818 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS Dem Wirkungsmechanismus der Olfaktoria k6nnte man die Tatsache zugrunde legen, dab das Hautorgan an jedem Punkt seiner Oberfliiche zu sexuellen Stimulationen zwar geeignet ist, aber es bevorzugte Regionen gibt, deren Manipulation sich besonders erogen auswirkt. Zu diesen erogenen Zonen (20) - z. B. bei der Frau - rechnet man u. a. den oralen Bereich, Hals, und Nacken, die Stellen hinter den Ohren, die Axillen mir den apokrinen SchweiBdriisen, die Kopfhaare und den Brustansatz. Die Fiihigkeit, Partnern dutch Sekrete der Duftdrtisen, d. h. der apokrinen SchweiBdrfisen, sexuelle Bereitschaft olfaktorisch zu signalisieren, ging den Menschen, vermutlich infolge der Domestikation, verloren. Auch die ero- genen Zonen bis z. B. auf den oralen Bereich, die Haupthaare und die Axil- len, die sich visuell-strukturell abheben, fielen dadurch zunehmender Re- duktion anheim. Die einzelnen Signale fehlen, zumindest sind sie selbst in der Natur nicht immer yon maximaler Wirkung. Die Folge davon wiire eine AusstoBreaktion, eine die Erhaltung der Art bedrohende Isolierung der Geschlechtspartner voneinander. Im Gegensatz zum Tier ist der Mensch imstande, wie dies K. Lorenz (21) erliiuterte, sich selber in Abbildern er- regende und anregende Objekte zu schaffen. Ein bildender Kfinstler fiber- treibt intuitiv bei der Darstellung weiblicher K6rper z. B. die Beckenbreite, bei Darstellung m•innlicher K6rper z.B. die Schulterbreite. So lernte der Mensch oftenbar aus sozialer Existenznot die ihm eigenen Aus16ser bzw. Signale fiber das natfirliche Optimum hinaus zu steigern, um die Reizwirkung zu sichem. Es liiBt sich allem Anschein nach die Adaptation der dutch Re- duktion oder Fehlen der ursprfinglichen Produktion sexueller Duftstoffe sowie dutch zu geringe oder nicht wahrnehmbare Abhebung der erogenen Hautbereiche entstellten Individuen nut dutch Wandlung zur fiberoptimalen Attrappe vollziehen, um gem•ig Lorenz eine gesteigerte Schlfisselreizwirkung herbeizufiihren. Hierffir verwendete Katesa Schlosser (22) den Ausdruck Sigaa/is/•s. Ftir diesen Zweck wurde zuerst in friiheren Zeiten die Anwen- dung natfirlicher Riechstotlk und spiiter kfinstlich hergestellter Mischungen, der Parffims, erfunden. Frau und Mann wurden in dieser Hinsicht auf das Parfiimieren der erogenen Zonen gepriigt. Tatsiichlich werden beim Par- ffimieren die erogenen Zonen bevorzugt, etwa Axillen, Hals und Nacken, die Stellen hinter den Ohren yon der Frau, etwa der Bartwuchsbereich vom Mann. Die lokale Duftverdichtung an den erogenen Zonen soll wahrschein- lich als fiberoptimale Attrappe start des nicht wahrnehmbaren Sexualduft- stoffs zur Manipulation herausfordern. Diese Art Adaptation ist, so muB man annehmen, sicher mir dem Risiko behaftet, dab hiereals mir einem Parffim auf alle pr2sumtiven Partner der sozialen Urnwelt der instinktgemiiBe Reiz ausgefibt werden kann, weil die fiberoptimale Geruchsattrappe bei einer An-
DIE BEDEUTUNG DES PARFOMS 819 zahl von Individuen auch abstoBend oder indifferent wirkt und das mir ihr versehene Individuum nach wie vor beziiglich der erogenen Zonen erst recht entstellt bleibt. Diese se/ektive Adaptation an die soziale Umwelt dtirfte der Wirkung nach nut statistisch erfaBbar sein. Parftims wetden gewechselt. Dies erinnert an das Er16schen der ,,bedingten Reaktion" nach Pawlow, wenn der Hund nach dem Glockensignal nicht mehr geffittert wird. Der Glockenklang verliert seinen Signalcharakter und wird indifferenter Reiz. So kann bei stetiger Verwendung desselben Parfilms seine Funktion als sexuelle tiberoptimale Attrappe erogener Zonen zum indifferen- ten Reiz wetden und den Gebrauch eines anderen Olfaktoriums erforderlich machen. Es ist bemerkenswert, dab Ellis (21) sich 1912 der Meinung von I. Bloch dahin angeschlossen hatte - w6rtlich zitiert - ,,dab Parftims ursprfinglich von Frauen nicht wie z. B. im Zustand der Zivilisation, gebraucht wurden, um einen natfirlichen Geruch zu vetbergen, sondern um ihn zu verstftrken. Wenn der im Urzustand lebende Mann eine Frau verachtete, deren Geruch nut gering oder nicht wahrnehmbar war ... muBten Frauen notwendiger- weise lernen, den diesbezfiglichen natfirlichen Mangel zu beseitigen und ihren Geruch ebenso hervortreten zu lassen wie sie dutch Korsetts und Brfiste selbst im Zustand der Zivilisation versucht haben, die sexuellen Hauptreize des K6rpers hervorzuheben." Das hier behandelte Thema lftBt erkennen, dab das ethologische Moment des Parffimierens des menschlichen K6rpers schon zu Beginn dieses Jahr- hunderts zumindest Sexualforschern in Grundzfigen gelftufig war, abet Jellinek das Verdienst zukommt, die erogene Funktion der Olfaktoria erst- reals vielseitig hinsichtlich seiner grundlegenden Bedeutung ffir den Parffi- meur diskutiert zu haben. Er deutete tibrigens auBerdem, abet ohne nfthere Diskussion der Zusammenhftnge, den ethologischen Gedanken an, der Lippenstift habe nicht das KuBorgan zu versch6nern, sondern erogener zu machen, und das Parfilm sei fernwirksame Aufforderung zu k6rperlichem Kontakt. Ich habe vom Standpunkt des Adaptationsmodells der Kosmetik, die vor so langer Zeit von Ellis und von Bloch angedeutete Vorstellung modifizierend weitergeffihrt und die progressiven Gedankenanfftnge von Jellinek neu interpretiert. FOLGERUNGEN Von den vorhin entwickelten Vorstellungen fiber die Funktion des Par- films entsprechend dem Adaptationsmodell der Kosmetik sollen, so k6nnte erwartet werden, die Pheromone nach Karlson und Butenandt (24), yon Bethe (25) zuerst als Ektohormone beschrieben, nicht unberficksichtigt
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