DIE ALKALILOSLICHKEIT 801 dungen, dessen Urnfang dutch die Bestimmung der AlkalilOslichkeit ermittelt werden kann. Zusammenfassend ist zu sagen, dab es sich bei der Alkalil•Sslichkeit um eine ideale Schnellmethode zur Bestimmung chemischer und physikalischer Veriinderungen am Humanhaar - hervorgerufen dutch Oxidationsmittel - handelt. Als Kritik ist allerdings anzuftihren, dab diese Methode an eine gewisse Probemenge gebunden ist. Bei Routineuntersuchungen im Labora- torium diirfte dies iramet zu realisieren sein, bei der Beurteilung von Haar- veriinderungen, die dutch unsachgemiBe Behandlung dutch den Friseur entstanden sind, diirfte es hingegen nicht iramet m•Sglich sein, die entspre- chenden Haarmenge• herbeizuschaffen. Fiir diesen Fall ist unseres Erachtens die Cysteinsiiurebesdmmung dutch Ionenaustausch-Chromatographie die Methode der Wahl. Zur Methodik der Alkalil•Sslichkeit ist zu sagen, dab sie von der t3ber- legung ausgeht, dab eine Keratinfaser um so st•irker in alkalischenL•Ssungen quillt und auch Substanzverlust erleidet, der letztlich entscheidend fiir die Beurteilung der chemischen Ver•inderungen an den Keratinfraktionen ist, je geringer der Quervernetzungsgrad und je gr•SBer der Gehalt an anioni- schen Gruppen im Keratinverband ist. Sie beriicksichtigt nicht die wihrend der Alkalieinwirkung an den vorhandenen intermediiiren Oxidations- produkten des Cystins bzw. Cysteins vor sich gehenden Umwandlungen (14) (15). Sie beriicksichtigt ebenfalls nicht einen eventuellen Lanthionin- gehalt in der Ausgangsprobe, der zu einer zus•itzlichen Vernetzung des Keratins und damit zu Fehlschliissen fiihren kann (16). ZUSAMMENFASSUNG Humanhaar wurde in AbNingigkeit von der Zeit und der Wasserstoff- peroxidkonzentration blondiert, dauergewellt und oxidativ gef•irbt. Von die- sen unterschiedlich behandelten Proben wurden die Alkali16slichkeit sowie der Cysteins•iuregehalt bestimmt und beide Werte graphisch dargestellt. Es zeigte sich, dab eine Erh6hung des Cystdns•iuregehalts logischerweise eine Erh6hung der Alkali16slichkeit bewirkt. Da dieset Anstieg linear ver- l•iuft, kann daraus indirekt auf den Cysteins•iuregehalt geschlossen wetden. Da der Cysteins•iuregehalt andererseits als das wichtigste Kriterium ftir den Zustand eines Humanhaares angesehen wetden kann, ist deshalb die ]3estimmung der Alkalil•Sslichkeit eine ideale Methode zur Bestimmung von Humanhaarver•indemngen dutch Oxidationsmittel. Ausgehend yon einem Cystingehalt des unbehandelten Humanhaares von 709 /•Mol/g be- dcutet dne Alkalil•Sslichkeit von 16%, dab sich dutch Oxidationsprozesse
802 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS ca. 220/•Mol/g Cysteins•ure gebildet haben, somit ca. 15 % der vorhandenen Cystinbindungen oxidiert sind und so fiir eine Dauerwellung z. B. nicht mehr zur Verfiigung stehen. Um mir Hilfe der Alkalil•Sslichkeit definierte Aussagen machen zu k•Snnen, ben•Stigt man insgesamt ca. 1,0 g der zu untersuchenden Haarprobe, w•hrend die Cysteins•urebestimmung dutch Niedervoltelektro- phorese 0,3-0,5 g bzw. dutch Ionenausmusch-Chromatographie 5 mg an Untersuchungsmaterial errordeft. LITERATUR (1) Harris, M., and Smith, A. L., J. Res. nat. Bur. Standards 17, 577 (1936). (2) Zahn, H., in ,,lVollkunde", 2. Auflage, H. Doehner und H. Reumuth (Herausgeber), Verlag P. Parey, Berlin 1964, p. 101. (3) IWTO-4-60 (1966), International Wool Secretariat, London. (4) Ziegler, K., Forschungsber. Land Nordrhein-lVestfalen, Nr. 1275, 1963. (5) Meichelbeck, H., Hack, A. G., und Sentlet, Chr., Z. ges. Textilind. 70, 242 (1968). (6) Freytag, H., Parfimerie u. Kosmet. 41, 403 (1960) ib. 43, 201 (1962) ib. 53, 2, 32 (1972). (7) Freytag, H., J. Soc. Cosme/. Chemists 11, 555 (1960) ib. 15, 667 (1964). (8) Freytag, H., Aesthet. Med. 11, 278 (1962). (9) Eriemann, G. A., und Beyer, H., J. Soc. Cosmet. Chemists 22, 795 (1971). (10) Leach, S. J., Austral. J. Chem. 13, 547 (1960). (11) Lees, K., and Elsworth, F. F., Proc. Intern. lVool Text. Res. Conf. 1955 C, Part 2, 363, Australia. (12) Thompson, E. O. P., and O'Donnell, I. J., AustraL J. BioL Sci. 12, 282 (1959). (13) Wibaux, G., Mazingue, G. et van Overblke, M., Bull. Inst. Text. France 87, 61 (1960). (14) Savige, W. E., and Maclaren, J. A., The Chemistry qf Organic Su.lfur Compounds, Pergamon Press, Vol. 2, 367 (1966). (15) Robbins, C., J. Soc. Cosmet. Chemists 22, 339 (1971). (16) Zahn, H., Chimia (Aarau, Schweiz) 15, 378 (1961).
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