OBER NATORLICHEN UND ARTIFIZIELLEN HAUTGERUCH 833 Mund- und Ano-genitalgegend - sind es vor allem die stark behaarten Be- zirke der Kopfhaut, Achselh6hlen und der Genitalgegend sowie die schweiB- drtisenreichen Handteller und FuBsohlen, die als Hauptquellen des gesamten Individualgeruches anzusehen sind. Dabei spielt die Haut selbst nut eine geringe Rolle. Entscheidend sind vielmehr die Produkte ihrer Anhangsgebilde und deren weiteres Schicksal auf der K6rperoberfl2che. AuBer der dauernd unmerklich abschuppenden Hornschicht, sind ja auch die Haare, der Talg und die verschiedenen SchweiB- arten (sowie die Milch) als Produkte des Hautorgans und seiner speziali- sierten driisigen Teile anzusehen. Zusammen mir den Resten der Hornschicht bilden Talg und SchweiB den eigentlichen Oberfl2chenfilm aus einer Un- menge verschiedener Substanzen. Diese komplizierte Emulsion unterliegt auch beim saubersten Menschen dem zersetzenden Angriff der normalen Hautflora aus verschiedenen Mikroorganismen. Bei dieset Zersetzung entstehen zahlreiche fiiichtige Substanzen, unter denen je nach K6rperregion S2uren, Basen, Ketone, schwefelhaltige Ver- bindungen, Steroide u. a. den endgtiltigen Geruchseindruck bestimmen. So herrschen Amingeriiche und Steroidketone mir ,,animalischer" Note in der Ano-genitalgegend vor, w2hrend niedere Fetts2uren vor allem an den FiiBen den Geruch des zersetzten SchweiBes bestimmen. Dabei ist zu erw2hnen, dab es sich hier ausschlieBlich um sog. ekkrine SchweiBdriisen handelt, die wit auBer an Handtellern und FuBsohlen auch am ganzen tibrigen K6rper finden. Ein anderer, auch als Duftdriisen bezeichneter (apokriner) SchweiB- driisen-Typ finder sich dagegen nur in der Genitalumgebung, den Achsel- h6hlen, den Brustwarzen, an Naseneingang, Augenlidern und 2uBerem Ge- h6rgang. Ihr Sekret ist lipidreicher als das der ekkrinen SchweiBdrtisen und lieferr dadurch mir anderen Zersetzungsprodukten einen anderen Geruchs- eindruck (,,Duftdriisen"). Besonders wichtig ist die Lokalisation dieses Driisentyps in Achselh6hlen und in der Genitalregion. Selbst beim unbekleideten Menschen zeichnen sich diese Regionen ja durch eine sehr viel gleichm2Bigere und h6here Tem- perarut wie auch h6here Feuchtigkeit aus als andere Hautregionen. Dadurch finder hier die Hautflora besonders giinstige Lebensbedingungen, so dab gerade diese Bezirke dutch das Zusammenwirken aus reichlicher Produktion des lipidreichen apokrinen SchweiBes und optimalen Lebensbedingungen ftir die Mikroorganismen der Haut als Quellen fiir den unbeeinfluBten Indi- vidualgeruch des Menschen eine entscheidende Rolle spielen (.,,zlbb. 3). Haben diese wenigen Andeutungen gezeigt, dab bereits der unbeeinfiuBte Hautgeruch des Menschen durch das Zusammenwirken verschiedener
834 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS •• (Kibrperpftege usw.) Umwettfaktoren /// / / _•4bbi/dung $ Hautgeruch und Hautstruktur. Quellen und Faktoren bedingt wird, so dfirfen keinesfalls weitere Faktoren unberficksichtigt bleiben, die den Hautgeruch unbeabsichtigt veriindern k6nnen. DEN NATORf,ICHEN EIGENGERUCH BEEINFf,USSENDE FAKTOREN Hier sei beispielsweise an klimatische Einfifisse ednnert, die nicht nut die Menge des gebildeten SchweiBes bestimmen, sondern auch, wie das Sonnen- licht, andersartige Zersetzungsreaktionen auf der Hautoberfi•iche und den Haaren bedingen k6nnen. Welchen EinfiuB etwa auch der Regen ausfiben kann, weiB am besten ein Hundebesitzer, der seinen Hund direkt aus dem Regen mit in sein Zimmer nahm: oftenbar eine Wasserdampf-Desdllation yon ,,Duft"stoffen! Berufstypische K6rpergertiche sind sicher nicht immer auf Verunreinigung yon Kleidern und Haaren zurfickzuffihren, sondern k6nnen auch dutch hartn•ickig an der Haut haftende Reste yon Berufs- stoffen (Antiseptika bei Chirurgen oder Zahn•irzten) und sogar dutch Ein- atmung und anschlieBende Abgabe fiber die Haut bedingt sein. Selbst be- ruoesspezifische Ern•ihrungsgewohnheiten etwa bei Fleischern oder B•ickern k6nnen sich im Hautgeruch •iuBern. Damit sind wit bereits beim EinfiuB der Ern•ihrung auf den Hautgeruch, wobei wit den ern•ihrungsbedingten Geruch der K6rper6ffnungen hier un- berficksichtigt lassen mfissen. Allerdings wetden nut wenige Nahrungsbe- standteile, meist nach Umwandlung im Stoffwechsel, fiber die Haut ausge-
Previous Page Next Page