DIE BEDEUTUNG DES PARFOMS 819 zahl von Individuen auch abstoBend oder indifferent wirkt und das mir ihr versehene Individuum nach wie vor beziiglich der erogenen Zonen erst recht entstellt bleibt. Diese se/ektive Adaptation an die soziale Umwelt dtirfte der Wirkung nach nut statistisch erfaBbar sein. Parftims wetden gewechselt. Dies erinnert an das Er16schen der ,,bedingten Reaktion" nach Pawlow, wenn der Hund nach dem Glockensignal nicht mehr geffittert wird. Der Glockenklang verliert seinen Signalcharakter und wird indifferenter Reiz. So kann bei stetiger Verwendung desselben Parfilms seine Funktion als sexuelle tiberoptimale Attrappe erogener Zonen zum indifferen- ten Reiz wetden und den Gebrauch eines anderen Olfaktoriums erforderlich machen. Es ist bemerkenswert, dab Ellis (21) sich 1912 der Meinung von I. Bloch dahin angeschlossen hatte - w6rtlich zitiert - ,,dab Parftims ursprfinglich von Frauen nicht wie z. B. im Zustand der Zivilisation, gebraucht wurden, um einen natfirlichen Geruch zu vetbergen, sondern um ihn zu verstftrken. Wenn der im Urzustand lebende Mann eine Frau verachtete, deren Geruch nut gering oder nicht wahrnehmbar war ... muBten Frauen notwendiger- weise lernen, den diesbezfiglichen natfirlichen Mangel zu beseitigen und ihren Geruch ebenso hervortreten zu lassen wie sie dutch Korsetts und Brfiste selbst im Zustand der Zivilisation versucht haben, die sexuellen Hauptreize des K6rpers hervorzuheben." Das hier behandelte Thema lftBt erkennen, dab das ethologische Moment des Parffimierens des menschlichen K6rpers schon zu Beginn dieses Jahr- hunderts zumindest Sexualforschern in Grundzfigen gelftufig war, abet Jellinek das Verdienst zukommt, die erogene Funktion der Olfaktoria erst- reals vielseitig hinsichtlich seiner grundlegenden Bedeutung ffir den Parffi- meur diskutiert zu haben. Er deutete tibrigens auBerdem, abet ohne nfthere Diskussion der Zusammenhftnge, den ethologischen Gedanken an, der Lippenstift habe nicht das KuBorgan zu versch6nern, sondern erogener zu machen, und das Parfilm sei fernwirksame Aufforderung zu k6rperlichem Kontakt. Ich habe vom Standpunkt des Adaptationsmodells der Kosmetik, die vor so langer Zeit von Ellis und von Bloch angedeutete Vorstellung modifizierend weitergeffihrt und die progressiven Gedankenanfftnge von Jellinek neu interpretiert. FOLGERUNGEN Von den vorhin entwickelten Vorstellungen fiber die Funktion des Par- films entsprechend dem Adaptationsmodell der Kosmetik sollen, so k6nnte erwartet werden, die Pheromone nach Karlson und Butenandt (24), yon Bethe (25) zuerst als Ektohormone beschrieben, nicht unberficksichtigt
820 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS bleiben. Jedoch ist es zweckmiBiger, eine denkbare Rolle des Pheromons im Adaptationsmodell der Kosmetik erst zu diskutieren, wenn umfangreiche- res experimentdies Material beim Menschen gewonnen worden ist. Es erscheint unm6glich, Olfaktoria Pheromonen wirkungsmiBig gleich- zusetzen. Die Vielzahl der Riechstoffe und Geruchsgestalten schlieBt doch eine bestimmte gezielte, sich gleichbleibende spezifische Wirksamkeit nach Art der Pheromone aus. Abet hypothetisch k6nnte es sein, dab einmal ein Riechstoff gefunden wird, der dem ebenfalls doch noch recht hypothetischen Humanpheromon so nahe kommt, dab er die dutch das Fehlen dieses Signals gegebene entstellende St6rung in der Kommunikation zwischen dem Mikro- smaten Mensch und seiner sozialen Urnwelt beheben und seine Adapta- tion vollziehen k6nnte. Unabhingig davon weist das behandelte Thema am Beispiel der Olfaktoria aus, dab die Vorstellungen von der Kosmetik und von der ihr ilbergeord- neten Ph•iniatrie ProNeme auch der Kybernetik und Informationstheorie bieten, die im Interesse unserer Betitigungsbereiche untersucht werden mils- sten. Die Darlegungen tragen vielleicht zur Oberzeugung bei, dab Parfilms bzw. Olfaktoria dem Adaptationsmodell der Kosmetik in allen Bedingngen entsprechen und daher berechtigterweise als Kosmetika, synonym mir Ph•inia- trika, zu gelten haben. H. Janistyn, der erfahrene kritische Empiriker, kenn- zeichnet im zweiten Band seines Handbuches (26) Parfilm oder Extrait als von untergeordneter Bedeutung filr die Kosmetik. Aus theoretischer Einsicht wire diese Einsch•itzung abet zu korrigieren. Das Parfilm kann nach allem nut ein den anderen Phiniatrika in seiner unspezifischen Wirkung - Beseitigung oder Vorbeugung der Phinomorbosit•it - ad•iquates Mittel von gesicherter sozialer Bedeutung innerhalb des Adaptationsmodells der Kosmetik zwecks adapriver Umwandlung zur ilberoptimalen Attrappe erogener Hautzonen sein. ZUSAMMENFASSUNG Es wetden der Begriff der olfaktorischen Entstellung des Menschen aus der Variabilitit der K6rpergeruchssphire nach Wahrnehmung und Beur- teilung und die soziale Bedeutung olfaktorischen Entstelltseins in Relation zur Urnwelt er6rtert. Der wahrgenommene abstoBende, daher entstellende Geruch (Beigeruch dutch fiilchtige endogene oder exogene riechende Stoffe in Konzentrationen oberhalb der spezifischen Riechschwelle) bewirkt seitens der sozialen Urnwelt eine auf das betroffene Individuum gerichtete AusstoB- reaktion. Entstellender Geruch erscheint ethologisch als Aggressionsaus- 16set. Olfaktorische Entstellungen lassen sich manchmal mir Olfaktoria verdecken, abet besser als die Kompensation des soziophoben Geruchs ist
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