814 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS v611ig filtriert oder vermindeft. Im Prinzip besitzt die K6rpergeruchssph•ire ganz allgemein die Funktion einer [,formatioas•bermitt/aaeg unter Transport yon Materie, den Molekillen der riechenden Stoffe. Die o.lfaktorische Entstellung So relativ einfach es ist, Entstellungen an den ilbrigen Exterieurteilsub- straten, Haut mir ihren Anhangsgebilden, den sichtbaren Z•ihnen und Teilen der Mundh6hle zu beschreiben, so schwierig scheint es doch zu sein, Ent- stellungen an der K6rpergeruchssph•ire zu erfassen. Der Grund hierfilr liegt in der Variabilit•'t ihrer Wahrnehmung und Beurteilung mir recht groBem Spielraum schon bei einem Individuum und in bezug auf Kultur- r•iume, mir deren Verschiedenheit die Beurteilung derselben Geruchsqualit•it ebenfalls Schwankungen unterliegt. Die olfaktorische Entstellung gewinnt ihre soziale Bedeutung nut aus dem Zusammenhang mir dem K6rper und den Auswirkungen auf Mitindividuen. Ein ,,olfaktorisch entstellter" Gegenstand ist leicht zu eliminieren, auch ein abstoBendes Parfilm. Man macht diese Dinge zu Milll. Der Mensch hingegen muB sich abet wegen seiner Entstellung mir seiner sozialen Urnwelt aktiv auseinandersetzen, selbst dann, wenn er, infolge z. B. einer Anosmie, seine Entstellung erst an der Abwehr dutch die soziale Urnwelt merkt, etwa dutch den Sexualpartner. Die K6rpergeruchssph•ire zu entstellen, vermag jeder bei Umgebungs- und K6rpertemperatur flilchtige endogene oder exogene dechen& Stoff in einer Konzentration oberhalb der spezifischen Riechschwelle, der sich den Mitgerilchen gegenilber physikalisch-chemisch durchsetzt oder mir ihnen eine neue Geruchsqualit•'t lieferr, so dab dessen Mnmutungs•veise abstoBend, wie eklig, widerw•irtig, unangenehm, und deshalb bewuBt zur Geltung gelangt: Dabei ilben sicherlich die Adaptation des Geruchssinns an den Dauerreiz der iihnlichen Gerilche des K6rpers und die Konzentrationsh6hen zus•itzlich ihre entsprechenden Einflilsse aus. Der wahrgenommene abstoBende, die K6rpergeruchssph•ire entstellende Geruch hat seitens der sozialen Urnwelt filr das betreffende Individuum eine AusstoBreaktion zur Folge. Es mag daher erlaubt sein, den entstellenden Geruch als Aggressionsaus16ser zu betrachten. W•ihrend abet visuell oder taktil wahrnehmbare Entstellungen als Aggressionsaus16ser recht gleich- m•iBig auf die soziale Urnwelt zu witken scheinen, ist dies, wie schon an- gedeutet, bei olfaktorischen nicht in diesem Umfang der Fall. Die Relativit•7 olJaktorischer Entstellungen ist anscheinend besonders ausgepr•t.
DIE BEDEUTUNG DES PARFUMS 815 Erinnert sei an eine (in der Bundesrepublik Deutschland gezeigte) Fern- sehreklame, die f/fir eine Mann-Frau-Gruppe die AusstoBreaktion als Folge des Foetor ex ore und die Behebung des olfaktorischen Aus16sers anschau- lich benutzt. Der/fible Mundgeruch ist eine stark dominierende Entstellung der K6rpergeruchssph•ire, in der Terminologie yon L6hner ein Beigeruch. F/fir olfaktorische Entstellungen sind wohl die exogenen und endogenen Bei- ger/fiche offenkundig allgemein verant•vortlich, sofern sie, das muB einschr•in- kend betont werden, die K6rpergeruchssph•ire soziophobieren. DIE AUFGABEN DER OLFAKTOI•IA Desodorierung Das durch die folgende AusstoBreaktion isolierte Individuum muB sich um die R/fickkehr in seine soziale Welt bem/fihen, entweder durch Vorbeugung der olfaktorischen Entstellung durch Reinigung des K6rpers oder durch Desodorantia. Dutch solche mir chemisehen Mitteln zu realisierende MaBnah- men adaptiert sich der betroffene Mensch an seine soziale Urnwelt. Adaptive oeompensatorika Es liegt natfirlich nahe, den entstellenden Geruch mir Olfaktoria zu verdek- ken, die man als adaptive Komj•ensatorika bezeichnen k6nnte. Deren Wirkung muB jedoch recht gering eingeschiitzt werden. Angesichts der Vielfalt m6g- licher olfaktorischer gntstellungen m/fiBten j eweils spezielle Kompensatorika zur Verf/figung stehen, denn die Verwendung eines f/fir den gegebenen Fall ,,falsch" gewiihlten Olfaktoriums k6nnte vielleicht sogar die Entstellung der K6rpergeruchssph•ire noch intensivieren. Erfahrungsgem•iB kann die olfak- torische Entstellung eines Individuums in einem geschlossenen Raum durch Anwesenheit anderer parf/fimierter Personen gelegentlich infolge Entstehung eines abstoBenden Mischgeruchs sehr drastisch und generalisiert werden. Ein entstellender objektiv unangenehmer Geruch wird durch Aufwertung nicht weniger soziophob. So lassen sich Befunde yon A. S. Luchins (10) inter- pretieren. Die entstellenden Beiger/fiche entstammen der bakteriellen Zersetzung yon SchweiB und Proteinen sowie der Raumluft. Das Verspr/fihen olfaktorieller Kompensatorika ist nicht so wirksam wie die Lufterneuerung. Eine beson- dere Frage ist die Verwendung der Olfaktoria in herk6mmlichen Kosmetika. Dies geschieht bekanntlich einerseits zur Kompensation des soziophoben Geruchs eines Pr•iparats, verursacht durch die Eigenger/fiche seiner Kompo-
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