DIE ALKALILOSLICHKEIT 795 In 7'abelie I sind einige der wichtigsten Daten verschiedener Faserproteine aufgezeigt. Ein Vergleich dieser Werte zeigt eindeutig, dab Humanhaar nicht nur hinsichtlich des Faserdurchmessers, sondern insbesondere im Cy- stingehalt und damit im Quervernetzungsgrad sich von den anderen Faser- proteinen unterscheidet. Diese Tatsachen sowie die h6here Kristallinit2t und die Pigmentation des Humanhaares dtirften u. a. daftir verantwortlich sein, dab die Ergebnisse von L6slichkeitstesten bei Wolle und Humanhaar nicht miteinander verglichen werden k6nnen. Bei der oxidativen Behandlung von Faserproteinen nimmt in Abh2ngig- keit von der Einwirkungszeit, der Temperatur und dem pH-Wert der Cystin- gehalt ab und der Cysteins2uregehalt zu. In umfangreichen Untersuchungen wurde nun allerdings festgestellt, dab die Summe aus verbleibendem Cystin und gebildeter Cysteinsiiure in derart behandelten Proben in den seltensten Fiillen der unbehandelten Probe entspricht (9). Aus diesera Grunde wurde in der Folge auf die Bestimmung des Cystingehaltes verzichtet. Es soll nur der resultierende Cysteins2uregehalt im Verh21tnis zur Alkali16slichkeit diskutiert werden. Tabelle I Kenndaten verschiedener Keratinfasern Faserprotein Durchmesser (/•m) s (%) Cyatin OtMol/g) Alkali- 16slichkeit (%) Merinowolle Lincolnwolle Mohair Humanhaar braun Humanhaar grau Humanhaar schwarz 21,0 3,42 458,0 16,0 38,5 3,58 478,0 13,0 33,5 3,16 435,0 12,0 80,0 5,36 709,0 6,0 71,0 4,95 660,0 5,0 66,0 5,11 685,0 5,0 76,0 4,83 648,0 7,0 58,0 5,30 710,0 6,0 90,0 5,08 678,0 5,0 88,0 5,22 700,0 5,0 110,0 5,03 672,0 6,0 In einer ersten Untersuchungsreihe wurden Humanhaare in w•iBriger L6sung, in einer gelf6rmigen Zubereitung und mittels einer Haarfestiger- 16sung blondiert. Das Ausgangshaar zeigte eine Alkali16slichkeit von 6,0 % bei einem Cysteins2uregehalt von 45#Mol/g. Die ermittelten Werte sind in Tabe//e II wiedergegeben. Von gewissen Schwankungen abgesehen besteht eine gute Korrelation zwischen der Alkali16slichkeit und den Cysteinsiiure- werten.
796 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Tabelle II Alkali16slichkeiten und Cysteins•iurewerte unterschiedlich blondierter Humanhaare H=O=- Flotte 1:10 Konzentration Zeit CySOaH Alkali- (%) (min) 1/Sslichkeit (/tMol/g) (%) Carbopol-Gel CySOaH Alkali- 16slichkeit (/tMol/g) (%) Haarfestiger-L6sung CySOaH Alkali- 16slichkeit QtMol/g) (%) 3,0 15 79,0 7,0 53,0 7,0 73,0 7,0 30 95,0 8,0 75,0 8,0 77,0 8,0 45 100,0 10,0 90,0 8,0 88,0 8,0 60 109,0 10,0 110,0 9,0 96,0 9,0 6,0 15 118,0 10,0 102,0 9,0 114,0 9,0 30 150,0 12,0 120,0 10,0 128,0 10,0 45 173,0 12,0 130,0 11,0 152,0 13,0 60 200,0 14,0 146,0 13,0 175,0 14,0 %0 15 136,0 11,0 160,0 12,0 116,0 9,0 30 176,0 12,0 176,0 12,0 136,0 11,0 45 210,0 15,0 220,0 16,0 140,0 11,0 60 223,0 18,0 236,0 18,0 165,0 12,0 In einer zweiten Untersuchungsreihe wurde Humanhaar dauergewellt und danach ebenfalls die Alkaii16slichkeit sowie der Cysteins•iuregehalt bestimmt. Das zu 14,3% reduzierte Haar wurde in Abh•ingigkeit von der Zeit mit 3 und 6% Wasserstoffperoxid bei pH 3,0 reoxidiert, wodurch der Cystein- gehalt auf den urspriinglichen Weft absank. Gleichzeitig stieg abet der Cysteins•iuregehalt von 45/tMol/g im Ausgangshaar auf ein Mehrfaches an, was direkt dutch die quantitative Analyse des Oxidationsproduktes und in- direkt dutch die Alkali16slichkeit bewiesen wurde. Die Werte sind in Tabelle III angefiihrt. Interessant ist dabei, dab die Cysteinylreste selbst nach einer oxidativen Behandlung nicht vollst•indig in Cystinylreste zu iiberfiihren sind. Die freien, nicht oxidierbaren Sulfhydrylgruppen miissen k•ifigartig ge- schiitzt sein, wodurch sie der Einwirkung von Wasserstoffperoxid entzogen sind. In einer dritten Untersuchungsreihe wurden vier verschiedene Human- haartypen permanent gef•irbt. Neben handelsiiblichen Oxidationsbasen gelangten 3 und 6% H•.O•. enthaltende Gele zur Anwendung, die 5, 10, 15 und 20 min bei 54øC auf dem Haar belassen wurden. Diese nicht praxis- tibliche Trocknungstemperatur wurde gew•ihlt, um bessere Unterscheidungs- m6glichkeiten hinsichtlich der Alkali16s!ichk½it zu gew•ihrl½istcn. Bei den
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