704 JOURNAL OF THE SOCIETY OF COSMETIC CHEMISTS sowohl bei diesen Systemen als auch bei echten Salben kristalline Bereiche als solche erkannt werden. Diese erlauben jedoch wegen ihrer kleinen Abmessungen und den unscharfen Obergiingen in die weniger kristallinen bzw. amorphen Bezirke keine weitergehenden InformationsmiSglichkeiten fiber die Feinstruktur ihres kristallinen Aufbaus. Um Aufschlfisse fiber die Verteilung der verschiedenen Komponenten einer Salbenrezeptur am Aufbau des Gelgerfistes und der darin immobilisierten flfissigen Bestand- teile bzw. der Anordnung der einzelnen Molekfile zueinander zu erhalten, bietet sich die RiSntgenstrukturanalyse an. Ober die Ergebnisse dieser Untersuchungen am Beispiel der Hydrophilen Salbe des DAB 7 soil hier berichtet werden. 2. Material und Methoden Die Hydrophile Salbe des DAB 7 besteht aus 30 Teilen Emulgierendem Cetylstearylalkohol, 35 Teilen dickflfissigem Paraffin und 35 Teilen weigem Vaselin. Der Emulgierende Cetylstearylalkohol selbst setzt sich zu gleichen Teilen aus Cetyl- bzw. Stearylalkohol zusammen und enthiilt zu 10 Prozent die Natriumsalze der Schwefelsiiureester dieser beiden Komponenten. Ffir die Untersuchungen sowohl der Ausgangssubstanzen als auch der entsprechenden Mischungen wurden Materialien in der Qualitiit des DAB 7 verwendet. Da kolloide Strukturen entscheidend vom Reinheitsgrad der Substanzen abh'•ngen kiSnnen, wurden bewugt keine speziell gereinigten Produkte eingesetzt, um ffir die Hydrophile Salbe repriisentative Systeme zu bearbeiten. Aufnahmetechnik nach KJessig (2) Die Untersuchungen wurden reit Hilfe von Kiessig~Kammem ffir den Kleinwinkelbereich und den nahen Weitwinkelbereich durchgeffihrt. Die wiedergegebenen Aufnahmen wurden mit einem Objekt-Filmabstand von 100 bzw. 200 mm gewonnen. Aufnahmen mit gr6geren Objekt- Filmabstiinden ffihrten zu keinen weiteren Ergebnissen. Die Proben wurden nach dem Aufschmelzen in eine Probenkapillare eingesaugt, die dann durch Abschmelzen beiderseitig verschlossen wurde. Die Unter- suchungen erfolgten im Vakuum. RiSntgengenerator: Mfiller-Mikro 111 Strahlung Cu K o•, Nickelfilter. Beschleunigungsspannung: 40 kV Anodenstrom: 20 mA. Die Expositionszeiten lagen je nach Intensitiit der Interferenzen und in Abhiingigkeit von der Kammerliinge zwischen 3 und 8 Tagen.
CRYSTALLINE STATE OF HYDROPHILLIC OINTMENT 705 Aufnahmetechnik reit dem Vertikalgoniometer Die Proben wurden in d•inner Schicht auf eine Glasplatte auf- geschmolzen. R/3ntgengoniometer: Siemens Interferenz-Goniometer R6ntgengene- rator: Siemens Kristalloflex IV Beschleunigungsspannung: 20 kV Anodenstrom: 20 mA $trahlung: CU K cx, Nickelfilter Abtastge- schwindigkeit 1/4ø/min. Stat. Fehler: 2%, Impulsrate: 4 x 10 3 Imp./min. 3. Ergebnisse Zun•ichst wurden die einzelnen Bestandteile der Salbe untersucht und diese anschlief•end stufenweise zum Aufbau der Hydrophilen Salbe (DAB 7} zusammengef•igt. 3.1. Cetylalkohol Die Untersuchungen von M•iller und Shearer (31, Piper und Malkin (41, Clarkson und Malkin (51 sowie Tanaka und Mitarbeiter (61 ergaben, daf• Fettalkohole ebenso wie Fettsauren und Triglyzeride polymorphes Verhalten zeigen, d.h. bei gleicher chemischer Zusammensetzung ver- schiedene Kristallstrukturen ausbilden k6nnen. Die Fettalkohole zwischen Dodecanol und Eicosanol bilden kurz unterhalb ihrer Schmelzpunkte stabile Hochtemperaturmodifikationen aus, die als cx-Form bezeichnet werden. Fettalkohole mit geradzahliger Kette von Kohlenstoff-Atomen sind in der Lage, zwei Tieftemperaturmodifikationen auszubilden. Bei der orthorhombischen Do-Phase liegen dabei die Hydroxylgruppen in der gleichen Ebene wie die Kohlenstoffketten bei den monoklinen ¾-Phasen dagegen sind diese Ebenen zueinander geneigt [7}. Theoretisch sind sowohl Cetylalkohol als auch die anderen genannten Fettalkohole in der Lage, abh•ingig von den Kristallisationsbedingungen in einer Vielzahl von Modifikationen zu kristallisieren. Bei gleichbleibender orthorhombischer $ubzelle der Kohlenwasserstoffketten (Abbildung 1} wird diese Vielfalt durch Verschieben der einzelnen Ketten gegeneinander um definierte Winkel erreicht. Es mug angenommen werden, dag die freie Energie dabei ein Miniurn aufweist. Der Kettenneigungswinkel kann deshalb nicht bEliebig sein, da sich nur bei ganz bestimmten Winkeln, die dutch die Lange einer Methylen-Einheit oder deren Vielfachem vorgegeben sind, f•ir eine Modifikation ein energetisch grinstiger Zustand mit minimaler freier Energie des Systems einstellen wird. Dieser ist dann erreicht, wenn die
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