820 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS bleiben. Jedoch ist es zweckmiBiger, eine denkbare Rolle des Pheromons im Adaptationsmodell der Kosmetik erst zu diskutieren, wenn umfangreiche- res experimentdies Material beim Menschen gewonnen worden ist. Es erscheint unm6glich, Olfaktoria Pheromonen wirkungsmiBig gleich- zusetzen. Die Vielzahl der Riechstoffe und Geruchsgestalten schlieBt doch eine bestimmte gezielte, sich gleichbleibende spezifische Wirksamkeit nach Art der Pheromone aus. Abet hypothetisch k6nnte es sein, dab einmal ein Riechstoff gefunden wird, der dem ebenfalls doch noch recht hypothetischen Humanpheromon so nahe kommt, dab er die dutch das Fehlen dieses Signals gegebene entstellende St6rung in der Kommunikation zwischen dem Mikro- smaten Mensch und seiner sozialen Urnwelt beheben und seine Adapta- tion vollziehen k6nnte. Unabhingig davon weist das behandelte Thema am Beispiel der Olfaktoria aus, dab die Vorstellungen von der Kosmetik und von der ihr ilbergeord- neten Ph•iniatrie ProNeme auch der Kybernetik und Informationstheorie bieten, die im Interesse unserer Betitigungsbereiche untersucht werden mils- sten. Die Darlegungen tragen vielleicht zur Oberzeugung bei, dab Parfilms bzw. Olfaktoria dem Adaptationsmodell der Kosmetik in allen Bedingngen entsprechen und daher berechtigterweise als Kosmetika, synonym mir Ph•inia- trika, zu gelten haben. H. Janistyn, der erfahrene kritische Empiriker, kenn- zeichnet im zweiten Band seines Handbuches (26) Parfilm oder Extrait als von untergeordneter Bedeutung filr die Kosmetik. Aus theoretischer Einsicht wire diese Einsch•itzung abet zu korrigieren. Das Parfilm kann nach allem nut ein den anderen Phiniatrika in seiner unspezifischen Wirkung - Beseitigung oder Vorbeugung der Phinomorbosit•it - ad•iquates Mittel von gesicherter sozialer Bedeutung innerhalb des Adaptationsmodells der Kosmetik zwecks adapriver Umwandlung zur ilberoptimalen Attrappe erogener Hautzonen sein. ZUSAMMENFASSUNG Es wetden der Begriff der olfaktorischen Entstellung des Menschen aus der Variabilitit der K6rpergeruchssphire nach Wahrnehmung und Beur- teilung und die soziale Bedeutung olfaktorischen Entstelltseins in Relation zur Urnwelt er6rtert. Der wahrgenommene abstoBende, daher entstellende Geruch (Beigeruch dutch fiilchtige endogene oder exogene riechende Stoffe in Konzentrationen oberhalb der spezifischen Riechschwelle) bewirkt seitens der sozialen Urnwelt eine auf das betroffene Individuum gerichtete AusstoB- reaktion. Entstellender Geruch erscheint ethologisch als Aggressionsaus- 16set. Olfaktorische Entstellungen lassen sich manchmal mir Olfaktoria verdecken, abet besser als die Kompensation des soziophoben Geruchs ist
DIE BEDEUTUNG DES PARFOMS 821 seine kausale Beseitigung. Parfilms weisen einen Geruch auf, der mehr ist als die Summe der Gerfiche der einzelnen Riechstoffe. DaB das Olfaktorium Beziehungen zur Gestaltpsychologie besitzt, erkannte P. Jellinek. Die schon vor 60 Jahren bewuBt gewordene Bedeutung der Gerfiche f/Jr die mensch- liche Sexualit/it (H. Ellis) versuchte ebenfalls P. Jellinek als Parffimeur detailliert zu begrfinden. Sexuelle Dfifte sind nach H. Schelsky Reste sexueller Instinktschemata Jellinek spricht von ,,erogenen" Gerfichen bzw. Riech- stoffen. Innerhalb des Adaptationsmodells der Kosmetik, unter Berficksich- tigung ethologischer Fakten, ist jedes am Menschen angewandte Olfakto- rium (Parfilm) ein Kosmetikum (PNiniatrikum) zur Realisierung einer tiber- optimalen Attrappe erogener Zonen der Haut oder dieses Gesamtorgans zwecks Adaptation an einen Tell pr/isumtiver Partner der sozialen Urnwelt. Gew6hnung macht das Parfilm als fiberoptimale Attrappe zum indifferenten Reiz und einen Parffimwechsel notwendig. Die Beziehung der Kosmetik zur Kybernetik und zur Informationstheorie wird am Beispiel der Olfaktoria angedeutet. LITERATUR (1) Truttwin, H. (Herausgeber und Mitautor), Handbuch der Kosmetischen Chemie, Verlag yon Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1920 vgl. hierzu H. Freytag, Parf/imerie u. Kosmet. 52, 347 (1971). (2) Gumpert, M., Die gesamte Kosmetik (Entstellungsbekgmpfung). gin GrundriJ• f/Jr •rgte und Studierende, G. Thieme Verlag, Leipzig 1931. (3) Borelli, S., Psyche und Haut, in: H. A. Gottton (Herausgeber), Grundlagen und Grenrogebiete der Dermatologie, Ergiinzungswerk Bd. 8 zu Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten (J. Jadassohn), Springer Verlag, Berlin - Heidelberg - New York 1967, p. 524, 525, 526, 527, 538. (4) K6nig, R., Kosmetologie 1971, 43. (5) Freytag, H., Parfiimerie u. Kosmet. 52, 65, 342 (1971) Rehabilitation 24, 7 (1971) Przegl•d Dermatologiczny 53, [Dermatolog. Rdsch.] 721 (1966) (6) Hopf, G., Kosmetik-Tage Karlsruhe 1970, Ausstellungs- und KongreB GmbH Karlsruhe (Herausgeber). (7) Liiders-Lohde, Christa, •4esthet. Med. 18, 89 (1969). (8) Neuhaus, W., Miinchener reed. IVschr. 103, 1752 (1961). (9) L/3hner L., Pfl/igers •lrch. ges. PhysioL Menschen Tiere 202, 25 (1924) 212, 85 (1926). (10) Luchins, A. S., f. Soc. Pqchol. 72, 227 (1967). (11) Klages, W., und Klages, I., Dtsch. reed. IVschr. 92, 871 (1967). (12) Mitchell, M. A., Konigsbacher, K. S., and Edinan, W. W., Ann. New York •4cad. Sci. 116, 685 (1964). (13) Mehling, H., zitiert bei (10). (14) Hehlmann, W., IVgrterbuch der Psychologie, Alfred Kr/3ner Verlag, Stuttgart 1959, p. 165 (Gestaltpsychologie). (15) Jellinek, P., Dk psychologischen Grundlagen der Parf/imerie. Untersuchungen /iber die IVirkungen yon Geriichen aufdas Gef/ihlsleben. 2. verbesserte Auflage, Dr. A. Hiithig Verlag, Heidelberg 1965, p. 133ff. (16) Katz, David, Gestaltpsychologie, 4. Auflage, Bearbeitet und ergiinzt yon Wolfgang Metzget, Michael Stadler und Heinrich Grabus. Schwabe & Co. Verlag, Basel - Stuttgart 1969, p. 47.
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