung weiblicher K6rper z. B. die Beckenbreite, bei Darstellung m•innlicher K6rper z.B. die Schulterbreite. So lernte der Mensch oftenbar aus sozialer Existenznot die ihm eigenen Aus16ser bzw. Signale fiber das natfirliche Optimum hinaus zu steigern, um die Reizwirkung zu sichem. Es liiBt sich allem Anschein nach die Adaptation der dutch Re- duktion oder Fehlen der ursprfinglichen Produktion sexueller Duftstoffe sowie dutch zu geringe oder nicht wahrnehmbare Abhebung der erogenen Hautbereiche entstellten Individuen nut dutch Wandlung zur fiberoptimalen Attrappe vollziehen, um gem•ig Lorenz eine gesteigerte Schlfisselreizwirkung herbeizufiihren. Hierffir verwendete Katesa Schlosser (22) den Ausdruck Sigaa/is/•s. Ftir diesen Zweck wurde zuerst in friiheren Zeiten die Anwen- dung natfirlicher Riechstotlk und spiiter kfinstlich hergestellter Mischungen, der Parffims, erfunden. Frau und Mann wurden in dieser Hinsicht auf das Parfiimieren der erogenen Zonen gepriigt. Tatsiichlich werden beim Par- ffimieren die erogenen Zonen bevorzugt, etwa Axillen, Hals und Nacken, die Stellen hinter den Ohren yon der Frau, etwa der Bartwuchsbereich vom Mann. Die lokale Duftverdichtung an den erogenen Zonen soll wahrschein- lich als fiberoptimale Attrappe start des nicht wahrnehmbaren Sexualduft- stoffs zur Manipulation herausfordern. Diese Art Adaptation ist, so muB man annehmen, sicher mir dem Risiko behaftet, dab hiereals mir einem Parffim auf alle pr2sumtiven Partner der sozialen Urnwelt der instinktgemiiBe Reiz ausgefibt werden kann, weil die fiberoptimale Geruchsattrappe bei einer An-
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